Asbest-Alarm in einer Schwerter Kindertagesstätte: Spielten Kinder im gefährlichen Staub?

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Männer in kompletter Schutzkleidung mit Atemmaske arbeiten 20 Meter von spielenden Kindergartenkindern entfernt. Die Stadt sagt, keine Gefahr: Eltern bezweifeln das.

Ergste

, 09.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Größer und schöner soll die Kindertageseinrichtung Wunderland auf dem Gelände der ehemaligen Grundschule in Ergste werden. Vor allem, wenn der Anbau der Schule abgebaut und der Platz als Außenspielfläche genutzt werden kann. Die Tagesstätte selbst hatte man schon aufwendig ausgebaut.

Das Problem: Der Anbau stammt aus einer Zeit in der man noch Asbest in großem Stil verbaut hat. Jetzt wird das Gebäude abgetragen und zwar parallel zur Betriebszeit des Kindergartens. Das besorgt die Eltern. „Während die Arbeiter dort in blauen Schutzanzügen mit Handschuhen und Masken arbeiteten, haben unsere Kinder unweit draußen gespielt“, so ein Vater, der sich per E-Mail an die Redaktion gewandt hat.

Keine Plane auf der Rückseite des Gebäudes

Das Gebäude selbst sei zwar rundum mit Planen verhangen, nicht aber die Rückseite des Gebäudes und genau da hätten die Kinder in den vergangenen schönen Tagen stundenlang draußen gespielt.

Am Montag kam dann Bewegung in die Sache. Nachdem ein Vater sich bei der Stadtverwaltung gemeldet hatte, gab es neue Anweisungen für die Mitarbeiter der Baufirma, die Lücken in den Planen zu schließen. Die arbeiteten emsig und brachten zusätzliche Folien dort an, wo das Konstrukt Lücken aufwies. Nicht allerdings, ohne sich über den Gerüstbauer aufzuregen, der ihrer Ansicht nach eigentlich dafür zuständig sei. „Wir müssen jetzt hier den ganzen Tag alles zumachen, statt zu arbeiten“, hieß es aus den Reihen der Beschäftigten dort.

Stadt beruhigt: Platten im Vordach nicht belastet

Während die Eltern den Eindruck hatte, dass man bei der Stadt erst am Montag von den Missständen erfahren habe, stellte die Verwaltung das in einer schriftlichen Stellungnahme auf die Anfrage der Redaktion anders da: „Der Stadt Schwerte ist bekannt, dass der Anbau der ehemaligen Grundschule Ergste in der Kirchstraße mit Asbest belastet ist. Deshalb erfolgt auch kein Abriss des Bauwerks, sondern die Demontage. Damit hat ein zertifiziertes Unternehmen im Innenbereich begonnen, und zwar unter Wahrung aller notwendigen Sicherungsmaßnahmen. So wird das Material durch einen Tunnel den Containern zugeführt. Der Abbau des Vordachs zum Schulhof hin war ungefährlich, weil die Platten nicht belastet waren. Jetzt wird die weitere Demontage des Gebäudes mit Planen abgesichert, damit keine Stäube nach außen dringen können. Um gewissenhaft sicherstellen zu können, dass alles hermetisch abgedichtet ist und die Planen keine Lücken aufweisen, wurden die Demontagearbeiten am Montag erst einmal eingestellt. Sie werden aber am Dienstag wieder aufgenommen. Eine Gefahr für die Umwelt oder den benachbarten Kindergarten hat nie bestanden“, heißt es da wörtlich.

Fotos von Entsorgungssäcken für Asbest

Asbest-Alarm in einer Schwerter Kindertagesstätte: Spielten Kinder im gefährlichen Staub?

So sahen die Säcke aus, in denen die Platten am Freitag entsorgt wurden. © Privat

Die Eltern sehen das anders. Sie legten zum Beweis Fotos vor von demontierten Platten, die in sogenannte Asbest-Bags verpackt sind. Die Säcke aus speziellen Gewebeplanen werden normalerweise bei der Entsorgung von Asbest eingesetzt. Sie hätten bereits beim Sommerfest der Kindertagesstätte am Freitag dort gelegen. Und auch während der Feier hätten dort Männer in Spezialanzügen keine 20 Meter von Kindern, Eltern und Erziehern gearbeitet.

Besonders ärgerlich finden die Eltern, dass die Kindertagesstätte während der Sommerferien für zwei Wochen geschlossen werde. Dort hätte man bequem arbeiten können, ohne auch nur eines der Kinder oder der Erzieherinnen in gesundheitliche Gefahr zu bringen. Doch auch mit der Schließung der Rückwand des Gebäudes, wie sie nun geschehen ist, gebe man sich zufrieden.

Asbest war bis in die 80er Jahre ein beliebter Baustoff

Asbest ist solange es nicht angerührt wird, nicht gefährlich. Das Mineral, das bis in die 80er Jahre als feuerfester Baustoff in nahezu allen Bauten Verwendung fand, wird erst dann gefährlich wenn man es zerbricht, schleift oder anders seine Oberfläche aufraut, weil die spitzen Fasern tief in die Lunge eindringen und vom Körper nicht abgebaut werden können.

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