Beim Mensch-ärger-dich-nicht vergessen Kinder und Senioren den Altersunterschied

rnJung trifft Alt

Ob 94 oder 10 Jahre alt - Menschen spielen gern. Im Johannes-Mergenthaler-Haus tun sie das gemeinsam, wenn die Kinder der OGS Villigst zu Besuch kommen. Beim Bingo haben alle Spaß.

Schwerte

, 24.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Joceline, Lilly, Emma und Leni flitzen durchs Foyer des Seniorenheims. Sie spielen mit einem Luftballon. Frau Groth sitzt dagegen schon erwartungsvoll am Tisch. Sie ist heute die erste Bewohnerin des Johannes-Mergenthaler-Hauses, die zum Spielenachmittag kommt. Einmal im Monat treffen sich in der Einrichtung Senioren und Grundschulkinder, um gemeinsam eine Stunde lang Gesellschaftsspiele zu spielen.

Die Mädchen kommen von der Villigster OGS, werden begleitet und gebracht von zwei Erzieherinnen. Auf den Tischen stehen schon die robusten Mensch-ärger-Dich-nicht-Spiele bereit. Die mit den großen Püppchen für Kinder- und Seniorenhände und einem Riesen-Würfel, auf dem auch alte Augen die Anzahl der Punkte leicht erkennen können.

Das neue Bingo-Spiel lockt viele Mitspieler an

OGS-Leiterin Petra Müller-Kramer hat diesmal ein neues Spiel mitgebracht, eigens angeschafft für die Nachmittage im Seniorenheim: Bingo. Kleine Holzkugeln mit Zahlen drauf werden in einem Drahtkäfig gemischt: „Wie bei der Ziehung der Lottozahlen“, ruft eine Seniorin erfreut und rückt den Bingo-Zettel vor sich zurecht.

Beim Mensch-ärger-dich-nicht vergessen Kinder und Senioren den Altersunterschied

Joceline mit Bingo-Königin Frau Eilers (l.). © Berkenbusch

Der Raum füllt sich, bis zwei Mensch-ärgere-dich-nicht-Runden und sechs Bingo-Spielerinnen Platz genommen haben. Die Kinder verteilen sich an den Tischen. Frau Eilers hat sich für Bingo entschieden, kann aber wegen einer Lähmung nicht mehr schreiben. Ihr hilft Joceline, sie kreuzt für sie die Zahlen an. Als Frau Eilers die erste Bingo-Königin des Nachmittags wird, strahlen die beiden um die Wette. Später übernimmt Joceline sogar die Spielleitung.

Villigster OGS-Kinder kommen einmal im Monat

„Die OGS-Kinder sind zum ersten Mal 2018 am Tag des Buches zu uns gekommen“, berichtet Annemarie Wichard vom Betreuungsteam des Johannes-Mergenthaler-Hauses. „Das gemeinsame Lesen mit den Kindern hat den Bewohnern so viel Spaß gemacht, dass wir die Besuche in unser Programm aufgenommen haben.“

Der Spaß lag auf beiden Seiten: Auch die damaligen Drittklässler hatten Freude an dem Kontakt mit den Senioren, wollten gerne wiederkommen. Seitdem trifft man sich einmal im Monat zum Spielen. Petra Müller-Kramer: „Wir haben mehr Kinder, die gerne mitmachen, als wir an einem Nachmittag einsetzen können.“ Deshalb kommt die OGS mit wechselnden „Besatzungen“ zur Liethstraße. Man duzt sich, das haben die Senioren den Kindern erlaubt.

Wenn die heutigen Viertklässler im Sommer die Schule verlassen, wird Petra Müller-Kramer bei den Drittklässlern für die Altenheim-Besuche werben. Sie ist davon überzeugt, dass sie wieder genügend Mädchen und Jungen für diese Aufgabe finden wird.

Manchmal kriegen die Mitspieler sich auch in die Haare

Während zwischen den Zehnjährigen und den Senioren nie gestritten wird, kriegen die Heimbewohner sich beim Spielen durchaus schon mal in die Haare. „Was meinst Du, was mir das ausmacht“, muss Herr Deinhard sich schnippisch sagen lassen, als er das gelbe Püppchen einer Mitbewohnerin zum wiederholten Male vom Spielbrett würfelt. Wenn Lilly jemanden rausschmeißt, ist das dagegen nicht schlimm. Und alle bemühen sich nach Kräften, Lilly nicht rauszuschmeißen. Aber die Kinder passen auf, dass die Senioren sie ja nicht schonen. Sie bewundern die alten Leute: „Die geben nicht so leicht auf“, hat Joceline beim Mensch-ärgere-dich nicht festgestellt.

Beim Mensch-ärger-dich-nicht vergessen Kinder und Senioren den Altersunterschied

Lilly passt auf, dass beim Mensch-ärgere-dich-nicht alles mit rechten Dingen zugeht und niemand sie schont. © Berkenbusch

Frau Groth hat heute eine Überraschung für die Kinder dabei: Sie hat gestern gemeinsam mit ihrer Tochter kunstvolle Papierblumen gebastelt, von denen die Mädchen sich jeweils zwei Stück aussuchen durften. Wenn die 94-Jährige nicht gerade Socken strickt, die später für einen guten Zweck verkauft werden, bastelt sie gern. „Die sind so schön“, schwärmen Emma und Joceline und entscheiden sich für Exemplare in Lila.

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