Das sagen Schwerter Experten zu Veggie-Gerichten

Fleischfreies aus der Mikrowelle

Fleischfrei heißt nicht gleich gesund, gerade wenn es um Fertiggerichte geht. Die Zeitschrift Öko-Test hat 22 vegetarische und vegane Produkte unter die Lupe genommen und präsentiert alarmierende Ergebnisse. Doch sind Sojaschnitzel aus der Packung, Tiefkühlpizzen und Mikrowellennudeln wirklich so schädlich, wie behauptet?

SCHWERTE

, 28.07.2016, 14:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Geschmack ist befriedigend, die Zubereitung kinderleicht, und die Produkte sind günstig. Doch manche vegetarische und vegane Fertigprodukte könnten eine Kehrseite haben, die alles andere als gesund für den Körper ist. Die Zeitschrift „Öko-Test“ hat nun 22 Fleischersatzprodukte getestet – auf Geschmack, Fett-, Salz- und Schadstoffgehalt. Einzig das „Gut Bio Sojaschnitzel“ von Aldi Nord hat mit der Note „gut“ abgeschnitten. Die restlichen 21 Produkte wurden zur Hälfte mit „mangelhaft“ oder gar „ungenügend“ bewertet.

Hauptkritikpunkt der Beurteilung ist die hohe Belastung mit sogenannten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH). Laut Öko-Test könnten sich diese im Körper anreichern. Sie stünden im Verdacht, Organschäden zu verursachen. Besonders viel MOSH wurde in den vegetarischen Bratwürstchen der Marken „Taifun“ und „Tofutown“ entdeckt. Auch die enthaltenen Aromen, den hohen Salzgehalt sowie glutamathaltige Zusätze wie Hefeextrakt und Würze kritisiert die Zeitschrift. Jedoch gibt der Test keine vollständigen Auskünfte darüber, welche Supermärkte untersucht worden sind.

Die richtige Menge

Die Diabetesberaterin Constanze Fürll hält die Testergebnisse weder für aussagekräftig, noch für alarmierend: „Die Menge macht immer das Gift“, meint sie und nimmt damit auch die Konsumenten in die Verantwortung. Vor allem bei jungen Menschen gehe der Trend in Richtung fleischfreie Ernährung. „Fertigprodukte müssen kritisch betrachtet werden“, mahnt Fürll. Jedoch solle man nicht vergessen, dass dies auch für fleischhaltige Produkte gelte. Für die vegetarische Ernährung hat sie nur einen Tipp parat: selbst frisch zu kochen.

Bei aller Kritik warnt ihr Chef, Ärztesprecher Michael Herr, jedoch vor einer Verteufelung: „Die Fertiggerichte sind immer noch besser als eine Currywurst mit Pommes“, sagt der Allgemeinmediziner. Die Masse an Fett sei besonders gesundheitsschädlich.

Supermarkt vs. Reformhaus

Christopher Riedel von der Gruppe „vegan in Schwerte“ meint, man solle vegetarische Fertigprodukte nicht pauschal aburteilen: „Es gibt so viele unterschiedliche Produkte“, erklärt er. „Im Discounter gibt es zum Beispiel andere als im Bioladen.“ Ab und zu kaufe er auch Fertiggerichte, denn geschmacklich hätten die sich wesentlich verbessert. „Damals gab es nicht viele, und die meisten schmeckten scheußlich“, erinnert er sich an seine veganen Anfänge. Mittlerweile hat der langjährige Vegetarier sogar ein Rezept für vegane Schnitzel entwickelt. Dafür verwendet er Seitan, ein fleischähnliches Produkt aus Weizeneiweiß. Und seine Fertiggerichte besorgt er sich nur im Reformhaus.  

Weitere Ergebnisse des Öko-Tests

  • Weniger Fett haben die vegetarischen Fertigprodukte nicht, jedoch eine bessere Fettqualität.
  • Eisen wird den Produkten auch oft zugesetzt. Zuviel führt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Zwei gentechnisch veränderte Sojasorten wurden in Real- und Lidl-Produkten nachgewiesen.
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