Bei den beliebtesten Vornamen für Babys tat sich 2018 im Vergleich zum Vorjahr wenig - aber bei der Anzahl der Geburten gibt es ein deutliches Plus.

Schwerte

, 11.01.2019 / Lesedauer: 3 min

900 Geburten hat das Standesamt in Schwerte 2017 beurkundet. 2018 waren es 953 - ein Plus von immerhin knapp sechs Prozent. Babyboom in Schwerte? Entscheiden sich immer mehr Schwerter für Familienzuwachs? Nein, so einfach lässt sich das Plus nicht erklären, sagt Standesbeamtin Susanne Degwer.

Schon seit langem beurkundet das Standesamt viele Geburten von Nicht-Schwertern. „Das Marienkrankenhaus hat einen guten Ruf, es sind schon immer viele Eltern aus Nachbarstädten zur Geburt nach Schwerte gekommen“, so Degwer. 2018 kam hinzu, dass die Geburtsstation in Hagen-Haspe geschlossen hat. Im Vorjahr hatte bereits die Geburtsstation in Menden dicht gemacht. Das könne man deutlich an den Zahlen erkennen: „Ab Mai haben wir 20 bis 30 Geburten mehr pro Monat beurkundet“, so die Standesbeamtin. Rekord-Monat war der Mai mit 109 Geburten.

Mehr Babys, mehr außergewöhnliche Namen? Nein, eher nicht. In der Spitzengruppe der Namen, für die sich Eltern entschieden haben, tauchen viele Namen auf, die dort auch schon 2017 standen. Emilia und Ben führen die Rangliste in beiden Jahren an. Auch Emma, Mia, Lena oder Jonas, Leon, Elias und Maximilan tauchten bereits in den Vorjahren in den Top Ten auf.

Außergewöhnliche Namenswünsche äußern Eltern in Schwerte so gut wie nie, schildert Susanne Degwer ihre Erfahrungen. Und was heißt überhaupt ungewöhnlich? „Es wäre total ausgefallen, wenn jemand die Vornamen Michael oder Andreas wählt, das gibt es heute nicht mehr.“

Kann ein Vater sein Kind auf den falschen Namen anmelden?

Und was ist mit den legendären Geschichten, dass Väter noch völlig mit den Nerven am Boden sind – und ihr Kind auf einen falschen oder falsch geschriebenen Namen anmelden? „Das sind Geschichten, die können nicht stimmen“, sagt die Standesbeamtin. „Schon 1963, in meinem Geburtsjahr, mussten beide Eltern unterschreiben auf der Geburtsanzeige.“ Das Formular wird schon im Krankenhaus ausgefüllt.

Für die Standesbeamtin und ihre Kolleginnen sind es oft schöne Momente, wenn sie die Geburtsurkunde ausstellen. „Es kommt fast immer der Vater. Total süß ist es, wenn noch Geschwisterkinder dabei sind. Ich frage immer noch mal zur Sicherheit, ob der Vorname, der in der Mitteilung vom Krankenhaus steht, auch der gewünschte ist. Und da sagen die Geschwister dann oft sehr stolz: Ja, das ist mein kleiner Bruder“, schildert Degwer mit einem Lächeln.

Bei Sterbefällen bleibt im Standesamt auch Zeit für Gespräche

Anders ist es naturgemäß, wenn es um Sterbefälle geht: 665 entsprechende Urkunden stellte das Standesamt 2018 aus. „In den meisten Fällen kommen die Bestatter, nicht die Angehörigen. Wenn aber doch die Angehörigen kommen, ist es schon deutlich etwas anders.“ Wenn da jemand ins Reden komme, nehme man sich natürlich Zeit zum Zuhören. „Da ist hier keiner cool und geht da so drüber weg“, sagt Degwer.

Sie erinnert sich noch sehr gut an ihre ersten Erfahrungen mit Sterbefällen: „Ich habe im November 1992 hier angefangen.“ Die Kolleginnen warnten sie vor: Es ist der Monat mit den meisten Selbstmorden. „Das hat mich sehr mitgenommen. Damals habe ich mich schon gefragt, ob ich diesen Job machen kann. Aber man lernt, damit umzugehen.“

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