Eine Testpflicht für Begleitpersonen in Praxen funktioniert bei kleinen Kindern nicht. Hier sorgte ein Gesetz, das am Folgetag wieder gekippt wurde, nur für Chaos und Unruhe. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Meinung

Chaos und Wut: So gehen Gesetze komplett an der Realität vorbei!

Das Hin und Her beim Infektionsschutzgesetz bringt Ärztinnen und Ärzte auf die „Palme“. Unsere Autorin fragt sich: Wer von denjenigen, die solche Gesetze erlassen, war schon mal beim Kinderarzt?

Manchmal traut man seinen Augen nicht, wenn man Gesetze oder politische Entscheidungen liest. Bei der Änderung zum Infektionsschutzgesetz, die für Kinderarztpraxen das tägliche Testen selbst komplett immunisierter Mitarbeiter und Eltern vorsieht, ist mir das so gegangen.

Natürlich: Mehr Tests bedeuten mehr Schutz. Keine Frage. Und je engmaschiger man sich testen lässt – auch am Arbeitsplatz – umso besser lässt sich eine Corona-Infektion ausschließen. Insofern kann ich den Verfassern des Gesetzestextes immerhin guten Willen attestieren.

Doch eine gute Portion Realitätsverlust muss ebenfalls dabei gewesen sein. Wie kann man Gesetze formulieren, die so weitab von jeglicher Lebenswirklichkeit liegen? Dass einzelne Bundesländer das Gesetz bereits am Folgetag gekippt haben, macht den Unmut in den Praxen nicht kleiner.

Praxen können keine Tests aus dem Ärmel zaubern

Vor allem Kinderärzte arbeiten momentan am Limit. Sie kümmern sich um die vielen Kinder mit Atemwegserkrankungen. Sie impfen. Sie dürfen nicht mit noch mehr Bürokratie, mit täglicher Testpflicht und der damit verbundenen Dokumentationspflicht belastet werden. Zumal sie keine Tests aus dem Ärmel zaubern können.

Vor allem können Kinderärzte einer Mutter oder einem Vater, die (geimpft, aber ungetestet) mit einem weinenden Zweijährigen auf dem Arm vor der Praxis stehen, nicht den Einlass verweigern. Da frage ich mich allen Ernstes, ob diejenigen, die solche Gesetze erlassen, jemals selbst beim Kinderarzt waren.

Oder ob sie vielleicht mal dringend einen Arzt aufsuchen sollten…

Über die Autorin
Redakteurin
Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus

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