Gequält humpelt Junghahn Blümchen durch den Stall, wo er sich von den Misshandlungen durch die Kinder erholen soll. © Reinhard Schmitz
Polizei in Schwerte

Brutale Tierquälerei: Kinder-Horde dringt in Hühnerhof in Schwerte ein

An den Beinen herumgewirbelt, Federn ausgerissen, mit Stöcken geschlagen: Abscheuliche Szenen spielten sich auf dem Hühnerhof ab. Die Polizei ermittelte Verdächtige - und erlebte Unfassbares.

Mühsam humpelt Junghahn Blümchen durch den Stall, in dem er sich nur langsam von den Torturen erholt. Das Huhn in der Box nebenan haben die Tierquäler noch barbarischer misshandelt. Bei lebendigem Leib wurden ihm die Federn bis auf die nackte Haut büschelweise herausgerissen – von Kindern, wie Nachbarn in der Altstadt entsetzt beobachten mussten. Eine ganze Horde von Jungen und auch Mädchen sei auf die idyllische Tierwiese unterhalb der Altstadtmauer hinter dem Wuckenhof eingedrungen. Die Jüngsten von ihnen sollen höchstens im Alter von i-Männchen gewesen sein.

Kinder jagten mit langen Stöcken hinter den Tieren her

„Sie haben fast eine Stunde getobt da drin“, kann Anwohnerin Barbara Salgert das abscheuliche Geschehen immer noch nicht fassen, das sie am Dienstag vergangener Woche (28. September) miterleben musste. Eine Nachbarin war durch das laute Gekreische der Kinder aufmerksam geworden, die teilweise mit langen Stöcken hinter den rund 50 Hühnern sowie den Enten und Gänsen herjagten und auch auf die Ställe hämmerten.

Nachbarn wurden auf die Horde von Kindern aufmerksam, die Hühner und Kaninchen in dem Garten unterhalb des Wuckenhofs jagten und quälten.
Nachbarn wurden auf die Horde von Kindern aufmerksam, die Hühner und Kaninchen in dem Garten unterhalb des Wuckenhofs jagten und quälten. © privat © privat

„Ein Junge hat einen Hahn mit den Füßen in der Hand vor den Käfig gehauen“, berichtet Barbara Salgert. Ein Kaninchen sei aus seinem Stall geholt und an den Hinterläufen herumgeschleudert worden. Mindestens ein Huhn habe die Quälereien nicht überlebt. Und brütenden Tieren seien die Eier unter dem Körper weggenommen und zertrampelt worden.

Ein Mädchen blieb bei der Flucht im Stacheldraht hängen

„Ruf´ die Polizei“, bat Barbara Salgert ihre Nachbarin, während sie selbst zu dem sonst so idyllischen Hühnerhof heruntereilte. Dort hätte rund ein Dutzend Kinder gewütet, deren Alter sie auf etwa 5 bis 14 Jahre schätzte: „Als sie mich sahen, sind sie sternförmig auseinandergelaufen.“ Die meisten kletterten über die Umfassungsmauer heraus. Vergeblich versuchten sie, auch die offensichtlich Jüngste zu sich heraufzuziehen, die blutend im Stacheldraht hängen geblieben war. Barbara Salgert versorgte die Wunden des Mädchens, das nur etwa fünf Jahre alt gewesen sei.

Bei lebendigem Leibe wurden dem Huhn die Federn bis auf die Haut ausgerissen. Es wird noch einige Zeit brauchen, um sich im schützenden Stall von den Torturen zu erholen.
Bei lebendigem Leibe wurden dem Huhn die Federn bis auf die Haut ausgerissen. Es wird noch einige Zeit brauchen, um sich im schützenden Stall von den Torturen zu erholen. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Die übrigen Kinder seien derweil oben auf der Mauer stehen geblieben. Einige hätten ihre Eltern gerufen. „Hier war ein Auflauf von fast 30 Leuten“, erklärt die Augenzeugin.

Polizei: Eltern und Kinder waren sich keiner Schuld bewusst

Polizei-Pressesprecher Christian Stein (Unna) bestätigt den Einsatz seiner Kollegen, der gegen 17.45 Uhr am Südwall stattgefunden habe. Dabei sei auch ein Strafverfahren eingeleitet worden. Die Einsatzkräfte hätten berichtet, dass Kinder über eine Mauer in das etwa 2000 bis 3000 Quadratmeter große Grundstück der Evangelischen Kirchengemeinde gesprungen seien, wo sie die Tiere mit Stöcken gejagt hätten. Von Zeugen auf ihr Verhalten angesprochen, hätten sie nur gelacht und seien weggelaufen.

Eigentlich ist der Garten in der Altstadt ein Paradies für die freilaufenden Hühner, Enten und Gänse. Viele Schwerter bleiben oberhalb an der Mauer des Wuckenhofs stehen, um sich an der Idylle zu erfreuen.
Eigentlich ist der Garten in der Altstadt ein Paradies für die freilaufenden Hühner, Enten und Gänse. Viele Schwerter bleiben oberhalb an der Mauer des Wuckenhofs stehen, um sich an der Idylle zu erfreuen. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Es gebe aber – so der Polizeisprecher weiter – eine Videoaufzeichnung, die zeigt, wie die Kinder mit den Tieren umgegangen sind. Aufgrund dessen habe man drei von ihnen als Verdächtige identifizieren können, die aber alle nicht älter als 11 Jahre und damit strafunmündig seien. Als die Polizei deren Eltern aufsuchte, um ein klärendes Gespräch zu führen, mussten die Beamten erfahren: „Man ist sich keiner Schuld bewusst gewesen.“ Jetzt ist das Verfahren an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Es geht um Hausfriedensbruch und eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz.

Nachbarn sehen jetzt die Schulen in der Pflicht

Barbara Salgert sieht noch einen anderen Weg. Sie wünscht die Schulen in der Pflicht. „Über die Sozialarbeiter sollte man dort darüber reden, was man macht und was man nicht macht.“ Schließlich sei das Missachtung von Lebewesen und Eigentum: „Diese Brutalität von Kindern – man ist einfach nur sprachlos und hilflos.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz