Aus für Realschule am Stadtpark: "Ist wie sterben"

Schulschließung

Die Stunden der Schwerter Realschule am Stadtpark sind gezählt. Überall stapeln sich die Kartons. Es herrschen Auflösungserscheinungen. Für Rektorin Annette Schmidt ist es, als würde ihre Schule sterben. Als bräche all das, wofür sie über Jahre gearbeitet hat, zusammen. Eine emotionale Bestandsaufnahme.

SCHWERTE

, 03.07.2017, 18:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist zu Ende. Zumindest so gut wie. Das ist schon zu sehen, wenn man das Gebäude noch gar nicht betreten hat. Draußen steht ein blauer Laster. Er ist noch leer, aber nicht mehr lange. Die Umzugsfirma holt die ersten Kisten und Möbel. Setzt man einen Schritt in das Gebäude, ist es ungewöhnlich still für eine Schule. Kein Wunder, es sind ja kaum noch Schüler da, die Lärm machen könnten.

Jetzt lesen

Von den rund 360 Schülern, die zu Hochzeiten die Realschule besucht haben, sind nur noch 134 geblieben. Das sind jeweils zwei Klassen der Jahrgänge acht, neun und zehn. Genauso deprimierend sieht die Bilanz bei den Lehrerstellen aus: Nur noch zwölf von einst 20 Lehrern unterrichten an der Schule – und längst nicht alle in Vollzeit, viele haben noch eine Stelle an einer anderen Schule.

Komplett neu aufgebaut

Als die Realschule 2001 gegründet wurde, war Annette Schmidt dabei. Sie leitete damals eine Schule, die sie, wie sie sich erinnert, komplett neu aufbauen musste. „Wir haben mit drei Lehrern und zwei Klassen angefangen. An meinem ersten Tag war hier nichts fertig, abgesehen von den Tischen und Stühlen.“

Vieles musste erst organisiert werden. Zum Beispiel die Bücherei der Schule. Sie besteht zunächst aus Bücherspenden, wächst mit den Jahren aber beständig, bis sie schließlich 200 Quadratmeter misst.

Jetzt lesen

Von den vielen Büchern aus der Schulbücherei wandern nun die meisten ins Altpapier. „Nur zehn Kisten können wir mitnehmen“, sie sagt das nüchtern, aber man merkt, ein Lebenswerk zerfällt. Stück für Stück. „Das ist wie sterben. Abbauen, was man selbst aufgebaut hat“, sagt Annette Schmidt.

So langsam, wie die Realschule am Anfang wuchs, so langsam geht es mit ihr zu Ende. Dass die Schule dicht gemacht werden würde, hat Annette Schmidt vor dem Ratsbeschluss erfahren, in den Osterferien 2012 bat man sie ins Rathaus.

Vielfalt genommen

Da wollte sie eigentlich gerade in den Urlaub fahren. „Ich war völlig entsetzt“, erinnert sie sich. Der Bildungslandschaft werde durch die Schließung von Förder-, Haupt- und Realschulen ihre Vielfalt genommen, sagt die Rektorin. „Ich verstehe deswegen nicht, wieso diese Schulformen auslaufen.“

Jetzt lesen

Da genau das aber in Schwerte passiert, bricht für Schüler und Lehrer eine ungewisse Zeit an. Annette Schmidt will ihnen Halt geben. „Wir lösen nicht auf“, war wohl auch deswegen ihre zweite Reaktion. Die Schule soll bis zum Schluss ihren Namen tragen. „Der bleibt auf unserem Stempel.“ Das ist vor allem für Schüler wichtig, die sonst bei Bewerbungen wegen eines Schulwechsels in Erklärungsnot geraten könnten.

Als die Nachricht von der bevorstehenden Schließung die Runde machte, waren viele Lehrkräfte genau wie die Rektorin deprimiert. Wie sollte es weitergehen? Sicher würden einige von ihnen eine neue Stelle suchen müssen. So kam es auch, als vor drei Jahren die fünften Klassen nicht erneuert wurden.

Positive Stimmung

Trotz des herrannahenden Umzugs herrscht im Kollegium inzwischen wieder eine positive Stimmung. „Wir haben uns gesagt: Wir sind Lehrer, unsere Mission ist es, den Schülern etwas beizubringen und sie vernünftig zu betreuen.“ Also reißen sie sich zusammen, machen ihren Job.

Trotzdem, ihre letzten Jahre vor der Pensionierung hat sich die Rektorin sicher anders vorgestellt. Schmidt ist jetzt 61 Jahre alt. Sie wird ihre Schüler noch zwei Jahre im neuen Standort der Schule begleiten, dann ist es vorbei. Ist die Schule zu, geht Schmidt in den Ruhestand. Doch bis dahin steht ihr noch viel Arbeit bevor.

Hintergrund: Der Umzug
Die rund 100 Schüler, je zwei neunte und zehnte Klassen der Realschule am Stadtpark ziehen in das Gebäude der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule um.
Möbel und Ausstattung, die die Realschule nicht mehr braucht, wechseln den Besitzer oder landen im Müll. So bekommt die Grundschule Ergste einige Schreibtische und eine Küchenzeile.
Die Blumen, die Annette Schmidt im Eingangsbereich aufgestellt und gepflegt hat, und Maskottchen Rasty dürfen nicht mit.
Zu Beginn der Sommerferien wird das Realschulgebäude für 1,2 Millionen Euro umgebaut, der Verwaltungsbereich Jugend und Familie soll dort einziehen. Im Zuge der Arbeiten wird auch die Schulhofdecke noch einmal versiegelt, so soll verhindert werden, dass die Altlasten erneut zum Problem werden. 

Lesen Sie jetzt