Das sind die Pläne für das alte FAB-Gelände

Freizeit - und Allwetterbad

Zur Zukunft des Geländes des ehemaligen Freizeit- und Allwetterbades (FAB) in Schwerte haben sich nach den Grünen nun auch CDU und FDP positioniert. Sie wollen zusätzlich zu Wohnungen dort einen Lebensmittelmarkt ansiedeln. Und zwar auf dem Sportplatz Schützenhof. Wie die Pläne der Fraktionen aussehen, erfahren Sie hier.

SCHWERTE

, 20.06.2017, 17:58 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das sind die Pläne für das alte FAB-Gelände

Ein Luftbild von dem Gelände aus dem Jahr 2014.

CDU und FDP haben nun eine einen Plan für das ehemalige Gelände des Freizeit- und Allwetterbades (FAB) vorgestellt: eine Drittel-Lösung für das gesamte Gelände am Schützenhof. Nördlich des Mühlenstrangs sollen Wohnungen und Eigenheime gebaut werden. „Wir stellen uns da einen Mix aus Miet-, Sozial- und Eigentumswohnungsbau vor“, so Fraktions-Vorsitzender Marco Kordt. Den Plänen der Linken, das Gelände sofort mit Sozialwohnungen zu bebauen, erteilte er eine Absage.

Naherholungswert des Geländes soll erhalten bleiben

Die Bereiche südlich des Mühlenstrangs sollen der Natur gehören. „Eine Renaturierung des Mühlenstrangs wäre ein gelungener Übergang zum Wasserschutzgebiet und ein großer Beitrag zum Naturschutz in unserer Stadt“, heißt es in der Stellungnahme, der CDU-Fraktion und der FDP-Ratsfrau Renate Goeke. Denn der Naherholungswert des Geländes solle auf jeden Fall erhalten bleiben.

Das größte Konfliktpotenzial bieten aber die Pläne, auch den Sportplatz zu überplanen. Und zwar für einen Supermarkt mit Vollsortiment in Ergänzung zum benachbarten Lidl.

Das Gelände gehört zwar der Stadt, ist aber seit 2011 per Nutzungs- und Überlassungsvertrag dem Verein überlassen worden. „Der Vertrag könnte aber mit sechs Monaten Vorlauf jährlich gekündigt werden“, erklärte Stadtsprecher Alexander Nähle am Dienstag auf Anfrage.

Der Verein war von den Plänen am Dienstag merklich überrascht. Man habe zwar miteinander gesprochen, doch von der jetzt vorgestellten Idee habe man so noch nichts gehört. „Es wäre gut, wenn wir miteinander und nicht übereinander sprechen“, betonte der Wirtschaftsvorstand des VfL, Bernd Arnhold, den die Redaktion in seinem Urlaub erreichte.

CDU hält vom Aufrüsten des Sportplatzes wenig

Der VfL hatte bereits bei der ersten Diskussion um das Gelände Pläne vorgelegt, wie man gemeinsam mit der GWG dort eine Wohnbebauung errichten und den Sportplatz aufrüsten könnte. Vom Aufrüsten hält man bei der CDU allerdings wenig. „Die Vorstellung des VfL ist das eine und die Realität das andere“, erklärte Kordt daraufhin angesprochen. Er regte an: Die Fußballvereine, von denen es ja vielen nicht gut gehe, müssten kooperieren.

Zuvor hatten die Grünen Pläne für das ehemalige FAB-Gelände geäußert. Ihre Doppel-Lösung: Die Hälfte der Siedlung als Sozialwohnungen errichten, die Hälfte des Grundstücks als Grün- und Blühfläche erhalten. Das sind die Zauberworte, die die Grünen dazu bewegen könnten, einer Bebauung auf dem Gelände des früheren Freizeit-Allwetterbads (FAB) doch zuzustimmen.

„Das sind die Aspekte, die die Waagschale in Bewegung bringen“, sagte Fraktionsvorsitzende Andrea Hosang. Mit den Informationen, die sie und ihre Ratskollegen Anfang Juni bei einem Ortstermin mit Stadtplaner Adrian Mork gewonnen haben, wolle man jetzt in die interne Diskussion gehen: „Es wird nicht leicht fallen.“ Denn durch das Projekt, das die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) plant, würden ja weitere Flächen versiegelt.

"Grünen wollten die Grünzone am Mühlenstrang erhalten"

Vor vier Jahren hatten die Grünen noch zu den Fraktionen gehört, die einen ähnlichen Vorstoß der GWG zu Fall brachten. „Die Grünen wollten die Grünzone am Mühlenstrang erhalten“, erinnerte Mork. Damals sei auch ein konkurrierendes Projekt, unter dem Namen „Fantasy Spa“ ein neues Spaßbad zu bauen, abgelehnt worden.

Jetzt hat die GWG ihr Vorhaben in veränderter Form erneut aus der Schublade gezogen. „Sie möchte das Grundstück von der Stadt kaufen für den Bau von 100 Wohneinheiten“, berichtete Mork. Die Hälfte davon solle im öffentlich geförderten Wohnungsbau entstehen. Vorgesehen seien Dreigeschosser mit zusätzlichem Staffelgeschoss.

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Die Häuser sollen auf dem Grundstück an der Schützenstraße nur bis zu den Bäumen im Hintergrund reichen. „Der parkähnliche Charakter bleibt unangetastet“, sagte Mork für die weitere Fläche. Die Baumreihe entspreche ungefähr der Hochwasserlinie, hinter der eine Bebauung ausgeschlossen sei. Das Gelände muss zum Hochwasserschutz als Überflutungsfläche freigehalten bleiben.

Als Ausgleichsfläche die Liegewiese kaufen

Ein weiteres „Zückerchen“ hatte Mork noch von der GWG zu vermelden: Sie wolle als Ausgleichsfläche auch die Liegewiese jenseits des Mühlenstrangs kaufen und den dort bislang schnurgerade verlaufenden Bach renaturieren. „Das gehört in den Kanon der Ausgleichsmaßnahmen, die die GWG finanzieren muss“, erklärte der Stadtplaner, der bis zum Baustart mit einer anderthalbjährigen Planungsphase rechnete.

Andrea Hosang gab ihm noch den Wunsch mit, die Grünflächen nicht zu einem sterilen Park werden zu lassen. Der Artenreichtum müsse erhalten bleiben.

Stadt muss noch bis 2030 für FAB-Schulden zahlen
-Das Freizeit- und Allwetterbad (FAB) wurde am 18. Dezember 1993 auf dem Gelände des zuvor abgerissenen Freibads Schützenhof an der Schützenstraße eröffnet.
-Ob das Konzept oder Misswirtschaft das Projekt in den Ruin trieb, wurde nie geklärt.
-Schon 2009 wurde das defizitäre Bad auf Beschluss des Rates hin wieder geschlossen.
-Der Steuerzahlerbund rügte das „Millionengrab Freizeitbad“.
-Ein Bürgerentscheid für den Erhalt scheiterte ebenso wie die Suche nach einem Käufer.
-Im Oktober 2013 begann der Abriss des Bades, der die Stadt weitere rund 400.000 Euro kostete.
- 2015 hatte der Rat beschlossen, die Fläche zu renaturieren.
- Ein Antrag der Wohnungsgenossenschaft GWG, dort Wohnungen zu bauen, wurde abgelehnt.
- Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle 2015/16 wollte man auf dem Areal Unterkünfte bauen. Nachdem weniger Flüchtlinge kamen, verwarf man den Plan wieder.
-Zinsen und Tilgung für das FAB-Abenteuer wird die Stadt noch bis 2030 zahlen müssen.

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