Café Extrablatt in Schwerte: Liegt auf dem Baugrund ein versunkenes Stadttor?

rnGastronomie in Schwerte

Die Gruben auf dem Baugelände am Rand der Fußgängerzone haben Bauarbeiter gebuddelt. Aber am Donnerstag steigen Archäologen hinein, um nach Spuren zu suchen. Was das für den Bau bedeutet.

Schwerte

, 22.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Stückchen Bruchsteinmauer hat der Bagger auf dem Baugrundstück für das Café Extrablatt freigelegt. Direkt hinter der Fußgängerampel an der Ecke Hüsing-/Friedensstraße schaut das Zeugnis aus der Vergangenheit am Rand einer kleinen Grube heraus. „Das freut mich“, sagt der Bodendenkmalpfleger Wolfram Essling-Winzer: „Wir vermuten, dort auf Reste eines Stadttores stoßen zu können.“ Um sich vor Ort ein Bild zu machen, wird der Wissenschaftler vom Fachreferat für Mittelalter- und Neuzeit-Archäologie des Landschaftsverbands in Münster am Donnerstag nach Schwerte kommen.

Bauarbeiter suchen nach Leitungen

Die Ausschachtungen, die bislang an mehreren Stellen auf dem Baugrundstück zu beobachten sind, haben die Archäologen zwar nicht selbst in Auftrag gegeben. Sie seien aber in Absprache mit dem Architekten erfolgt, der auf dem Gelände nach Leitungen suchen lasse. „Man kann dort Kopflöcher anlegen, die uns dann auch dienen“, erläutert Wolfram Essling-Winzer. Er kann den sogenannten Aufschluss mitnutzen, der zur Spurensuche einen Einblick in den Untergrund erlaubt.

Café Extrablatt in Schwerte: Liegt auf dem Baugrund ein versunkenes Stadttor?

So ähnlich wie auf dem mittelalterlichen Stadtmodell, das in der Stadtinformation im Wuckenhof aufbewahrt wird, könnte das Hüsingtor ausgesehen haben. Angebaut daran ist die ebenfalls verschwundene Marienkapelle. © Reinhard Schmitz

Bei der Vorgehensweise - so betont der Wissenschaftler - handele es sich um ein ganz normales und einfaches Verfahren in mittelalterlichen Stadtkernbereichen. „Es wird versucht, den Bau nicht zu verzögern“, sagt er. In seinen 20 Berufsjahren habe es in 95 Prozent aller Fälle keinerlei Komplikationen gegeben. Denn das Landes-Denkmalgesetz sei relativ großzügig und lasse das Zerstören von Primärquellen im Boden zu: „Aber man muss sie vorher dokumentieren.“ Sonst wären sie für spätere Forschungsarbeiten unwiederbringlich verloren.

Hüsingtor wurde im 19. Jahrhundert abgerissen

„Ich bin sehr gespannt, ob die dort was Spannendes finden“, sagt Heimatvereins-Vorsitzender Uwe Fuhrmann. Etwa an der Stelle, wo heute die Fußgängerzone beginnt, habe im Mittelalter das Hüsingtor gestanden - eines der vier Stadttore in der Mauer, die damals ganz Schwerte umschloss. Weil es als eine Schwachstelle der Stadtbefestigung galt, gebe es Hinweise, dass man es außen mit einem Bollwerk verstärkt habe. Vielleicht - so hofft Fuhrmann - stoße man in ein paar Metern Tiefe ja auch noch auf Faulschlamm des vorgelagerten Grabens.

Das Hüsingtor, dessen Türmchen zeitweise als Gefängnis genutzt wurde, verschwand mit dem Abbruch der Stadtbefestigung in der ersten Hälfte den 19. Jahrhunderts. Unter der Regie des Hofrats Friedrich Bährens wurden die Steine zum großen Teil als Packlage verwendet, um die matschigen Straßen zu befestigen. Grundmauerreste der Stadtmauer wurden 1970 diagonal gegenüber dem Extrablatt-Gelände beim Neubau des damaligen Kaufhauses Eisenmenger (heute: dm) gefunden und vom Gründer des Ruhrtalmuseums, Josef Spiegel, fotografiert.

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