Corona an Gesamtschule: Alle Tests negativ – Kreis hielt Ergebnisse erst zurück

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Großes Aufatmen an der Gesamtschule Gänsewinkel: Die Corona-Tests von 200 Schülern und 16 Lehrer sind negativ. Einzelne Ergebnisse gab es zwar schon früher, doch der Kreis hielt sie zurück.

Schwerte

, 05.10.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mir ist echt ein Stein vom Herzen gefallen“, erklärte Jürgen Priggemeier am Montagabend gegen 18 Uhr. Tagelang hatte der Schulleiter der städtischen Gesamtschule am Gänsewinkel ebenso gebangt wie Hunderte Schüler, Lehrer und Eltern.

Fast eine Woche war es her, dass große Aufregung in die Schulgemeinde kam: Zwei Schüler waren positiv auf das Corona-Virus getestet – eine Info, die am Dienstagmorgen am Gänsewinkel auflief. Betroffen: ein Schüler aus Klasse 7, einer aus Klasse 10.

200 Schüler, 16 Lehrer und der Chef sofort nach Hause geschickt

Die sofortige Folge: Eine siebte Klasse und der komplette zehnte Jahrgang wurden nach Hause geschickt. Rund 200 der insgesamt 950 Schüler also, zudem alle Lehrer, die Kontakt zu den Infizierten hatten, die sich im Unterricht in denselben Räumen befunden hatten: 16 Lehrer plus Schulleiter Priggemeier, der in einer der betroffenen Klassen hospitierte hatte.

Anders gesagt: Jeder fünfte Lehrer fehlte von jetzt auf gleich und sollte sich in 14-tägige Quarantäne begeben, also vor den Herbstferien auch nicht zurückkehren.

Der Kreis handelte schnell, rückte am Mittwoch zum Massentest aus und nahm Proben von allen Schülern, Lehrern und anderen Kräften, die sich hätten anstecken können.

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Entwarnung erst am Montagabend: alle Tests negativ

Dann aber begann das Warten auf die Ergebnisse. Vor dem Wochenende wurde es nichts, am Samstag und Sonntag auch nicht. „Obwohl ich immer wieder Kontakt zum Gesundheitsamt hatte“, wie Priggemeier lobend erwähnte: „Man hat sich dort wirklich bemüht, das kann man nicht anders sagen.“

Erst am Montagabend kam die Entwarnung: Alle Tests negativ, alle mehr als 200 Fälle.

Kreis hielt die Teil-Ergebnisse aus gutem Grund zurück

Ein Teil der Ergebnisse hatte natürlich schon vor Montagabend vorgelegen. Doch das Gesundheitsamt hielt die Ergebnisse zunächst zurück. Und dafür habe man auch einen guten Grund, wie Max Rolke, Sprecher des Kreises Unna, schon am Montagnachmittag erläutert hatte.

Man wolle in solchen Fällen der Sorglosigkeit vorbeugen. Was das heißen soll, verdeutlicht ein Beispiel: An einer Schule gibt es 150 Corona-Tests. Irgendwann weiß man, dass 140 negativ sind, und kommuniziert das auch so an die Betroffenen und die Schule.

Sorge vor Sorglosigkeit und neuen Infektionsketten

Was vermutlich passieren wird: Die Quarantäne wird nicht mehr ganz so ernst genommen. Dabei bedeutet ein negativer Test nicht zwingend, dass die Person nicht mit Covid-19 infiziert ist. Es kann auch einfach ein Testfehler sein, oder der Test ist zu kurz nach der Infektion gemacht worden, als dass man das Virus nachweisen kann.

Um in diesem Gedankenspiel zu bleiben: Unter den letzten 10 der 150 Tests sind aber 5 positive. Das ändert rückwirkend das Infektionsrisiko der Betroffenen. Plötzlich ist nicht mehr komplett Entwarnung. Stattdessen muss man die Wahrscheinlichkeit neuer Infektionsketten ins Auge fassen.

Durch die Sorglosigkeit könnte sich das das Virus aber schon weiter verbreitet haben. Insofern sagt auch Priggemeier: „Es macht nur Sinn, das Ergebnis komplett weiterzugeben.“ Auch wenn das natürlich für alle Betroffenen eine Geduldsprobe sei.

Schulleiter Jürgen Priggemeier beim Coronatest in der Turnhalle der Gesamtschule am Gänsewinkel.

Schulleiter Jürgen Priggemeier beim Coronatest in der Turnhalle der Gesamtschule am Gänsewinkel. © Heiko Mühlbauer

Schulleiter Priggemeier darf zum Gänsewinkel zurück

Priggemeier jedenfalls darf am Dienstag im Gegensatz zu den allermeisten anderen Betroffenen wieder zurück in die Schule und muss seine Quarantäne nicht bis zu den Herbstferien ausdehnen. Das sei mit dem Gesundheitsamt so abgesprochen. Die Entscheidung, ob ein Lehrer zurückdürfe, werde im Einzelfall abgewogen.

Über Langeweile wird sich der Chef der Gesamtschule aber auch am Dienstag nicht beklagen können. Nicht nur, dass sicherlich das eine oder andere Thema aufgelaufen ist. „Morgen geht es auch direkt weiter mit Einstellungsgesprächen“, verriet Priggemeier am Montagabend.

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