Altstadt in Schwerte: Absperrbügel gegen Radler scheitern am Klimanotstand

rnAnwohnerprotest in Schwerte

Der Bürgersteig der Nordstraße in der Altstadt ist so schmal, dass Fußgänger auf der Fahrbahn gehen. Rücksichtlos durchfahrende Verkehrsteilnehmer gefährden sie. Die Anwohner sorgen sich.

Schwerte

, 07.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein neues Schild. Ein weißer Kreis mit rotem Rand. Mehr nicht. Der Austausch der Verkehrszeichen allein soll es richten und den Anwohnern der schmalen Nordstraße mehr Sicherheit bringen. Einen Absperrbügel, der an der engsten Stelle das Durchfahren auch durch rasende Radfahrer unterbinden könnte, sollen sie indes nicht enthalten. Das wird ihnen in einem Schreiben des städtischen Ordnungsamtes mitgeteilt, nachdem sie sich hilfesuchend an Bürgermeister Dimitrios Axourgos gewandt hatten. Auch werde der Poller, der derzeit weit seitlich im Rinnstein positioniert ist, nicht wieder in die Fahrbahnmitte zurückversetzt.

Mittiger Poller verschwand zugunsten der Barrierefreiheit

Die Leiterin des Ordnungsamtes, Jenny Golombek, erläutert Anwohnersprecher Marc Kaiser auch den Grund: Der mittige Poller sei im Jahre 2017 im Zuge der Barrierefreiheit mit Schwerpunkt „Fahrradfreundliche Stadt“ entfernt worden. „Die Nordstraße kann durch den Wegfall des Pollers von Fußgängern und Menschen mit Beeinträchtigungen uneingeschränkt genutzt werden; Umwege über den Nordwall sind dadurch nicht notwendig“, heißt es in dem Brief. Das Befahren mit einem Fahrrad sei - im Gegensatz zu Motorrädern - ausdrücklich erwünscht.

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Als Lösung schlägt das Ordnungsamt deshalb vor, an beiden Zugängen zur Nordstraße das Verkehrszeichen „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ aufzustellen. Es soll die derzeitige Ausweisung als Sackgasse ersetzen und sei weiterführender als das von den Anwohnern vorgeschlagene „Durchfahrt verboten“, das nur das Hineinfahren untersage. Ergänzt werden soll die neue Beschilderung durch die Tafeln „Anlieger frei“ und „Radverkehr frei“. „Die von Ihnen gewünschte Regelung, den Radverkehr im Bereich der Nordstraße zu untersagen, werte ich als nicht umsetzbar“, schreibt Jenny Golombek unter Verweis auf die Förderung des Radverkehrs und den vom Rat kürzlich ausgerufenen „Klimanotstand“.

Enttäuschte Nachbarn schreiben dem Bürgermeister erneut

Die Anwohner - so berichtet Marc Kaiser - zeigten sich enttäuscht: „Schilder, so sagen viele, reichten nicht aus, um Motorroller, Motorräder und auch Kleinwagen von einer Durchfahrt abzuhalten.“ Weil es um die Gefährdung menschlichen Lebens gehe, bitten die Nachbarn Bürgermeister Axourgos in einem neuen Brief, die Entscheidung des Ordnungsamtes zu korrigieren: „Deshalb beantragen wir hiermit die Installation einer barrierefreien Lösung, die oben genannte Vehikel an einer Durchfahrt hindert.“ Von Fahrrädern ist nicht mehr die Rede.

Zustimmung erhält die Stadt von den Anwohnern nur in einem Punkt. Einen teuren Ausbau der Nordstraße, der allein das Problem der schmalen, buckligen Bürgersteige grundsätzlich lösen könnte, wollen auch sie nicht.

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