Sollen Apotheker beim Impfen mitmachen? Wir haben mit Apothekern aus Schwerte darüber gesprochen. Die sehen sich gerade vor allem mit einem Ansturm auf die Tests konfrontiert. © picture alliance/dpa
Coronavirus

Apotheker aus Schwerte mahnt: „Wir müssen uns wieder rücksichtsvoller verhalten“

Angesichts hoher Infektionszahlen und voller Arztpraxen fragt man sich, ob auch Apotheken beim Impfen helfen können. Ein Schwerter Apotheker weist hingegen auf ein anderes Problem hin.

Sollen Apothekerinnen und Apotheker die Arztpraxen beim Impfen unterstützen? Bei der Frage sind die Mitglieder der verschiedenen Berufsgruppen zwiegespalten. Während der Präsident des Robert Koch-Instituts Lothar Wieler eindringlich appelliert, Apotheken in die Impfkampagne einzubeziehen, gibt es Skepsis unter den Ärzten. Wir haben mit Apothekern aus Schwerte gesprochen.

„Das ist auf die Schnelle nicht machbar“

Sarah Doll von der Schwerter Rathausapotheke ist Vorsitzende der Bezirksgruppe Unna des Apothekerverbands. Sie sagt: „Der Fortbildungsaufwand wäre schon sehr hoch. Das ist auf die Schnelle nicht machbar, das hätte man sich viel eher überlegen sollen.“

Grundsätzlich seien Apothekerinnen und Apotheker natürlich bereit, beim Impfen zu helfen. „Das wären aber vermutlich am ehesten die Kollegen, die inzwischen auch gegen Grippe impfen“, sagt die Apothekerin. Ansonsten gebe es ein großes Aber: „Corona-Impfungen durch die Apothekerschaft sind auch rechtlich problematisch.“ Denn was tut man bei Impfreaktionen? Wie soll die Beratung laufen – gerade bei Erstimpfungen? Sarah Doll: „Das stelle ich mir schwierig vor.“

Apothekerin Sarah Doll sagt: „Grundsätzlich sind wir bereit zu helfen.“ Doch es sei auf die Schnelle nicht machbar, Apotheker entsprechend fortzubilden.
Apothekerin Sarah Doll sagt: „Grundsätzlich sind wir bereit zu helfen.“ Doch es sei auf die Schnelle nicht machbar, Apotheker entsprechend fortzubilden. © Stascheit (A) © Stascheit (A)

Auch ihr Kollege Carsten Schumacher, der Apotheken in Schwerte und Dortmund sowie das Testzentrum in der Bahnhofstraße betreibt, ist bei der Impffrage zurückhaltend. „Das muss Hand in Hand mit den Ärzten laufen“, sagt er. Er würde Ärztinnen und Ärzten Unterstützung anbieten – beim Besorgen der Impfstoffe zum Beispiel. „Oder wir können Räumlichkeiten zur Verfügung stellen.“ Wenn ihn jemand anspreche, würde er da „gern mitziehen“.

Haben

„Wir sind bei den Tests regelrecht überrannt worden“

Aktuell sieht sich die Schwerter Apothekerschaft außerdem mit einem regelrechten „Ansturm“ auf die Coronatests konfrontiert. So herrscht beispielsweise seit Wochenanfang großer Andrang vor dem Corona-Testzentrum in der Bahnhofstraße, wie Apotheker Carsten Schumacher erzählt. Denn mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes zum 24.11. – und der damit verbundenen Testung von Mitarbeitern – werden wieder mehr Tests fällig.

„Wir sind regelrecht überrannt worden“, erinnert sich Schumacher.

Am Corona-Testzentrum an der Bahnhofstraße ist eine Menge los, seit am Arbeitsplatz ein Test vorgelegt werden muss.
Am Corona-Testzentrum an der Bahnhofstraße ist eine Menge los, seit am Arbeitsplatz ein Test vorgelegt werden muss. © Martina Niehaus (A) © Martina Niehaus (A)

Allein in Schwerte habe sein Team innerhalb kürzester Zeit mehr als 500 Tests durchgeführt. „Unser Problem war, so schnell überhaupt wieder Personal zu bekommen“, erklärt er. „Das hatten wir damals aus der Gastronomie.“ Aber dorthin seien eben einige auch wieder zurückgekehrt, als die Nachfrage nach den Tests gesunken war. „Was die Regierung beschließt, muss in der Praxis erst einmal bewältigt werden.“

„Manche sind dann aggressiv“

Bei vielen Testkunden seien auch die Wartezeiten entsprechend länger. „Manche sind dann aggressiv. Ich kann es verstehen. Da wird natürlich auch ein Druck erzeugt.“ Er hält diejenigen, die getestet werden wollen, dazu an, sich online anzumelden.

„Man kann nicht um zwei Minuten vor sechs ankommen, wenn wir hier um sechs Uhr schließen. Es dauert ja auch eine Weile, den Test auszuwerten.“

Schumacher glaubt, dass es vor allem bei größeren Unternehmen mit Schichtbetrieb Sinn machen würde, eigene Mitarbeiter als Tester schulen zu lassen. „Wenn man auf jeder Schicht drei Leute hat, die das können, ist das sicher eine gute Lösung.“

Auch Sarah Doll bestätigt, dass sich gerade mehr Menschen im Testzentrum am Markt testen lassen. „Es ist seit Mittwoch merklich voller geworden.“ Auch sie bittet die Kunden darum, sich möglichst online anzumelden. Besonders morgens sei es voll. „Natürlich kann man nachmittags gern vorbeischauen und sehen, ob es gerade passt“, fügt sie hinzu.

Antikörpertests werden gut angenommen

Wegen des großen Andrangs bietet das Corona-Testzentrum an der Bahnhofstraße die Antikörpertests, die man dort seit rund zwei Wochen machen kann, momentan erst ab 10.30 Uhr an – damit vorher diejenigen getestet werden können, die zur Arbeit müssen.

Die Antikörper-Tests, mit denen man ermitteln kann, wie hoch der Anteil der Corona-Antikörper im Blut ist, sind stark nachgefragt.
Die Antikörper-Tests, mit denen man ermitteln kann, wie hoch der Anteil der Corona-Antikörper im Blut ist, sind stark nachgefragt. © Irina Höfken © Irina Höfken

Die Antikörpertests seien von den Schwertern gut angenommen worden, sagt Carsten Schumacher: „An einem Tag hatten wir 80 Leute, die sich haben testen lassen“, erzählt der Apotheker. Die Ergebnisse seien sehr unterschiedlich gewesen. „Man kann aber schon erkennen, dass der Wert weiter runtergeht, je größer der Abstand zur Zweitimpfung war“, sagt er. Und das bedeute: Boostern.

Leute kaufen weniger Desinfektionsmittel

Der Verkauf an Desinfektionsmitteln sei übrigens stark zurückgegangen. „Sonst hat doch vor jedem Supermarkt jemand gestanden und die Wagen abgewischt. Die Firmen haben ohne Ende Desinfektionsmittel gekauft. Das macht heute niemand mehr“, bemerkt Schumacher.

Sarah Doll ergänzt, dass auch bei ihr deutlich weniger Desinfektionsmittel verkauft werde. „Natürlich muss man bedenken, dass Corona grundsätzlich keine Schmierinfektion ist, sondern über die Luft verbreitet wird. Und im Supermarkt tragen ja die meisten Menschen Masken.“

Insgesamt wünscht sich Apotheker Carsten Schumacher, dass die Menschen wieder mehr Rücksicht aufeinander nehmen. „Wir verhalten uns anders als noch vor einem Jahr. Wir halten den Abstand nicht mehr ein, treffen uns mit vielen Leuten.“ Selbst bei privaten Treffen müsse man vorsichtig sein. „Ich geh nur mit meinen Hunden in den Ergster Wald. Sonst mache ich gar nix.“

Über die Autorin
Redakteurin
Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus

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