Axel Lohmann zeigt eine abgeknickte Sonnenblume. Für die Spaziergänger gilt: Bitte nur gucken – nicht anfassen. Oder mitnehmen. © Martina Niehaus
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Blühstreifen in Schwerte: „Die Leute parken und packen haufenweise Blumen in den Kofferraum“

Landwirte aus Schwerte legen jedes Jahr neue Blühstreifen an – um etwas für die Natur zu tun. Insekten dürfen sich hier kostenlos bedienen. Doch Bienen und Hummeln haben Konkurrenz.

Am Feldrand des Kartoffelackers muss man schon fast ein wenig lauter sprechen, um das Summen der Insekten zu übertönen: Mitten im Sonnenblumenstreifen präsentieren vier Schwerter Landwirte an diesem sonnigen Vormittag stolz das Ergebnis ihrer jährlichen Blühstreifenaktion.

Sie sind stolz auf die bunten Blühstreifen (v.l.): Axel Lohmann, Bernd Schulte, Werner Dettmer-Prause und Samuel Mrohs.
Sie sind stolz auf die bunten Blühstreifen (v.l.): Axel Lohmann, Bernd Schulte, Werner Dettmer-Prause und Samuel Mrohs. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Hier, am Feld von Werner Dettmer-Prause, wachsen vor allem Sonnenblumen, Phacelia, Buchweizen, Korn- und Ringelblumen, Malven und Wicken. Dettmer-Prause freut sich. „Die Blumen sind schon richtig schön hoch gewachsen“, sagt der 66-Jährige. Das finden die Insekten auch: Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sind unterwegs.

Viele kleine Blühstreifen – mehrere Hektar Blühwiese

Ortslandwirt Bernd Schulte ist ebenfalls da, zusammen mit Samuel Mrohs und Axel Lohmann. „Die Blühstreifen sind gut für die Natur und lockern gleichzeitig das Landschaftsbild auf“, sagt Schulte. Dem stimmt Axel Lohmann zu. „Die Blühstreifen sind eine schöne Geschichte. Wir Landwirte legen sie freiwillig und auf unsere Kosten an.“

Seit ungefähr fünf Jahren beteiligen sich Schwerter Landwirte an der Aktion. Sie lassen Randstreifen ihrer Felder frei und säen dort im April eine Blumenmischung aus. Die vielen kleinen Blühstreifen kommen zusammen auf die beachtliche Größe von sechseinhalb Hektar – und es werden immer mehr.

Und das bedeutet auch Kosten: Auf den Blühstreifen kann man keine Kartoffeln, Weizen oder Mais anbauen. „Unsere freiwillige Aktion wird nicht subventioniert“, betont Bernd Schulte. Das Saatgut kaufe man gemeinschaftlich ein. „Die Mischung, die wir verwenden, ist besonders gut auf unsere Region angepasst“, erzählt Axel Lohmann. „Mit Früh- und Spätblühern, damit die Tiere lange etwas davon haben.“

An diesem Feldrand - und an vielen weiteren - blüht es gerade richtig schön.
An diesem Feldrand – und an vielen weiteren – blüht es gerade richtig schön. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Manche dieser Streifen werden im Herbst abgemäht, doch längst nicht alle. „Jeder Landwirt entscheidet das für sich“, betont Bernd Schulte. „Aber eigentlich ist es besser für die Insekten, denn sie überwintern in den Stängeln. Und die Vögel ernähren sich von den Samenkörnern.“ Im Frühjahr darauf kommt dann eine neue Mischung aufs Feld.

Viele Radfahrer und Fußgänger nehmen Blumen einfach mit

Leider gefallen die bunten Blumenmischungen nicht nur den Insekten. Radfahrer, Spaziergänger und Anwohner freuen sich über die blühenden Feldränder. Das sollen sie auch – doch die Versuchung, Blumen mit nach Hause zu nehmen, scheint groß. „Vorhin ist mir ein älteres Ehepaar auf dem Rad entgegengekommen, die hatten mehrere Sonnenblumen im Fahrradkorb“, sagt Bernd Schulte.

Sonnenblumen blühen zurzeit an vielen Feldrändern in Schwerte. Die Landwirte haben sie als Insektenfutter angepflanzt - später können Vögel die Samen ernten. Doch es gibt ein Problem: Die Blumen gefallen auch anderen.
Sonnenblumen blühen zurzeit an vielen Feldrändern in Schwerte. Die Landwirte haben sie als Insektenfutter angepflanzt – später können Vögel die Samen ernten. Doch es gibt ein Problem: Die Blumen gefallen auch anderen. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Auch Samuel Mrohs und Axel Lohmann sehen immer wieder Spaziergänger, die sich bedienen. Vor allem an größeren Straßen werde mitunter fleißig eingepackt: „Die Leute parken und packen haufenweise Blumen in den Kofferraum.“

Tipp: Blühstreifen im eigenen Garten

Werner Dettmer-Prause kann verstehen, dass den Passanten die Blumen gefallen. „Wir möchten die Leute aber bitten, die Pflanzen stehenzulassen. Die sind nun mal für die Bienen gedacht.“

Verbotsschilder aufstellen wollen die Landwirte aber nicht. „Wir hoffen, dass die Leute Verständnis für unsere Aktion haben.“ Und Bernd Schulte gibt Tipps, wie man sich im eigenen Garten einen Blühstreifen anlegen kann.

Malven und viele andere Blumensorten kann man sich auch ganz leicht in den heimischen Garten pflanzen.
Malven und viele andere Blumensorten kann man sich auch ganz leicht in den heimischen Garten pflanzen. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

„Ausgesät wird Mitte bis Ende April. Man muss den Boden auf der Fläche umgraben, denn das Gras würde die Aussaat verdrängen. Passende Blumenmischungen gibt es in jedem Gartencenter.“

Nach der Aussaat muss man nur noch regelmäßig gießen – und warten, bis es im eigenen Garten summt. Das ist schöner als in jeder Blumenvase.

Bitte um Verständnis: Die Ernte muss rein

  • Die Schwerter Landwirte bitten nicht nur in Sachen Blühstreifen um Verständnis. „Es kann sein, dass wir in den wenigen Schönwetterphasen abends auch etwas später zur Ernte auf den Feldern unterwegs sind“, sagt Bernd Schulte.
  • Denn wegen des vielen Regens sei die Ernte in diesem Jahr bisher nur schleppend vorangekommen. Die Landwirte bitten die Anwohner deshalb, im Hinblick auf die Nachtruhe etwas großzügiger zu sein.
Über die Autorin
Redakteurin
Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus