Nur rund drei Jahre sollte der Superblitzer ursprünglich auf der A45 in Richtung Frankfurt vor der Baustelle Lennetalbrücke stehen. Am Ende blieb er doppelt so lange. © Reinhard Schmitz (A)
Sauerlandlinie

Das Ende des Superblitzers an der A45: Hagen verliert Millionen-Quelle

Erst glaubte die Stadt Hagen, nicht mal die Anschaffung bezahlen zu können. Dann brachte ihr der Superblitzer an der A45 eine Million nach der anderen ein. Jetzt hat er seine Aufgabe erfüllt.

Wie ein Sechser im Lotto war der Superblitzer knapp hinter der Stadtgrenze für die Stadt Hagen. Die Fotos, die er von Temposündern auf der Autobahn A45 vor der Baustelle der Lennetalbrücke schoss, füllten Kasse der Bußgeldstelle mehr als fett.

Seit Juli 2015 hatten sie der Nachbarstadt Einnahmen in Höhe von rund 14,6 Millionen Euro beschert, wie Pressesprecherin Clara Treude berichtet. Mit der Fertigstellung der Brücke fehlt diese üppige Einnahmequelle. Am 22. Juni wurde die Überwachungsanlage abgeschaltet und wieder abgebaut.

Die Anlage wurde von einer privaten Firma betrieben

Bescheiden hatte der Rat der Stadt Hagen lediglich mit einer Million Euro kalkuliert, als er seinerzeit den Bau des Superblitzers beschlossen hatte. Weil man glaubte, das Geld für die Investition nicht selbst aufbringen zu können, sollte er von einer privaten Firma aufgebaut und betrieben werden.

Den Zuschlag erhielt nach einer Ausschreibung die Firma Jenoptik in Monheim. Lediglich das Kassieren wollte die Stadtverwaltung selbst in die Hand nehmen und stockte dafür vorsorglich bereits das Personal im Ordnungsamt auf.

Die Blitzeranlage erfasste jeden Temposünder auf der A45 in Hagen: Auf dem Mittelstreifen wachte eine Batterie von vier Blitzkästen, zwei weitere waren am rechten Seitenstreifen postiert.
Die Blitzeranlage erfasste jeden Temposünder auf der A45 in Hagen: Auf dem Mittelstreifen wachte eine Batterie von vier Blitzkästen, zwei weitere waren am rechten Seitenstreifen postiert. © Reinhard Schmitz (A) © Reinhard Schmitz (A)

Für die Sicherheit des Verkehrs sollte der Superblitzer natürlich auch sorgen, als er im Frühjahr 2015 rund 800 Meter hinter der Schwerter Stadtgrenze montiert wurde. Wegen des Neubaus der anschließenden, maroden Lennetalbrücke war auf diesem leicht abschüssigen Abschnitt die Höchstgeschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer beschränkt worden.

Kontrolliert wurde die Einhaltung durch sogenannte Piezosensoren, die in die Fahrbahndecke eingelassen wurden – und zwar auf allen drei Fahrspuren.

Der schnellste Raser wurde mit Tempo 172 geblitzt

„Die präventive Maßnahme der Geschwindigkeitsüberwachung zur Unfallvermeidung zieht über den gesamten Zeitraum eine durchweg positive Bilanz“, erklärt Clara Treude. Als Spitzenreiter in der Raser-Statistik habe sich der Fahrer einen Audis verewigt, bei dem 172 Stundenkilometer gemessen wurden – also 92 Stundenkilometer mehr als erlaubt.

Die meisten Temposünder wurden im August 2015 ertappt, als die Anlage noch relativ neu und nicht bei allen bekannt war. Rund 24.900 Verstöße wurde in jenem Urlaubsmonat geahndet. Bei den einzelnen Tagen lag schon vorher der 17. Juli 2015 vorn, als die Kameras 1.900 Mal auslösten.

In Hagen sind trotzdem 34 Starenkästen geblieben

Nach fast genau sechs Jahren hat der Superblitzer jetzt seine Aufgabe, die Baustelle an der Lennetalbrücke in Fahrtrichtung Frankfurt zu sichern, erfüllt und konnte abgebaut werden.

Mit Starenkästen bleibt die Stadt Hagen trotzdem reichlich gesegnet. 34 stationäre Anlagen zur Geschwindigkeitsüberwachung listet ihre Internetseite auf – an manchen Straßen stehen gleich drei hintereinander. Dazu können überall die mobilen Radarteams kontrollieren.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz