Bei der Weihnachtsbescherung in der Schwerter Tafel leuchten die Kinderaugen

rnArmut in Schwerte

Einem gut sortierten Spielzeugladen glich der Ausgabesaal am letzten Öffnungstag des Jahres. Einen Großteil der Spenden - 9,2 Tonnen - hatte ein einziger Ehrenamtlicher zusammengetragen.

Schwerte

, 23.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Bis über die Höhe der Fensterbänke hinaus stapeln sich die Päckchen, eingehüllt in festliches Geschenkpapier voller Sternchen, Glöckchen und Tannenweigen. Wieviel - gespendete - Rollen sie zum Verpacken verpacken abgewickelt haben, können die Mitarbeiter der Schwerter Tafel gar nicht sagen. Sie haben Schwerarbeit geleistet, um ihren Kunden eine vorweihnachtliche Überraschung zu bereiten. „Die großen Schuhkartons sind für Familien, die kleineren für Einzelpersonen“, berichtet Peter Höck, Leiter des Trägers Signal gGmbH. Alle sind pickepackevoll gefüllt mit Süßigkeiten, Drogerieartikeln wie Cremes und Lotions und haltbaren Lebensmitteln, die sonst nicht so an den Ausgabetagen zu haben sind.

Wie ein gut sortierter Spielwarenladen

Doch das ist noch längst nicht alles. Einem gut sortierten Spielwarenladen alle Ehre machen würde das Angebot auf den langen Tischen, die in U-Form quer durch das ganze Erdgeschoss der Einrichtung an der Ostenstraße aufgebaut sind. Statt Plastikkisten voller Obst, Gemüse und Molkereiprodukten stapeln sich Gesellschaftsspiele und Puppen, Bücher und CDs. Darunter schauen Bobbycars und sogar ein riesieges Einhorn hervor. „Die Kinder freuen sich jedes Jahr darauf“, erzählt Tafel-Leiterin Zorica Dragisic: „Es wird immer schon frühzeitig angerufen, wann dieser Tag ist.“

Bei der Weihnachtsbescherung in der Schwerter Tafel leuchten die Kinderaugen

Die Tische in der Schwerter Tafel glichen einem gut sortierten Spielwarenladen. © Reinhard Schmitz

Und dieser Tag der Bescherung war genau am Freitag, dem letzten Tag vor der Tafel-Pause zum Jahreswechsel. 160 Gutscheine für den Einlass hatten die Verantwortlichen an Stammkunden verteilt - und noch ein paar in Reserve für unvorhergesehene Besucher in der Tasche. Damit kein unweihnachtliches Gedränge an dem mit einem reich verzierten Tannenbaum geschmückten Eingang entstand, waren die Einlasszeiten wie üblich per Los verteilt worden. „Alle wissen, wann sie dran sind“, sagte Höck. Jeweils fünf bis sechs Personen oder Familien durften sich gleichzeitig ihre Geschenke aussuchen. Begleitet von Mitarbeitern, die auf die gerechte Verteilung achteten. Damit auch für die Letzten noch schöne Sachen übrig waren.

Draeger sammelt seit elf Jahren

„Wenn man in die Kinderaugen guckt, dann merkt man, wieviel Freude und Glück man machen kann“, berichtete Höck. Sehr dankbar war er deshalb einem Helfer, der einen Großteil der Spenden für die Weihnachtsaktion beigesteuert hatte: Sage und schreibe 9,2 Tonnen Geschenke hatte Michael Draeger aus Sölderholz bei seiner Sammelaktion zusammenbekommen, die er trotz eigener Erkrankung bereits im elften Jahr in der Adventszeit organsiert hatte. „Das ist ein Rekord“, erklärte der 46-Jährige, der nicht aufhörte, von Tür zu Tür zu gehen. Anlass war einst ein trauriges Erlebnis in einem Supermarkt gewesen. Da musste Draeger mit anhören, wie eine Mutter ihrer kleinen Tochten den Wunsch nach einer Schokolade abschlagen musste, weil sie kein Geld habe.

Mittlerweile hat der Sölderholzer Geschäftsleute im Dortmunder Süden, aber auch in der Dortmunder Innenstadt als Abgabestellen gewinnen können. Selbst indes hat er seit dem 1. November überall die Spenden abgeholt und jedesmal sofort in seiner Garage sortiert: „Weil Schokolade nicht neben Duschgel lagern sollte.“

Winkler überreicht Ehrenurkunde

Als Belohnung für das nicht erlahmende Engagment wartete auf Draeger selbst auch noch eine weihnachtliche Überraschung. Sozialdezernent Hans-Georg Winkler war erschienen, um ihm eine Ehrenurkunde zu überreichen, die Bürgermeister Dimitrios Axourgos eigenhändig unterschrieben hatte. „Sie sind die gute Seele der Schwerter Tafel“, sagte Winkler: „Tue Gutes und rede darüber.“ Gleichzeitig hatte der Erste Beigeordnete auch noch eine Spende der Stadt mitgebracht. Er übergab Höck einen symbolischen Scheck über 300 Euro. Das sei die Summe, die das Rathaus durch den erstmaligen Verzicht auf das Verschicken von Weihnachtskarten, wie es im Verwaltungsvorstand einstimmig beschlossen worden war, eingespart habe. Bei der Schwerter Tafel sei das Geld besser aufgehoben. Winkler sagte der Einrichtung, die „in dieser Stadt verankert“ sei, die weitere langfristige Unterstützung zu. Als er sich dann in Richtung Rathaus aufmachte, warteten vor dem Eingang schon die nächsten, um in den Bescherungssaal eingelassen zu werden.

Tafel öffnet wieder am 8. Januar

Die Schwerter Tafel an der Ostenstraße ist jetzt bis einschließlich 7. Januar geschlossen. Am Dienstag, 8. Januar, öffnet sie um 9 Uhr wieder zum Frühstück und zur späteren Lebensmittelausgabe.

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