Carl Kochs Westhofener Zigarrenmanufaktur erlebte nur eine kurze Blüte

rnSerie: Häuser erzählen

Aus edlen Taken, die aus Holland angeliefert wurden, ließ Carl Koch an der Niederstraße mitten in Westhofen Zigarren drehen. Gelernt hatte er sein Handwerk beim Schwiegervater.

Westhofen

, 21.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht nur im Winter, auch im Sommer rauchte das spitzdachig-trutzige Haus im Altstadtkern von Westhofen. Wohlriechender Qualm zog aus den Fenstern an der Niederstraße 12, hinter denen Carl Koch (1848-1937) einst eine Zigarrenfabrik betrieb. Bei seinem Kollegen Wilhelm Engels hatte der Gründer nicht nur sein Handwerk gelernt, sondern sich auch in dessen Tochter Ida verguckt. Mit ihr baute er 1880 das Haus um und eröffnete die „Carl Koch‘sche Tabak- und Zigarrenmanufaktur“.

In dem spitzdachigen Haus Niederstraße 12 produzierte bis 1917 die Carl Koch´sche Tabak- und Zigarrenmanufaktur.

In dem spitzdachigen Haus Niederstraße 12 produzierte bis 1917 die Carl Koch´sche Tabak- und Zigarrenmanufaktur.

Angestellte drehten die Glimmstängel von Hand

Zwei bis drei Angestellte halfen mit, die begehrten Glimmstängel zu drehen. Wickelhölzer mit genormten Vertiefungen sorgten dafür, dass alle gleich groß wurden und in die Holzschachtel passten. Den Rauchtabak, „aus den edelsten Tabaken zusammengesetzt“, bezog Koch aus Holland. „Angeliefert wurde er in Strängen, die einer Dauerwurst glichen“, weiß Ortsheimatpfleger Lothar Meißgeier. Er hütet in seiner Sammlung noch eine alte Schneidmaschine, die den Strangtabak – je nach Einstellung am Zahnrad – zu Grob- oder Feinschnitt zerkrümelte. Die wunderschön gestalteten Etiketten der Zigarrenkisten hat der Vorsitzende der Reichshofschützen, Gerhard Geisler, aufbewahrt. Prunkvolle Namen wie Charlotte, Famos oder Universo tragen die Aufkleber, die nostalgischen Glanzbildchen ähneln. Komplette Mustermappen lieferte die „Fabrik von Cigarren-Etiquetten Paul Bartels & Co“ in Dresden nach Westhofen. Auch ein Jugendstil-Kalender wurde 1907 an die Kunden verteilt.

Eine Schneidemaschine hat Ortsheimatpfleger Lothar Meißgeier aufbewahrt.

Eine Schneidemaschine hat Ortsheimatpfleger Lothar Meißgeier aufbewahrt. © Reinhard Schmitz

Im Ersten Weltkrieg ging der Fabrik der Rohstoff aus

Doch schon zehn Jahre später ging der Zigarrenfabrik der Rohstoff aus, weil durch den Ersten Weltkrieg ein Import-Stopp erlassen war. Die Firma wurde 1917 geschlossen. Sie blieb nur eine kurze Episode in dem ältesten Bruchsteinhaus Westhofens, das im Jahre 1722 aus Ruhr-Sandstein mit meterdicken Mauern erbaut worden war. Fabrikant Carl Koch hatte es 1870 von der Vorbesitzerin Elisabeth Weiberg geerbt – als Dankeschön dafür, dass er sie im Alter so fürsorglich gepflegt hatte.

Obwohl die Zigarrenfabrik schon lange Geschichte ist, haben sich viele Einrichtungsteile erhalten. Im Freilichtmuseum im Mäckingerbachtal in Hagen künden sie von einem außergewöhnlichen Westhofener Betrieb.

Lesen Sie jetzt