Behörde bot Schwerter eine "Suizid-Waffe" an

Prozess gegen Waffenhändler

Ohne Lizenz soll ein Schwerter jahrelang mit Waffen gehandelt haben. Bei einer Hausdurchsuchung 2015 wurden mehr als 500 Waffen gefunden. Seit Juni läuft der Prozess gegen den geständigen Mann. Bei der Fortsetzung des Prozesses ist jetzt deutlich geworden: Er schreckte nicht davor zurück, buchstäblich "über Leichen" zu gehen.

SCHWERTE / HAGEN

26.06.2017 / Lesedauer: 2 min
Behörde bot Schwerter eine "Suizid-Waffe" an

Lang- und Kurzwaffen sowie Munition und Sprengstoff hatte die Zollfahndung bei dem 54-jährigen Mann aus Schwerte sichergestellt.

Mit weiteren Zeugenvernehmungen ist am Montag vor dem Hager Landgericht der Prozess gegen einen Waffenhändler aus Schwerte fortgesetzt worden. Dabei wurde bekannt: Bei seinen Waffenkäufen bediente er sich offenbar auch eher fragwürdigen Quellen.

Ein Rechtsanwalt (61) aus Bönen bestätigte den Richtern am Montag, dass der Waffenhändler und er im März 2015 einen Waffen-Deal abgeschlossen haben. Nachdem sich ein Waffenbesitzer aus Fröndenberg mit einem seiner Gewehre das Leben genommen hatte, war der Anwalt als dessen Nachlasspfleger eingesetzt worden. Kurz danach erhielt der Anwalt nach eigenen Angaben auch einen Anruf durch einen Mitarbeiter der Kreispolizeibehörde Unna.

Eine der Waffen war die Tatwaffe beim Selbstmord

"Der Mann fragte mich, was mit den beschlagnahmten Waffen passieren soll: Vernichten oder verkaufen?", erinnerte sich der Zeuge. Da das Erbe eher belastet gewesen sei, habe er entschieden: Verkaufen. Anschließend sei ihm über die Kreispolizeibehörde Kontakt zu dem Schwerter Waffenhändler vermittelt worden, mit dem er später via E-Mail einen 200-Euro-Deal für eine Doppelflinte und ein Repetiergewehr abschloss. Wie es hieß, war eine der Waffen auch die Tatwaffe bei dem Selbstmord.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Waffenhändler rund 190 illegale Waffenverkäufe vor. Obwohl ihm 2013 von der Kreispolizeibehörde wegen Unregelmäßigkeiten die Verkaufserlaubnis entzogen worden war, machte der Händler - wie er selbst zugab - anschließend einfach weiter. Mitangeklagt im aktuellen Prozess sind ein mutmaßlich illoyaler Sachbearbeiter bei der Kreispolizeibehörde Unna und ein sogenannter "Strohmann", der für den Schwerter Händler die Geschäfte weiter geführt haben soll. Der Prozess wird fortgesetzt.

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