Corona-Folge: In der JVA Schwerte ist es so leer wie seit Jahren nicht

rnReaktion auf Covid-19

So leer ist es in der JVA in Schwerte-Ergste seit Jahren nicht gewesen. Als Reaktion auf Corona wurden einige Inhaftierte nach Hause geschickt. Andere dürfen einfach später kommen.

Schwerte

, 10.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Exakt 351 Plätze gibt es in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Ergste, doch viele sind seit Wochen leer. Einer von sieben ist es in etwa.

„Aktuell haben wir seit Wochen nur um die 300. Das hat unterschiedliche Ursachen“, erläutert JVA-Pressesprecher Sebastian Markus. Allerdings: Alles hänge mit Corona zusammen.

Frisch verurteilt? Noch nicht sofort in die JVA

Da gebe es beispielsweise eine Anweisung an die Staatsanwaltschaft, die das NRW-Justizministerium im Frühjahr herausgegeben habe: „Die Staatsanwaltschaften waren angewiesen, keine neuen Vollstreckungen anzuweisen“, so Markus.

Wenn jemand in Deutschland vom Gericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird, bedeutet das ja nicht unbedingt: sofort im Saal abführen, vielleicht sogar Handschellen an, mitkommen in den Knast. So läuft es höchstens nach schlimmen Straftaten, oft nach Gewalttaten, wenn Gefahr für die Öffentlichkeit bestünde oder wenn man davon ausgehen könnte, da tauche jemand unter oder setze sich ins Ausland ab.

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Ansonsten geht der Verurteilte nach Hause und bekommt später ein Schreiben der Staatsanwaltschaften: Bitte melden Sie sich innerhalb der nächsten zwei Wochen bei dieser JVA und treten Ihre Haft an.

Und wenn nicht? „Das ist dann ähnlich wie bei einem Verdächtigen“, erläutert Markus. Wenn jemand nicht komme, „geht die Fahndung raus und die Polizei nimmt ihn fest.“ Doch im Regelfall klappe das schon.

Hände desinfizieren. Das galt in der JVA Schwerte schon vor Corona. Doch jetzt ist es noch wichtiger geworden.

Hände desinfizieren. Das galt in der JVA Schwerte schon vor Corona. Doch jetzt ist es noch wichtiger geworden. © Markus/JVA Schwerte

Baldiges Haft-Ende? In elf Fällen gab es eine Pause

Im ersten Halbjahr 2020 gab es in Ergste also wenige Neue, dafür durften andere zeitweise raus. Wer seine Haft normalerweise zwischen März und Juli 2020 abgesessen hätte, bekam eine Pause in Freiheit, muss die Zeit in der JVA dann aber nachholen.

„Insgesamt 11 Gefangene haben die Strafunterbrechung bekommen“, sagt Markus: „Gewalt- und Sexualstraftäter sind aber per se ausgenommen – ebenso Gefangene, die während der Haft aufgefallen sind, durch Gewalt etwa. Oder wenn eine Flucht wahrscheinlich ist.“

Die Staatsanwaltschaft werde diese Männer „zu gegebener Zeit wieder laden“, so Markus weiter.

In den offenen Vollzug? Das lief weiter

Ein weiterer Grund, warum es vergleichsweise leer ist: „Gleichzeitig sind unsere Verlegungen weitergelaufen, zum Beispiel zum offenen Vollzug oder in sozialtherapeutische Einrichtungen.“

Diejenigen, die irgendwann zurückkommen für den Rest der Strafe, müssen übrigens in eine spezielle Abteilung. Ähnlich wie in Krankenhäusern gilt: Wer reinkommt, gilt als potenzieller Corona-Fall und muss isoliert werden. Zumindest so lange, bis ein negativer Test vorliegt.

Ein Mitarbeiter mit Corona ist immer noch nicht zurück

Denn dass Corona in der JVA rasch große Auswirkungen haben kann, ist bekannt. Im Frühjahr waren zwei Mitarbeiter an Corona erkrankt. Einer hatte einen milden Verlauf. Der andere indes war auch Monate später noch nicht wieder im Dienst, sondern in der Reha.

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