Auch Stadtvillen in Luxuslage am Phoenixsee konnten Westermann-Pleite nicht verhindern

rnWirtschaft in Schwerte

Alle Bemühungen des Insolvenzverwalters für das renommierte Bauunternehmen blieben erfolglos. Es hat nach 53 Jahren seinen Geschäftsbetrieb eingestellt. Alle Mitarbeiter sind gekündigt.

Schwerte-Ost

, 01.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle reden vom Boom am Bau, von Hochkonjunktur in der Branche. Aber der Westermann Baugesellschaft mbh & Co. KG hat es nichts genutzt. Der Geschäftsbetrieb des insolventen Unternehmens wurde eingestellt, der Belegschaft gekündigt. Das teilt Thomas Feldmann, Pressesprecher von Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres (Hagen), auf Anfrage mit: „Trotz intensiver Bemühungen konnte kein Investor gefunden werden, der das Unternehmen und die Belegschaft übernimmt.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien mit der Insolvenzeröffnung Anfang April freigestellt worden.

Unternehmen stellte Ende Januar selbst Insolvenzantrag

Als der Westermann-Geschäftsführer Ende Januar den Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht Hagen gestellt hatte, hatte er noch von Hoffnung gesprochen, dass der Betrieb fortgeführt werden könne. Alle 25 Mitarbeiter - so sagte er damals - seien noch im Dienst, und auch auf den Baustellen gehe die Arbeit weiter. Am 1. April eröffnetete das Gericht dann wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung das Insolvenzverfahren. In den Büros an der Ernst-Gremler-Straße 9 begann der Hagener Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Dr. Dirk Andres mit seinem Team, die wirtschaftliche Ausgangslage und Sanierungsmöglichkeiten zu prüfen. Statt Löhnen sollten die Mitarbeiter drei Monate lang Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur erhalten.

Nun also das Aus. Die grünen Eisentore vor dem Material-Platz im alten Eisenbahn-Ausbesserungswerk Schwerte-Ost sind geschlossen. Bürocontainer, ein Wohnwagen, ein Zementsilo, viele Container und sogar ein Kran stehen herum. Hinter den Scheiben des Verwaltungsgebäudes halten sich tapfer einige Grünpflanzen. Wie lange noch wird es dauern, bis auch sie die Köpfe hängen lassen?

1966 von drei Brüdern gegründet

Dieses Ende hatten es sich die Brüder Karl-Heinz, Gerd und Bernhard Westermann (sie sind alle längst im Ruhestand) wahrscheinlich nicht vorgestellt, als sie im Jahre 1966 ihre Baufirma gegründet hatten, die an vielen Stellen in Schwerte buddelte und mauerte. Man errichtete nicht nur Wohnhäuser. Andernorts wurden ganze schlüsselfertige Schulen und Pflegeheime hochgezogen. Sogar in der Luxus-Lage am Phoenixsee in Dortmund-Hörde waren Stadtvillen im Angebot.

Schlüsselfertigbau habe aber auch seine Tücken, sagten Branchenkenner einmal. Am Ende gebe es immer das Risiko, dass ein Kunde Restzahlungen verzögere oder gar mit Abzügen von der Rechnung drohe.

Zuletzt holte sich die Westermann-Baugesellschaft noch Unterstützung durch eine Unternehmensberatung und wollte sich verstärkt als Projektentwickler für Bauprojekte etablieren. Zu einem Erfolgsmodell konnte diese neue Positionierung nicht mehr entwickelt werden.

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