Corona-Impfung für Schwangere

Chefarzt zur Impfung bei Schwangeren: „Macht es! Unbedingt!“

Schwangere Frauen sind oft unsicher, ob sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen sollten. Doch es gibt immer mehr schwere Verläufe und Todesfälle. Wir haben mit einem Chefarzt gesprochen.

Eine schwangere Frau stirbt am 20. August im Klinikum Dortmund am Coronavirus – nachdem Ärzte ihr Baby kurz zuvor per Kaiserschnitt zur Welt gebracht haben. Aus dem Impfzentrum Unna meldet sich der leitende Impfarzt und erzählt von weiteren Todesfällen bei Schwangeren. Der Chef der Dortmunder Frauenklinik Prof. Dr. Thomas Schwenzer und der Leiter des Impfzentrums Stephan Spanke appellieren an Schwangere, sich unbedingt impfen zu lassen.

Kurz darauf sprechen wir mit einer Mutter, die sich in der 16. Schwangerschaftswoche hat impfen lassen. Und die gerade sehr erleichtert ist über den Impfschutz. Noch am gleichen Tag meldet sich eine weitere Schwangere. Auch sie ist geimpft, muss sich aber Vorwürfe aus dem Bekanntenkreis anhören. Weil eine Impfung das Baby gefährden könnte.

Chefarzt: „Es gibt keinen Grund, Schwangere nicht zu impfen.“

In den Gesprächen mit den Frauen und einer Hebamme kommt der Eindruck auf, dass Gynäkologen bei der Impfempfehlung noch häufig zögern. Woran das liegen kann, hat Dr. Michael Hartmann erklärt. Er ist Chefarzt der Frauenklinik im Marienkrankenhaus in Schwerte. Und sagt: „Es gibt keinen Grund, Schwangere nicht zu impfen!“

Der 58-Jährige weiß, dass die Verunsicherung bei Frauen gerade groß ist. Auch mancher Arzt scheue sich davor, eine Impfung zu empfehlen. „Die Ständige Impfkommission ist leider in der Pandemie sehr vorsichtig. Das verunsichert die Menschen“, sagt Hartmann.

Mittlerweile gibt es ausreichende Datenmengen

Der Chefarzt glaubt allerdings, dass man inzwischen „reichlich“ Datenmaterial habe, aus den USA beispielsweise. Aber auch das Register der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe biete ausreichende Zahlen. Dr. Hartmann: „Es gibt darin keinen Ansatz, warum Impfstoffe gefährlich sein sollten. Und keine Daten, die besagen, dass ein ungeborenes Kind durch eine Impfung gefährdet wäre.“

Die oft gefürchteten Impf-Nebenwirkungen seien Reaktionen des Immunsystems auf den Impfstoff. „Wenn jemand auf eine Impfung heftiger reagiert – wie würde das Immunsystem dann erst bei einer Erkrankung mit Covid reagieren?“

Hausärzte und Gynäkologen sollten sich kurzschließen

Natürlich impfe nicht jeder Gynäkologe selbst – allein aus dem organisatorischen Grund, dass in Hausarztpraxen größere Mengen Impfstoff bestellt und verimpft werden können. Wenn der Hausarzt die Verantwortung für eine Impfung nicht übernehmen wolle, könne die Patientin eine Empfehlung vom Gynäkologen mitbringen.

Der Chefarzt sieht Hausärzte und Gynäkologen in der Pflicht, es den Schwangeren möglichst leichtzumachen. „Da kann man sich kurzschließen, man kennt sich doch untereinander.“ Haftungsrechtlich sei eine Corona-Impfung gar kein Problem. „Es gibt eine klare Impf-Empfehlung unserer Fachgesellschaft.“

„Kein Problem ab der zwölften Woche“

Und wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Impfung? „In den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft sind wir noch sehr zurückhaltend. Aber danach sehe ich eigentlich kein Problem. Ich erwarte keine Impfschäden.“

Der Fall der jungen Frau, die im Klinikum Dortmund gestorben ist, trifft Dr. Michael Hartmann auch. „Dass eine 25-Jährige stirbt – meine Güte. Es ist einfach wichtig, sich impfen zu lassen.“ Und er schließt sich dem Appell der Kollegen aus Dortmund und Unna an. „Ja! Macht es! Unbedingt!“

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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus