Der Ayuda-Weltladen in Schwerte feiert im Sommer Jubiläum: Seit 25 Jahren vetreibt er erfolgreich FairTrade-Produkte. Im Interview erklären die Verantwortlichen auch, was der Name heißt.

von Julia Dolinsky

Schwerte

, 01.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

In Deutschland gibt es rund 900 Weltläden, die sich dem fairen Handel verschrieben haben – einer davon liegt in Schwerte.

Der Ayuda-Weltladen des fairen Handels in Schwerte, Haselackstraße 7, hat es sich zum Ziel gesetzt, sich mit besonderem Respekt vor Mensch und Natur für ein menschenwürdiges Leben der Bauern und Kunsthandwerker in der Dritten Welt einzusetzen.

Marita Flugel und Otfried Altfeld sind zwei der 25 ehrenamtlichen Mitarbeiter.

Wie kam es zu der Entstehung des Ladens?

Im Grunde ist es keine große Geschichte. Wir haben 1988 damit begonnen. Das heißt, nicht wir, sondern ein sozialwissenschaftlicher Leistungskurs im Ruhrtal-Gymnasium, unter der Leitung einer Lehrerin, die der Sache immer treu geblieben ist. Die Jugendlichen waren dann die, die ganz ohne Ladenlokal, mit dem Handwagen, durch die Straßen gezogen sind und Kaffee oder Kakao aus der Dritten Welt verkauft haben. Die Mentoren dieser Gruppe waren Kinder von Villigster Familien. Es war auch ein Mädchen dabei, welches den Namen entdeckt hat. Den Einfall hatte sie beim Spanischunterricht. „Ayuda“ ist spanisch und heißt auf Deutsch „Hilfe“.

Welche Produkte gibt es denn jetzt, die es zu Beginn nicht gab?

Wir haben jetzt eine Schokolade, „fairafric“, die in Afrika geerntet und von A bis Z auch dort verarbeitet wird. Dadurch haben die Leute einen viel höheren Gewinn, als wenn nur der Kakao von dort importiert würde. Wir haben auch extreme Dinge da, zum Beispiel die kleinen Schokoladen, die sind sehr teuer und exklusiv, aber eben auch aus der Dritten Welt. Wir haben auch Wildkakao aus dem Regenwald, das ist nur der reine Kakaosplitter, den bekommt man sonst nirgendwo. Die Schokoladen wurden hier bei uns wirklich zum Projekt.

Welche Projekte gab es in der Vergangenheit bereits?

Es gab zum Beispiel das Projekt Solarleuchte, das ist eins der ganz tollen Projekte gewesen. Die wird in Südafrika gefertigt, vor allem in Johannisburg. Natürlich sind sie gerade für Länder in Afrika, die wenig bis gar keinen elektrischen Strom haben, ideal. Dann hatten wir das Projekt Bambusfahrrad. In unserem Ladenfenster stand ein ganz normales großes Fahrrad, das zu 90 Prozent aus nachhaltigen Materialien bestand. Das wog 13 Kilo, ein normales Rad wiegt 30 bis 40 Kilo. Das Bambusfahrrad kam aus einer Ausstellung in Dortmund. Sieben oder acht Leute waren sogar daran interessiert es zu kaufen, obwohl es 4000 Euro gekostet hat. Wir haben auch ein ziemlich großes Projekt mit Turnschuhen gehabt, was ein bisschen schwierig war, aber funktioniert hat.

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Sind das Projekte, die es nur hier in dem Laden gibt?

Ja, das sind unsere Projekte. Leider gibt es nicht sehr viele Läden hier in der Umgebung.

In Aplerbeck gibt es auch einen Weltladen. Wo liegen die Unterschiede?

Nur unser Laden hat 44 Stunden pro Woche geöffnet. Die meisten Läden, die ich kenne, die machen das ganz anders. Die haben dann ein oder zwei Stunden nach einem Gottesdienst geöffnet. Andere haben eigene Ladenlokale, aber dann höchstens jeden zweiten Tag oder in Einheiten, wie von Dienstag bis Donnerstag geöffnet. Auf 44 Stunden kommt sonst kaum einer, nur das Allerwelthaus in Hagen.

Werden zusätzliche Gelder gespendet?

Wenn wir einen Überschuss haben – was nur theoretisch möglich ist, aber wir haben den tatsächlich – dann haben wir fünf bis sechs Spende-Adressen.

Haben Sie immer schon dieselben Spende-Adressen?

Nein, die haben sich über die Jahre immer wieder verändert. Eine ist über die Jahre geblieben; wir haben eine ehemalige Mitarbeiterin, Lore Seifert, die hat ein Projekt in Mexiko mit aufgebaut. In Oaxaca hat sie ein Schulprojekt begonnen, was natürlich nicht nur aufgebaut, sondern auch unterhalten werden muss. Da spenden wir schon, seit ich denken kann.

Wie haben Sie versucht, auf Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen?

Jahr für Jahr haben wir etwas Besonderes gemacht, zum Beispiel Schauspielaufführungen in der Kirche in Schwerte-Ost, die jetzt nicht mehr existiert. Ensembles, die wir angeheuert haben, bei denen die Stücke nur den fairen Handel zum Inhalt hatten. Mit Vorträgen haben wir allerdings die meiste Resonanz erzielt. Vor einem Jahr hatten wir einen Vortrag von zwei jungen Frauen, die sich sehr stark für den fairen in Südamerika einsetzen. Wir hatten auch einmal einen Vortrag in der Volkshochschule „Bananen aus Ecuador“ und da war es brechend voll. Die Leute aus Ecuador waren auch wirklich da und haben dann dort gesprochen, mit Fotos und Übersetzern. Das ist nur ein Beispiel von Öffentlichkeitsarbeit, die wir leisten.

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Wie ist die aktuelle Lage im fairen Handel?

Obwohl sich in den letzten Jahren viel getan hat, macht der faire Handel gerade mal fünf Prozent des weltweiten Handels aus. Wir müssen also weitermachen. Was jetzt hinzukommt, ist, dass viele Supermärkte inzwischen FairTrade-Produkte verkaufen. Eine tolle Sache. Da könnten wir mit unserem kleinen Laden auch sauer sein, aber wir sehen die Idee dahinter und das ist wichtig.

Gibt es eine besondere Geschichte?

Wir haben hier einen großen Warenbestand, gerade die Klangschalen sind richtige Schätze. Mit den Klangschalen sind wir sogar in die große Politik gegangen.

Wie das?

Eines Tages hat China den tibetischen Mönchen verboten, diese Klangschalen herzustellen. Das sind Schalen, die aus bis zu fünf verschiedenen Metallen bestehen. Nach dem Verbot hätten wir im Grunde keine Ware mehr bekommen, hätten wir nicht noch jemanden an der Hand gehabt, der einen Bestand an alten Schalen hatte. Davon haben wir noch viele gekauft. Jetzt wurde das Verbot aber wieder gelockert und wir können die Schalen wieder importieren.

25 Jahre, der Laden funktioniert gut in Schwerte. Wie erklären Sie sich das?

An dem Jubiläum kann man sehen, dass wir hier angekommen sind, dass man uns angenommen hat. Der Einzelhandel und die Kirchen haben uns dabei sehr unterstützt. Am Anfang hat uns der Einzelhandel ein gutes Angebot gemacht, die katholische Kirche hat uns sogar einmal eine besoldete Ladenhilfskraft zur Verfügung gestellt. In den Kirchen gibt es auch heute noch häufig einen Warenstand, an dem unsere Ware verkauft wird, oder ein Café, in dem unser Kaffee getrunken wird.

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