Am Möhnesee bildet Bianka Niemeyer Assistenzhunde aus. © Bianka Niemeyer
Autismus

Assistenzhunde-Trainerin erklärt: Warum ein Hund auch mal 20.000 Euro kostet

Ein Autist aus Schwerte möchte einen Assistenzhund haben. Doch die Krankenkasse zahlt die hohen Kosten von 20.000 Euro nicht. Warum die Hunde so viel Geld kosten, erklärt eine Hundetrainerin.

Nicht umsonst heißt es: Der Hund ist der beste Freund des Menschen. Sie sind nicht nur treue Wegbegleiter, sondern können auch vielen Menschen mit ihrer Hilfe den Alltag erleichtern. Damit sie für ihre Halter den perfekten Job abliefern können, kümmert sich Assistenzhunde-Trainerin Bianka Niemeyer um die Ausbildung der Vierbeiner – auch um die des künftigen Assistenzhunds von Dominik Voegele (32).

Über den Spendenaufruf des 32-jährigen Autisten aus Schwerte haben wir berichtet. 20.000 Euro muss er für seinen Assistenzhund aufbringen. Warum die Ausbildung eines Assistenzhundes so teuer ist, was er können muss und welche Erfolge am Ende zu sehen sind, haben wir in Fragen und Antworten zusammengefasst.

Dominik Voegele ist Asperger Autist. Der 32-Jährige aus Schwerte will sich den Traum vom Assistenzhund erfüllen.
Dominik Voegele ist Asperger Autist. Der 32-Jährige aus Schwerte will sich den Traum vom Assistenzhund erfüllen. © Irina Höfken © Irina Höfken

Warum muss Dominik für die Ausbildung des Hundes 20.000 Euro zahlen?

„Das sind nicht nur Kosten für die Ausbildung“, betont Bianka Niemeyer. Mit im Preis enthalten seien auch noch die Kosten für die Versicherung, die Tierarztkosten, Steuern und Futter für die zehn Monate, in denen der Hund bei ihr lebt – außerdem noch die Prüfungsgebühr und die Nachsorge. Bei ihr Zuhause leben etwa drei Hunde gleichzeitig.

Die ausgebildeteten Assistenzhunde erleichtern vielen Menschen den Alltag.
Die ausgebildeteten Assistenzhunde erleichtern vielen Menschen den Alltag. © Bianka Niemeyer © Bianka Niemeyer

Weil viele Arbeitgeber keine Welpen am Arbeitsplatz erlauben, lebt der Hund bis er ausgewachsen und trainiert ist bei Bianka Niemeyer am Möhnesee. Alle zwei Wochen trifft sich das Trio aus Trainerin, zukünftigem Halter und Hund, um die Bindung zu festigen und die Kommandos und Aufgaben zu trainieren.

Welche Aufgaben muss ein Assistenzhund erfüllen können?

„Jede Krankheit ist anders, jeder Hund auch“, erklärt Bianka Niemeyer. Die Aufgaben, die der Hund meistern muss, sind perfekt auf seinen Halter zugeschnitten. Bianka Niemeyer bildet Assistenzhunde für sehbehinderte und gehörlose Menschen, für Epileptiker, Rollstuhlfahrer, Autisten, Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung, Demenzkranke und mehr aus. Im Schnitt betreut sie 15 Hund-Mensch-Teams.

Im Fall von Dominik Voegele lernt der Hund, Anzeichen der Überforderung zu erkennen und ihn aus diesen Situationen zu befreien. „Er lernt, Albträume zu erkennen und springt dann ins Bett. Manche filmen sich nachts und ich sehe, worauf ich den Hund trainieren muss.“ Außerdem muss der Hund sein Herrchen von Körperkontakt abschirmen können. An der Supermarktkasse wird sich der Assistenzhund zum Beispiel immer hinter Dominik setzen.

Assistenzhunde können aber noch viel mehr: Sie helfen sehbehinderten Menschen bei der Orientierung oder übernehmen für gehörlose Menschen die Hörfähigkeit. Sie zeigen an, wenn es an der Tür klingelt, wenn der Wecker schellt, das Baby weint oder der Rauchmelder geht. Assistenzhunde für Rollstuhlfahrer helfen beim Anziehen oder holen die Geldbörse aus der Tasche und übergeben sie dem Kassierer.

Warum kann nur ein Assistenzhund helfen?

Mit der abgelegten Assistenzhunde-Prüfung dürfen Hunde offiziell überall hin mitkommen, wo anderen Hunden der Eintritt verwehrt wird: zu öffentlichen und privaten Anlagen und Einrichtungen wie Geschäften und Arztpraxen. Das bekräftigt rechtlich das sogenannte Teilhabestärkungsgesetz, das am 1. Juli 2021 in Kraft getreten ist. Vor allem im Alltag brauchen viele die Unterstützung, wo ein „normaler“ Hund oft keinen Zutritt hat.

Welche Erfolge kann man dank der Unterstützung durch Assistenzhunde sehen?

„Ich war ernsthaft alleine einkaufen“, habe Bianka Niemeyer schon in Sprachnachrichten zu hören bekommen, bei denen die Absender vor Freude weinen. Eine gehörlose Klientin sei dank des Hundes zum ersten Mal pünktlich zu einem Termin gekommen, ohne dass ihr Mann seine Arbeit dafür pausieren und nach Hause fahren musste.

Betreutes Wohnen ist für einen Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung kein Muss mehr, und eine Epileptikerin habe kaum noch Anfälle, seitdem der Hund da ist. „Das ist ganz toll zu sehen. Wer ist schon gerne immer auf die Hilfe anderer angewiesen?“

Nicht selten bekommen ihre Klienten – wie Dominik Voegele – dennoch Absagen von der Krankenkasse: „Keiner bezahlt so viel Geld aus Spaß. Die sind krank. Das müsste Krankenkassen mehr interessieren“, sagt Bianka Niemeyer. Aber: „Schenken kann ich‘s nicht.“

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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