Armbrust-Pfeil verfehlte Nachbarn nur knapp: Lange Haftstrafe für betrunkenen Schützen

rnLandgericht Hagen

Voller Wut und Wodka schießt ein 49-jähriger Mann in Iserlohn auf seinen Nachbarn. Dafür kassiert er eine hohe Strafe. Unter einer Bedingung könnte er aber schon früh entlassen werden.

Schwerte/Hagen

, 20.01.2020, 15:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Hagener Schwurgericht hat einen 49-jährigen Mann aus Iserlohn wegen versuchten Totschlags zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. „Wir gehen davon aus, dass der Schuss in Tötungsabsicht abgegeben wurde“, sagte Richterin Heike Hartmann-Garschagen am Montag. Die Attacke sei also keineswegs als Lappalie abzutun - auch wenn keine schwere Verletzung entstand.

Der Streit entbrannte am 30. Dezember 2018 in einem Iserlohner Mehrfamilienhaus, das die Richterin als „bereits polizeibekannt“ bezeichnete. Dort bewohnte der Angeklagte ein Zimmer im ersten Stock. Und eigentlich wurde er von seinen Mitbewohnern als „netter, ruhiger Kerl“ beschrieben.

Wenn da nur nicht sein Hang zum Alkohol gewesen wäre. Ein Zeuge sagte vor Gericht: „Immer, wenn er Schnaps intus hatte, wurde er aggressiv.“

Flaschenweise Wodka vor der Tat

Genau so war es auch am Tattag. Zusammen mit mehreren Freunden hatte der 49-Jährige zunächst ein paar Wodkaflaschen geleert, ehe er mit Marihuana und einer Ecstasypille auch noch illegale Drogen draufpackte.

Und schließlich drehten sich seine Gedanken - wieder einmal - nur noch um das eine Thema: Sein Nachbar habe immer wieder einen Kumpel aus dem Haus nebenan zu Gast. Und dieser Kumpel hatte vor Kurzem die Unverfrorenheit besessen, die auch von dem Angeklagten benutzte Waschmaschine zu gebrauchen.

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In seiner Wut griff der 49-Jährige schließlich zu einer Armbrust und rannte zur Tür seines Nachbarn. Ein erster Versuch, die Tür einzutreten, misslang noch. Noch beim zweiten hatte er Erfolg. Plötzlich stand er mit der geladenen und gespannten Sportwaffe in der Wohnung, legte auf den Waschmaschinen-Benutzer an - und drückte ab.

Nur durch eine schnelle Ausweichbewegung schaffte es dieser, einem Treffer zu entgehen. Der Pfeil streifte lediglich den Hals.

2,5 Promille Alkohol im Blut

Im Prozess hatte der Angeklagte sich für die Tat entschuldigt und den Alkohol für alles verantwortlich gemacht. In der Tat ergab eine Blutprobe damals einen Wert von über 2,5 Promille. Weil die Richter genau in diesem Bereich das Hauptproblem des Iserlohners sehen, gaben sie ihm auf, einen Teil der Haftstrafe für eine stationäre Entziehungskur in einer geschlossenen Klinik zu nutzen.

„Stehe sie diese Behandlung durch, können sie vorzeitig entlassen werden“, sagte Richterin Heike Hartmann-Garschagen zum Angeklagten. „Sie sollten diese Chance wirklich ergreifen.“

Vielleicht ist diese Verurteilung tatsächlich die letzte Gelegenheit für den Iserlohner, um sein Leben doch noch einmal zu ändern. Dafür wäre aber eine Menge Überwindung notwendig. Seinen ersten Schnaps hat der Angeklagte nämlich bereits mit acht Jahren getrunken.

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