Blitzer an der B236 in Schwerte weicht Baustelle

Straße wird verbreitert

Er wurde mit pinker Farbe beschmiert, mit Gewehrkugeln durchschossen. Jetzt ist er verschwunden, der Starenkasten an der Abfahrt vom Freischütz-Berg an der Hörder Straße in Schwerte. Doch hinter dem verwaisten Platz an der B236 steckt kein Racheakt von Temposündern.

SCHWERTE

, 05.10.2017, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Blitzer an der B236 in Schwerte weicht Baustelle

Abgebaut hat der Kreis Unna die „Blitze“, die ein Vierteljahrhundert an der Hörder Straße zur Einhaltung von Tempo 50 mahnte. Dort ist jetzt eine Baustelle. Die Straße wird verbreitert.

„Wir haben ihn abgebaut, weil Straßen NRW die Straße verbreitert“, sagt Christian Bornemann, Sachgebietsleiter der Bußgeldstelle und Verkehrssicherung beim Kreis Unna. Nach Abschluss der Baumaßnahme werde entschieden, ob der Bereich weiterhin eine Unfallhäufungsstelle bleibe und Anlass für einen neuen Blitzer gebe. Wenn, dann allerdings wohl für ein Modell in modernerer Form. Denn der Urvater der Schwerter Starenkästen wurde bereits als Ersatzteilspender ausgeschlachtet, der Rest samt Mast verschrottet.

Auf den Gasfuß sollten Autofahrer an der Hörder Straße aber weiterhin achten: „In der Zwischenzeit nehmen wir mobile Messungen vor“, kündigt Bornemann an. Mit drei Fahrzeugen sind seine Außendienst-Kollegen ständig im Kreisgebiet unterwegs: zwei VW-Caddys und ein Mercedes-Vito, dessen Radar-Einrichtung außerhalb des Fahrzeugs auf einem Stativ aufgestellt werden kann.

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Im Inneren war der alte Starenkasten hochmodern

Der altmodische dunkelgrüne Starenkasten am Rand des Schwerter Waldes war einer der ersten, die der Kreis Unna zur Geschwindigkeitsüberwachung montieren ließ. Ein Vierteljahrhundert lang – seit Anfang 1992 – führte auf der B236 aus Dortmund kein Weg an ihm vorbei. In seinem Inneren war er aber hochmodern. Längst hatte eine digitale Kamera den Schwarzweiß-Film abgelöst, der nach rund 400 Aufnahmen „vollgeknipst“ war. „Sie wurde speziell vom Hersteller umgerüstet“, berichtet Bornemann. Schließlich müsse das Gerät geeicht sein und gerichtsfeste Daten liefern. Auch das Personal werde ständig in der Bedienung geschult.

Ob er scharf geschaltet war, konnten Autofahrer dem Blitzkasten von außen bis zuletzt nicht ansehen. „Es ist nach wie vor so, dass wir weniger Kameras als Starenkästen haben. Sie wandern hin und her“, so Bornemann. Allein durch seine Existenz führe der Starenkasten schon dazu, dass der Bürger langsamer fahre: „Das wollen wir erreichen.“

Kreise haben keine "Bestenliste" der lukrativsten Blitzer-Standorte

Insgesamt fünf Kameras bestücken abwechselnd die kreisweit zwölf Messstellen. Zwei davon – an der Roten-Haus-Straße und an der Ruhrtalstraße – schießen in Schwerte weiterhin teure Fotos. Eines von der Hörder Straße konnte mal nicht zugestellt werden: Der Fahrer hatte das Nummernschild seines Autos verdeckt, bevor der Beifahrer dem Objektiv durch die Windschutzscheibe seinen blanken Allerwertesten entgegenstreckte.

Weil die Einnahmen für die Verkehrssicherung keine Hauptrolle spielen, wird beim Kreis keine „Bestenliste“ der lukrativsten Standorte geführt. „Die Einnahmen würden eher den Kämmerer interessieren“, erklärte Bornemann. Insgesamt konnte der Finanzchef des Kreises durch die Arbeit der Bußgeldstelle im Vorjahr Einnahmen von rund fünf Millionen Euro verbuchen, denen allerdings auch Personalkosten gegenüberstehen. In dieser Summe enthalten sind die „Knöllchen“, die die Polizei im Straßenverkehr verteilt hat.

 

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