Das waren die Pläne für eine Schwerter Eisenbahn

Dampfzug zur Rohrmeisterei

Eine eigene Eisenbahn für Schwerte: Von Güterzügen, die bis zur Rohrmeisterei herunter dampften, träumte man vor 100 Jahren im Rathaus. Für die „Industriebahn Schwerte“ ließ die Stadt nicht nur Pläne zeichnen. Landvermesser steckten sogar schon Teile der vorgesehenen Strecke ab.

SCHWERTE

, 25.03.2017, 05:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das waren die Pläne für eine Schwerter Eisenbahn

So wäre die Schwerter Industriebahn zur Rohrmeisterei gestampft. Als Modell hat Herbert Kluge das unvollendete Projekt nachgebaut.

Wenn das künftige Gewerbegebiet im Wandhofener Bruch erschlossen wird, könnten die längst zugewucherten Grenzsteine wieder auftauchen. Sie markieren eine halbkreisförmige Kurve zwischen dem Hoesch-Werk und dem Ortsrand von Wandhofen. Dort hatte der eigenartige Zuschnitt der betroffenen Grundstücke auf alten Katasterkarten schon lange das Interesse des früheren Baudezernenten Herbert Kluge geweckt. Zusammen mit dem Eisenbahnfreund Wolfgang Güttler konnte er jetzt im Ruhrtalmuseum das Geheimnis lüften: Die Stadt wollte eine Industriebahn bauen lassen, um verschiedene städtische Betriebe an das Schienennetz der damaligen Reichsbahn anzuschließen.

Transport von Schweinen und Rindern

Material für das Wasserwerk (heute Rohrmeisterei) und den Bauhof (bis 2001 an der Liethstraße) sollten die Züge ohne Umladen auf Fuhrwerke heranschleppen. Genauso wie Schweine und Rinder für den früheren Schlachthof an der Liethstraße und Kohlen für das damalige Gaswerk auf dem angrenzenden Stadtwerke-Gelände. Privates Interesse signalisierte zudem die an der geplanten Trasse gelegene Bauunternehmung Stelbrink & Frage.

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Abzweigen sollte die Strecke nicht direkt aus dem Schwerter Güterbahnhof an der Ladestraße (heute: Margot-Röttger-Rath-Straße), sondern von der Werksbahn des Hoesch-Werks, das damals noch Eisenindustrie hieß. „Ich vermute, der Anschluss direkt an das Staatsbahngleis war juristisch zu kompliziert oder zu teuer“, sagt Kluge: „Oder die Staatsbahn wollte neben dem Anschluss an das Eisenindustriewerk keinen weiteren Anschluss.“

Fein säuberlich gezeichnete Pläne

Nachdem sie in dem weiten Bogen um das Hoesch-Gelände geführt wurden, hätten die Schienen schließlich die Hagener Straße kreuzen müssen – vielleicht sogar gesichert mit einer Schranke. Den genauen Verlauf zeigen fein säuberlich gezeichnete Pläne, die Stadtarchivarin Beate Schwietz für die Eisenbahnfreunde heraussuchte. Eines der Dokumente, etwas abgenutzt und voller Tintenkleckse, hat der Arnsberger Regierungspräsident am 23. April 1923 abgestempelt mit dem Hinweis: „Zur heutigen Genehmigungsverfügung.“ Baureif war damit wohl das Projekt, das die Stadt schon vorangetrieben hatte, während an den Fronten rund um Deutschland noch der Ersten Weltkrieg tobte.

Wie die historischen Akten beweisen, hatte das Rathaus im Jahre 1916 bereits seine Fühler nach anderen Städten ausgestreckt, um die rechtlichen Grundlagen für die Gründung einer Industriebahn auszuloten. In Briefen nach Gelsenkirchen und Köln, Frankfurt (Main) und Unna wurde beispielsweise um Informationen für die Grundstücksverträge im Bereich der Trasse oder für die Kreuzungen mit städtischen Straßen gebeten. Gleichzeitig wurde die Eisenindustrie (Hoesch) gefragt, unter welchen Bedingungen sie die Verbindung der Industriebahn mit ihrem Gleisanschluss erlaube.

Preise explodierten

Sogar nach den Materialkosten für den Bau erkundigten sich die Planer schon. Erhalten ist beispielsweise das Angebot einer Firma „Oxe, Auerbach & Co.“ aus Dortmund vom Oktober 1920 für eine nagelneue Rechtsweiche. Mit stolzen 32 500 Mark sollte das Abzweigestück auf eisernen Schwellen zu Buche schlagen. Und davon hätten für die verschiedenen Betriebs-Anschlüsse und Abstellgleise etliche verlegt werden müssen.

Die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg ließ die Preise für das Projekt explodieren. Da half es schließlich auch nichts mehr, dass der Stadt im September 1923 Zuschüsse aus der „kombinierten produktiven Erwerbslosenfürsorge“ bewilligt wurden. 150 Arbeitslose hätten damit beschäftigt werden können. Doch der Bau der Gleise sollte inzwischen schon 24 Milliarden Mark verschlingen. „Die Weltwirtschaftskrise ist wahrscheinlich der Grund für den Nichtbau der Bahn“, sagt Herbert Kluge. 

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