Anklage: Bandidos fuhren von Westhofen aus zum Attentat in Köln

rnRocker-Milieu

Im Januar stürmte die Polizei mit einem Panzerwagen die Villa eines führenden Bandido-Mitglieds in Holzen. Jetzt liegt die Anklage gegen den Besitzer vor. Es geht um zwei Attentate.

Westhofen, Holzen

, 13.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einem Panzerwagen drangen die Spezialkräfte der Polizei am 29. Januar in eine Villa am Höhenweg in Dortmund-Holzen ein. Gleichzeitig wurde eine Wohnung am am Rosenweg in Schwerte-Holzen von schwer bewaffneten Polizisten gestürmt. In einer ortsübergreifenden Aktion nahmen die Polizei damals sechs führende Mitglieder des Rockerclubs Bandidos fest.

Fünf von ihnen sollen im Oktober in Hagen der Prozess gemacht werden. Die Anklage wirft ihnen unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung und versuchten Mord vor. Auf der Anklagebank sitzt neben dem Bewohner der Villa in Holzen auch ein Schwerter.

Zwei Attentate in Köln

Es sei ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gewesen, erklärt der Hagener Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli, Bei den Angeklagten handele es sich um Mitglieder der mittleren Führungsebene der Bandidos. Sie sollen von Westhofen aus versucht haben, in im Köln tobenden Rockerkrieg, einzugreifen. Im Mittelpunkt stehen zwei Attentate in Köln: Eines hatte im Dezember 2018 auf der Kölner Zoobrücke stattgefunden. Dort feuerten zwei Männer auf ein Auto, das den Hells Angels gehört haben soll. Bei dem Fahrer, der dabei schwer verletzt wurde, handelte es sich nach Angaben von Gerichts-Sprecher Marcus Teich aber um einen unbescholtenen 21-jährigen Schüler. Bei dem zweiten Anschlag handelt es sich um eine Schießerei vor dem Café „Joker’s“ in Köln-Buchheim im Januar 2019. Dort hatten die Täter mit einer Maschinenpistole auf die Gäste des Hells-Angels-Treffpunkt geschossen. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.

Täter brachen von Westhofen aus zur Schießerei auf

Die Spur der beiden Attentate führte nach Holzen und letztlich auch nach Schwerte. „Wir gehen davon aus, dass die Täter der Schießerei vor dem „Joker’s“ vom Clubheim in Westhofen zur Tat gefahren sind und auch dahin zurückkehrten“, erklärt Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli. Denn in Schwerte habe sich der Holzener Selahettin E. (38) mit den Tätern getroffen. Die kamen aber genauso wie E. nicht vom örtlichen Bandidos-Club.

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Selahettin E. gehört nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft zur mittleren Führungsebene der Bandidos. Er sei ein sogenannter „National“, reise durch die Republik und auch Nachbarländer und sei das Bindeglied zwischen der Führungsebene und den Clubs vor Ort. Ihn verdächtigt die Staatsanwaltschaft die beiden Attentate in Auftrag gegeben zu haben. Die übrigen Angeklagte seien in die Waffenbeschaffung verwickelt oder hätten von den Attentaten und der Planung gewusst.

Ein 37 Jahre alter Schwerter, der auch angeklagt ist, spielt vermutlich im Verfahren keine große Rolle. Er soll mit seiner Firma die Abzeichen hergestellt haben, mit denen sich die Attentäter nach der Tat schmücken konnten. D. sei Inhaber einer Firma für diese sogenannten Patches.

Zwei prominente Bandidos mit auf der Anklagebank

Mit auf der Anklagebank sitzen aber voraussichtlich auch Peter Maczollek und Leslav Hause. Zusammen haben die beiden ein in Deutschland erfolgreiches Buch mit dem Titel „Ziemlich böse Freunde. Wie wir die Bandidos in Deutschland gründeten“ geschrieben.

Die beiden gelten als führende Figuren und Promis in der deutschen Rockerszene. Den mutmaßlichen Attentätern solle hingegen getrennt der Prozess gemacht werden, so der Gerichtssprecher.

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Die Angeklagten selbst haben bislang nichts zur den Vorwürfen gesagt. „Das sei auch in dieser Szene nicht üblich“, so Oberstaatsanwalt Pauli. Das wird sich auch auf die Dauer des Gerichtsverfahrens auswirken.

Der voraussichtliche Beginn der Verfahren ist am 22. Oktober am Landgericht Hagen. Vorgesehen sind bislang 38 Hauptverhandlungstage. Dann würde das Verfahren bis April dauern.

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