Das ist die gute Fee der Heideschule in Schwerte

Hausmeisterin Nicole Wiegers

Wer ölt die knarrende Tür? Wer findet die verlorene Kinderjacke? Wer ist der Kummerkasten bei Käbbeleien? Die Hausmeisterin. „Für alles, was nicht mit Unterricht zu tun hat“, sei sie an der Heideschule in Schwerte zuständig, sagt Nicole Wiegers. Gerade deshalb liebt sie den Job, auf den sie nur über einen Zufall kam.

SCHWERTERHEIDE

, 02.09.2017, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich freue mich jeden Tag darauf, zur Arbeit zu kommen“, sagt die 47-Jährige. Mit einem Lachen, das ihre Aussage mehr als unterstreicht. Immer noch dankbar ist sie der wackligen Backofentür. Sie war der Zufall, der ihr den Weg in den Traumjob öffnete.

Das war vor knapp vier Jahren, als Nicole Wiegers freiwillig in der Klasse ihres Sohnes Leo mithalf, Weihnachtsplätzchen zu backen. Wegen des Malheurs an dem Herd wurde die damalige Hausmeisterin mit dem Akkuschrauber zu Hilfe gerufen. „Das wäre auch ein Job für uns“, entfuhr es Nicole Wiegers und einer anderen Mutter. „Dann bewerbt euch doch. Ich gehe in den Ruhestand“, riet die Vorgängerin.

Hausmeister? Nur nach handwerklicher Ausbildung

Gesagt, getan. Als gelernte Raumausstatterin erfüllte Nicole Wiegers die Voraussetzungen. Jeder Hausmeister bei der Stadt muss eine handwerkliche Ausbildung vorweisen, um kleinere Reparaturen selbst erledigen zu können: „Man sollte wissen, wie man mit dem Hammer oder mit der Bohrmaschine umgeht.“

Bei größeren Schäden oder bei Arbeiten beispielsweise an der Elektro- und Wasserinstallation werden natürlich Fachhandwerker bestellt. Auch schon mal mit einem Foto über Whatsapp, damit sich die Fachleute gleich ein Bild machen und die richtigen Ersatzteile mitbringen können.

Grundreinigung im Sommer - Liebesbriefchen tauchen auf

Auch in den Sommerferien hatte Nicole Wiegers genug zu tun. Da gab es die jährliche Grundreinigung in den Klassenräumen: „Alles, was beweglich ist, kommt raus“, um den Boden mit Intensivreiniger und Versiegelung wieder glänzend und schmutzabweisend zu machen.

Gründlich abgewischt werden Tische und Schränke, hinter denen nicht nur Kugelschreiber und Radiergummis ans Tageslicht kommen. „Kleine Liebesbriefchen findet man überall“, verrät die Hausmeisterin: „Ab dem zweiten Halbjahr der 3. Klasse geht das los.“ Einmal entdeckte sie sogar den Klassiker. Die Botschaft mit dem Herzchen war – zum Glück nur mit Bleistift – auf der Toilettenwand verewigt. Denn der verliebte Junge war schnell ertappt und musste alles selbst wieder wegwischen: „Ich kannte die Schrift.“

"Ich habe hier ein Heimspiel"

So ist das an einer kleinen Schule mit rund 200 Schülern, an der es überschaubar zugeht. „Das ist das Schöne“, sagt Nicole Wiegers. Mit dem vielen Grünflächen zum Toben drumherum und dem großen überdachten Pausenhof sei es ein Paradies für Kinder. Das weiß sie aus ihrer eigenen Jugend, als sie selbst in dem Gebäude an der Heidestraße 77 Rechnen, Schreiben und Lesen gelernt hat: „Ich habe hier ein Heimspiel. Deswegen bin ich auch so glücklich, dass ich die Stelle hier gekriegt habe.“

Sohn Leo (11) folgte ihr, hatte später sogar noch dieselbe Lehrerin. Und war stolz, dass seine Mama Hausmeisterin war. Nur eins gefiel ihm nicht so ganz: „Ich habe viele Sachen mitgekriegt, die andere Eltern nicht mitkriegen“, sagt Nicole Wiegers. Davor hat der Elfjährige Ruhe, seit er auf die weiterführende Schule gewechselt ist. Die Entwicklung der Kinder kann die Hausmeisterin ganz genau verfolgen.

Von den schüchternen i-Männchen, die sie an der Hand durchs Gebäude führt, bis zu den „großen“ Viertklässlern, die sich ein Jahr lang ganz stark fühlen können.

Dann ist es für die meisten uncool, das Milchfrühstück bei Nicole Wiegers zu bestellen. In der ersten Klasse genießen dagegen noch alle Milch, Kakao oder Vanillemilch. Zwei Schüler, der Kakaodienst, holen das gesunde Getränk in der Pause für alle aus dem Milchschrank. In Glasflaschen, der Umwelt zuliebe.

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