Bäckermeister Sascha Ruhnke und seine Ehefrau Sarah Ruhnke haben mit seigenden Rohstoffpreisen zu kämpfen. © Reinhard Schmitz
Rohstoff-Knappheit

Brötchen-Preise in Schwerte werden steigen: Der Grund ist nicht so leicht erklärt

Eine große deutsche Boulevard-Zeitung schürte jüngst Ängste vor einer Preiserhöhung bei Brötchen. Grund sei teures Mehl. Dabei haben Bäcker in Schwerte ganz andere Probleme.

In Schwerte kosten Brötchen momentan grob geschätzt zwischen 35 und 40 Cent pro Stück. Diese Preise gelten seit fast anderthalb Jahren, berichtet der Schwerter Bäcker Sascha Ruhnke.

Doch das wird nicht so bleiben. Brötchen und Brot werden „bald“, so Sascha Ruhnke, teurer. Und das hat mehrere Gründe. Und um es vorab zu verraten: Der Mehlpreis ist das kleinste Übel.

Sascha Ruhnke nennt den lange stabilen Brötchenpreis als ein Problem für sein Geschäft. Denn mittlerweile sind zwei Tariferhöhungen über diese Preise hinweggezogen.

Preis war lange stabil

„Meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten hart und verdienen jeden Cent“, sagt Sascha Ruhnke. Aber die Mehrausgaben wurden nie auf das Produkt umgelegt. Und nun kommen weitere Kostensteigerungen, die längst nicht nur die Brötchen sondern auch das Brot betreffen.

„Viele Rohstoffe sind knapp und gerade sehr teuer“, berichtet Sascha Ruhnke. Kostensteigerungen gab es bei Sonnblumen-Kernen (35 Prozent) und Kürbiskernen (30 Prozent). Darüber hinaus sind Butter und Zucker teurer geworden.

Auch der hohe Ölpreis betrifft die Bäcker. Zum einen müssen die Backwaren an die Filialen geliefert werden. Das verbraucht Diesel. Und zum anderen sind die Öfen Öl-betrieben. Das Backen selbst wird also auch teurer.

Das kann man nicht auffangen

„Das kann man mit keiner Mischkalkulation auffangen“, sagt Sascha Ruhnke. Wann genau die Preissteigerung kommt und wie hoch sie sein wird, kann der Bäcker indes noch nicht sagen.

Dass es so viele Gründe für einen Preisanstieg bei Brot und Brötchen gibt, aber weitgehend nur vom Weizen-Mehl geredet wird, ärgert den Schwerter Landwirt Bernd Schulte.

Getreide und Mehl seien beim Brötchenpreis nicht unbedingt ausschlaggebend, erzählt Landwirt Bernd Schulte.
Getreide und Mehl seien beim Brötchenpreis nicht unbedingt ausschlaggebend, erzählt Landwirt Bernd Schulte. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

„Der Anteil des Mehls am Brötchenpreis ist knapp über einem Cent“, berichtet der Bauer, der in diesem Jahr selbst Weizen angebaut hat. „Wir Bauern haben gerade kein gutes Ansehen“, sagt Bernd Schulte. „Deshalb kümmern unsere Probleme gerade niemanden.“

Dünger ist Mangelware

Die vergangene Ernte war noch weitgehend ungetrübt vom Rohstoff-Mangel. Doch auf das nächste Jahr blicken die Bauern in Schwerte mit Sorgen. Der globalisierte Markt sorgt für bizarre Kettenreaktionen. Besonders teuer wird wohl Dünger.

Anfang dieses Jahres lag der Preis für Dünger noch bei 280 Euro pro Tonne, berichtet Bernd Schulte. Jetzt liege er bei 750 bis 800 Euro. Das ist mehr als eine Verdoppelung. Der Grund dafür sei Erdgas, so der Landwirt.

Und das ist der Zusammenhang: Ein Grundstoff für Kunst-Dünger ist Ammoniak. Dessen Herstellung ist energieintensiv, dafür wird Erdgas verwendet. Gas ist momentan sehr teuer. „Da haben einige Fabriken die Produktion eingestellt und deshalb ist Dünger jetzt Mangelware.“

Geringe Preise für Schweine

Und weil die Feld-Maschinen der Bauern mit Diesel laufen, der auch gerade teuer ist, wird der Getreideanbau nochmal teurer. Und es geht noch weiter: Das Getreide wird nicht nur in Lebensmittel für Menschen verarbeitet, es dient zum Teil auch als Futtermittel für für die Tiermast.

So wird auch die Produktion von Fleisch teurer, während Schlachthöfe Pandemie-bedingt nicht voll arbeiten können. Das erzeugt einen Stau beim Schlachten, der wiederum den Preis für Schweine verringert hat. „Was gerade bei den Schweine-Preisen abgeht ist brutal“, sagt Bernd Schulte.

Deshalb bringe es Landwirten gerade gar nichts, dass der Preis für alle Getreidearten momentan steige, so Schulte. Mehr bekommen die Bauern unterm Strich nicht.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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