Wie ist das Marienkrankenhaus vorbereitet? Wie viele Beatmungsplätze stehen zur Verfügung?

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Wie viele Betten mit Beatmung gibt es in Schwerte? Wer muss als Corona-Patient ins Krankenhaus und wo wird man getestet? Antworten gibt Chefarzt Dr. Thomas Spahn vom Marienkrankenhaus.

Schwerte

, 17.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Elf Betten mit Beatmung hat das Marienkrankenhaus in Schwerte auf der Intensivstation. Wenn man das auf die Einwohnerzahl der Ruhrstadt umrechnet, kommt ein Beatmungsgerät auf 4300 Einwohner. Das hört sich so an, als sei man gut für eine mögliche Corona-Welle gewappnet.

Doch so einfach ist die Rechnung nicht, wie ein Gespräch mit dem ärztlichen Direktor des Marienkrankenhauses, Privatdozent Dr. Thomas W. Spahn, deutlich macht.

„Wir sind ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung“, erläutert Spahn. Da gibt es viele Krankheitsbilder, die eine Beatmung erfordern. Vom Patienten mit einer Lungenentzündung über jemanden, der einen Herzinfarkt erlitten habe, bis zur Lungenembolie.

Außerdem braucht man die Plätze auch nach chirurgischen Eingriffen, wenn der Patient ein schwaches Herz hat oder eine Lungenerkrankung. Und auch wenn Deutschland dreimal so viele Beatmungsbetten habe wie Italien, heiße das nicht, dass die immer frei sind.

Normalerweise sind 80 Prozent belegt

Rund 80 Prozent der Schwerter Beatmungsbetten sind normalerweise ständig belegt, erklärt Dr. Jörg Freyhoff, Leiter Anästhesie und Intensivmedizin, am Marienkrankenhaus. Das entspreche auch dem Bundesdurchschnitt.

Wie lange der einzelne Patient auf die Beatmung angewiesen ist, sei höchst unterschiedlich. Manche brauchen die künstliche Beatmung über Wochen, andere nur stundenweise direkt nach der Operation.

Planbare OPs werden verschoben

“Wir werden aber jetzt mehr Kapazitäten schaffen“, so Freyhoff. Und das geschieht dadurch, dass planbare Operationen verschoben werden. Allerdings nicht alle. Hauptsächlich geht es um Eingriffe, die man verschieben kann und bei denen man erwartet, dass der Patient anschließend eine Beatmung benötigen könne.

„Ein kleiner Handeingriff zum Beispiel ist daher immer noch möglich“, so Spahn. Und in den Notfallszenarien hat die Klinik auch schon einen Plan, im absoluten Notfall Patienten in einem Operationssaal mit Beatmungsgeräten zu betreuen.

Nicht alle Corona-Patienten sollen in die Klinik

Auch darüber hinaus hat sich das Krankenhaus gut vorbereitet. „Wir handeln nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts“, so Spahn. Nicht jeder Corona-Patient muss in die Klinik.

Wer zwar das Virus in sich trägt, aber nur Fieber und Husten hat, soll sich im eigenen Heim auskurieren, mit hausärztlicher Versorgung. Wer allerdings Luftnot oder begleitende andere schwere Erkrankung hat, muss natürlich ins Krankenhaus.

Das gleiche gilt für Menschen, deren Gesundheitszustand sich zu Hause verschlechtert. Dafür wurde bereits eine spezielle Station, die Station 5b, vorbereitet.

Denn Patienten mit Corona-Infektion sollen nur in speziellen Bereichen der Klinik behandelt werden und sich aufhalten. Das bedeutet natürlich auch, dass Verdachtsfälle in Isolation müssen, denn noch dauert es bis zum nächsten Werktag, bis man das Testergebnis hat.

Zusätzliche Teststelle in Schwerte ab Montag

Ärgerlich ist für die Klinik derzeit die Tatsache, dass immer wieder Menschen vor der Tür stehen, die sich auf Corona testen lassen wollen. Das geht derzeit nur an den beiden ausgewiesenen Stellen in Unna und Lünen.

„Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe will aber am kommenden Montag eine zusätzliche Teststelle im Pfarrer-Stelzner-Haus einrichten“, so Spahn: „Wir würden uns allerdings wünschen, dass das noch vor dem Wochenende geschieht.“

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