Ausschuss sagt: Es gibt zu viele Ärzte in Schwerte

Überversorgung

Lange Wartezeiten in den Praxen, Termine sind wochenlang oder sogar gar nicht zu bekommen - aber neue Praxen dürfen trotzdem nicht öffnen. Denn der medizinische Bundesausschuss sagt, dass Schwerte an Ärzten überversorgt ist. Wir erklären die Hintergründe und haben uns die Zahlen genauer angeschaut.

SCHWERTE

, 26.01.2017, 05:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ärztemangel? Fehlanzeige. Schwerte ist überversorgt.

Ärztemangel? Fehlanzeige. Schwerte ist überversorgt.

Wie ist die Versorgung mit Medizinern überhaupt geregelt?

Wie ist die Versorgung mit Medizinern überhaupt geregelt?

  • Die Steuerung des ärztlichen Angebotes erfolgt in erster Linie über die Bedarfsplanung und das Zulassungsrecht. Das heißt: Die Verteilung von Ärzten im "bevölkerungsbezogenen Raum" regelt eine Bedarfsplanungs-Richtlinie (BPL-RL). 
  • Für die Richtline verantwortlich ist der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen (G-BA).
  • In der Bedarfsplanungs-Richtline werden vor allem die räumlichen Bezüge der Planung und die Zahl der Ärzte festgelegt, die für die bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung benötigt werden. Dies erfolgt über die Festlegung eines Verhältnisses von Einwohnern je Arzt (Verhältniszahlen).

 

Was heißt das im Klartext?

  • Durch diese Bedarfsplanung soll die ärztliche Versorgung in einer Region sichergestellt werden. Je mehr Menschen also in einem Bezirk leben, desto mehr Ärzte kann es dort geben.
  • Es wird zwischen einer hausärztlichen, einer allgemeinen fachärztlichen und einer spezialisierten fachärztlichen Versorgung unterschieden. 
  • Aber: Da die Zahl der Ärzte und der finanziellen Ressourcen in der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt begrenzt sind, geht es dabei auch um die gleichmäßige Verteilung der Ärzte. 
  • Ein Versorgungsgrad von 100 bedeutet, dass genau so viele Ärzte zugelassen sind, wie auch benötigt werden. Bei einem Versorgungsgrad von mehr als 110 ist Überversorgung anzunehmen. Ob eine Überversorgung besteht, wird vom Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen festgestellt.
  • Es kann also sein, dass eine Praxis am Rand eines Planungsbezirks liegt, in dem die Versorgung bei über 110 liegt, also als überversorgt gilt. Man könnte hier davon ausgehen, dass diese Praxis nicht ausgelastet ist. Es ist allerdings möglich, dass viele Patienten aus einem anderen Bezirk in die Praxis kommen und sie also trotzdem voll ist. Trotzdem dürfte kein neuer Arzt in der Nähe aufmachen.

 

Und was bedeutet das für Schwerte?

  • Schwerte gilt als überversorgt: Alle Fachrichtungen der hausärztlichen und der allgemeinen fachärztlichen Bereiche weisen eine Überversorgung auf.
  • Die Psychotherapeuten ragen hier deutlich aus der Statistik heraus. 113 gibt es im gesamten Kreisgebiet, davon 30 in Schwerte. Das ergibt einen Versorgungsgrad von 179,5 Prozent.
  • Doch trotz der hohen Versorgung gestaltet sich die Terminlage bei den Hausärzten nicht so einfach.
  • Ein Beispiel: In der Praxis von Allgemeinmediziner und Ärztesprecher Michael Herr an der Goethestraße beträgt die Wartezeit für einen Termin etwa zwei Wochen.
  • Am längsten ist die Wartezeit allerdings bei den Psychotherapeuten, obwohl es allein 30 in Schwerte gibt.

Das sagt ein Betroffener:

  • Dass sich der Alltag in den Arztpraxen stark von den Berechnungen und Statistiken unterscheidet, hat uns Helmut Schulze geschildert. Er hat uns geraten, uns mal um einen Sprechtermin in der einzigen Rheumatologenpraxis der Stadt zu bemühen. Man würde dann am Telefon erfahren, "dass die Praxis zur Zeit keine Patienten aufnimmt und auf Ärzte in Nachbarstädten verwiesen wird".

 

Zusätzliches Problem: der Generationswechsel

  • Außerdem steht gerade bei den Psychotherapeuten ein Generationswechsel an. Von den 113 Therapeuten im Kreis Unna sind 31 - also fast ein Viertel - über 60 Jahre alt.
  • Das Alter spielt auch bei den Hausärzten eine große Rolle: Von den 36 Schwerter Hausärzten sind 29 Ärzte über 50 Jahre alt.
  • Die Zahl der Ärzte werde sich durch diesen bevorstehenden Generationswechsel deutlich verringern: "Derzeit kann man von einer Überversorgung sprechen, aber man muss versuchen, auch junge Mediziner für den Beruf zu begeistern, sonst schlägt diese Überversorgung irgendwann um", weiß Allgemeinmediziner Stephan Spanke.

 

 

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