Bloß kein Neubaugebiet: Nachbarn der Heide gründen Bürgerinitiative

rnWohnen in Schwerte

Den Besitzer gewechselt haben Felder an der Waldstraße. Eigentümer ist jetzt die Immobilien-Entwicklungsgesellschaft, an der die Stadt beteiligt ist. Die Nachbarn gehen auf die Barrikaden.

Schwerte

, 21.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Fläche voller Wohnhäuser mit Garagen und Straßen, wo sich jetzt noch reihenweise die Maispflanzen sanft im Winde wiegen? Diese Vorstellung treibt Anwohner der sonst so ruhigen Schwerterheide auf die Barrikaden. Mit der Gründung einer Bürgerinitiative wollen sie die Bebauung von Äckern an der Waldstraße verhindern, die von der Immobilien-Entwicklungsgesellschaft (IEG) Schwerte gekauft worden sind. Bislang waren die rund 30.000 Quadratmeter großen Grundstücke von einem Bauern genutzt worden.

Anwalt protestiert gegen „Ausverkauf landwirtschaftlicher Flächen“

Gegen den „Ausverkauf der landwirtschaftlichen Flächen“ wendet sich Anwohner und Rechtsanwalt Jens Mackner in einem offenen Brief, in dessen Verteiler unter anderem Bürgermeister Dimitrios Axourgos, die fünf Ratsfraktionen sowie der Kreis Unna stehen. Dieses Vorhaben führe zu „dem Umstand, dass ein bisher noch ländlich geprägter Rückzugsraum in der Stadt Schwerte nahezu vollständig versiegelt“ werde. Darüberhinaus werde es den wenigen verbliebenen Bauern auf der Schwerterheide erschwert, landwirtschaftliche Flächen zu erschwinglichen Preisen zu pachten.

Sorge um den nahen Wald und seine tierischen Bewohner

Gleichzeitig erinnert Jens Mackner daran, dass es sich bei den Flächen um „Landschaftsschutzgebiete mit angrenzendem Naturschutzgebiet“ handele. In direkter Nähe sei ein Teil des Schwerter Waldes vom städtischen Umwelt-Ausschuss als „Wildentwicklungsgebiet“ im Sinne eines ökologischen Waldkonzeptes ausgewiesen worden. Bei einer Bebauung - so der Anwalt weiter - würde sich ein „Lärm- und Zivilisationsdruck auf die geschützten Flächen und deren Bewohner ergeben“. Während der Bauphase müssten sie mehrere Jahre lang sogar unter Dauerlärm leben.

Offener Brief an Bürgermeister Dimitrios Axourgos

In seinem zweiten Schreiben stellt Jens Mackner konkrete Fragen an Bürgermeister Dimitrios Axourgos, der seiner Ehefrau schon bei der Veranstaltung „Schwerte kocht“ Anfang März in der Rohrmeisterei den Kauf der Äcker bestätigt habe. „Wann erhielten Sie als Bürgermeister und Leiter der Verwaltung beziehungsweise die Verwaltung Kenntnis vom Kauf der (...) Fläche durch die IEG?“, möchte der Anwohner genauso wissen wie den gezahlten Quadratmeterpreis. Außerdem bittet er um Einsicht in den IEG-Gesellschaftervertrag und um Zugang zu allen Informationen zum Landschaftsgebiet und zu weiteren Planungen.

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Öffentlich sichtbar hat die Bürgerinitiative ihren Protest schon mit einem Transparent an der Ecke Waldstraße/Kornweg gemacht. „Neubaugetto statt Natur?“ ist dort am Rande des Noch-Maisfeldes zu lesen, wo für Sonntag, 23. August, um 17 Uhr zu einer Informationsveranstaltung eingeladen wird. Die Initiatoren hoffen auf Mitstreiter, die sich für den Erhalt des Naherholungsgebietes sowie des Lebensraums für Tiere und Pflanzen einsetzen.

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