Bunker gibt es in Schwerte nicht mehr

Was passiert bei Luftangriff?

Anders als auf Hawaii gibt es hierzulande kaum Optionen, was man bei einem drohenden Luftangriff tun könnte. Die Warnsysteme würden wohl funktionieren. Es stellt sich aber die Frage, wohin die Gewarnten in Schwerte denn fliehen sollten.

SCHWERTE

, 17.01.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Parkhaus am Markt sollte einst im Ernstfall auch als Bunker dienen; an den Ein- und Ausgängen gibt es Guckfenster, Stahltüren und Lüftungsschächte. Einsatzbereit ist er aber nicht mehr.

Das Parkhaus am Markt sollte einst im Ernstfall auch als Bunker dienen; an den Ein- und Ausgängen gibt es Guckfenster, Stahltüren und Lüftungsschächte. Einsatzbereit ist er aber nicht mehr. © Bernd Paulitschke

Die Menschen auf Hawaii haben am Samstag 38 Minuten lang gedacht, sie würden von einer Rakete angegriffen. Danach stellte sich glücklicherweise heraus, jemand hatte nur einen falschen Knopf gedrückt. Wir haben uns gefragt, was müsste man in Schwerte in einem Katastrophenfall machen.

Für die Warnung ist in Deutschland das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zuständig. Um die Bürger schnell zu warnen, greift man nach Angaben des Amtes auf Rundfunksender, Pagingdienste, die eigene Warn-App „Nina“ und sogar auf Rauchmelder mit Funkempfängern zurück.

Das Amt geht davon aus, dass man nahezu alle Menschen zügig erreichen könne. Schwieriger ist die Frage zu klären, wohin der Schwerter sich wenden soll.

Mit dem Ende des Kalten Krieges wurden die ohnehin nur für einen Bruchteil der Bevölkerung ausreichenden Bunker der Stadt zurückgebaut. Der größte von ihnen ist theoretisch noch vorhanden, praktisch aber nicht mehr nutzbar.

Bunker mit 1680 Plätzen

Es handelt sich um die Tiefgarage unter dem Marktplatz. Ein Teil der Garage ist nämlich mit Stahltoren abtrennbar. In ihm sollten 1680 Menschen vor einem Atomkrieg Zuflucht finden.

Bereits seit dem Jahr 2000 ist die Filteranlage, die für die Kühlung und Filterung der Atemluft zuständig war, nicht mehr in Betrieb. „Es würde sechs Monate dauern, sie wieder gangbar zu machen“, erklärt Stadtsprecher Carsten Morgenthal.

Bund hat Zuschüsse längst eingestellt

„Zivilschutz in diesem Sinne gibt es nicht mehr“, erklärt Jürgen Wirth vom Kreis. Die zentrale Verwaltung in Unna ist nämlich für den Schutz der Bevölkerung zuständig. Die Funktion der Bunker sei weitgehend aufgehoben, berichtet er. Der Bund, der damals die Einrichtungen finanzierte, hat seine Zuschüsse eingestellt. Und auch das Material wurde überwiegend abgeschafft. So habe man einen Teil der Betten für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Lediglich die Essenmarken seien noch im großen Stil eingelagert. Sie folgten Ende der 80er-Jahre auf die Ein-Mann-Pakete für den Notfall (EPA), die regelmäßig zum Verfallsdatum entsorgt werden mussten. Oft als Verpflegung der Wehrpflichtigen.

Katastrophe statt Krieg



Wenn es tatsächlich wieder Krieg auf deutschem Boden geben sollte, will der Bund auf Pläne zum Katastrophenschutz zurückgreifen. Jürgen Wirth vom Kreis empfiehlt, bei Kriegsalarm möglichst einen normalen Keller aufzusuchen. Denn das Amt für Bevölkerungsschutz geht davon aus, dass es in Deutschland zu wenig mögliche Betreuungsplätze für Opfer solcher Katastrophen gibt. In einem Interview mit der Deutschen Presseagentur erklärte dessen Chef, Christoph Unger, im Dezember: „Die Nato empfiehlt Betreuungsplätze für zwei Prozent der Bevölkerung. Das wären bei uns 1,6 Millionen. So weit sind wir noch nicht.“

Dafür hat das Amt aber eine Broschüre mit Tipps zur Notfallvorsorge erarbeitet: Die reicht vom Lebensmittelvorrat bis zum Notgepäck. Über Letzteres solle man sich im Vorfeld Gedanken machen und einen Rucksack mit Medikamenten, Regenkleidung, Schlafsack, Wasserflasche, Wertsachen, Papieren und Hygienematerial bereithalten.

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