Das Welttheater der Straße wird in der Ferne mehr geschätzt als daheim

Kultureller Jahresempfang

Eine kleine Stadt mit einem großen Kulturangebot: Beim Jahresempfang ließ sich die Schwerter Kulturszene von ganz viel Lob für 2019 motivieren. Und bewies Rhythmusgefühl.

Schwerte

, 20.01.2019, 15:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Welttheater der Straße wird in der Ferne mehr geschätzt als daheim

Der kulturelle Jahresempfang am Sonntagmorgen in der Rohrmeisterei. © Bernd Paulitschke

„Schwerte ist schon so etwas wie eine kleine Kulturhauptstadt.“ Das Lob von Holger Ehrich ging den meisten Gästen des kulturellen Jahresempfangs runter wie Öl. In der Rolle des „Neuen“ beim KuWeBe - Ehrich leitet seit einigen Monaten das Kulturbüro - sorgte der Experte in der Rohrmeisterei für den Perspektivwechsel und blickte einmal von außen auf die Schwerter Kultur.

Festival ist mehr als eine zweite Kirmes ohne Karussells

Das tat gut, denn er hatte eine Menge Lob zu verteilen: Zum Beispiel fürs Welttheater der Straße. „Ich habe manchmal das Gefühl“, schrieb er den Schwertern ins Stammbuch, „dass hier gar nicht allen klar ist, welche Relevanz dieses Festival bundesweit genießt. Viele halten das Festival wohl für eine zweite Kirmes ohne Karussells. Aber: Was Bayreuth für die Opernwelt ist und die Ruhrfestspiele Recklinghausen fürs Theater, ist Schwertes Welttheater für die Straßentheaterszene. Es ist sozusagen der Lamborghini unter den Straßentheaterfestivals.“

„Das Welttheater der Straße ist sozusagen der Lamborghini unter den Straßentheaterfestivals.“

Holger Ehrich

Mit diesem Pfund will er wuchern, schon ab Sonntagabend, wenn er bei der Interationalen Kulturbörse in Freiburg Kontakte pflegt und für Schwertes Welttheater wirbt.

KuWeBe war erstmals Ausrichter des Empfangs

Werbung für das rege Kulturleben in dieser Stadt machte beim Jahresempfang auch KuWeBe-Chef Matthias Hein. Er lobte vor allem die gute Vernetzung der überaus zahlreichen Kulturschaffenden.

Der Kultur- und Weiterbildungsbetrieb fungierte erstmals aus Ausrichter des Empfangs, zu dem bisher fünf Mal die Bürgerstiftung Rohrmeisterei, das Theater am Fluss, die Gemeinde St. Viktor und die Konzertgesellschaft eingeladen hatten. Diesmal also der KuWeBe, dessen Vorsitzender Matthias Hein Bürgermeister Dimitrios Axourgos für ein Grußwort begrüßen durfte.

Axourgos würde aus der Kultur gern eine Pflichtaufgabe machen

Auch der brach eine Lanze für die Kultur in dieser Stadt. Es sei bedauerlich, dass für die Kultur, ähnlich wie der Sport eine freiwillige Leistung der Gemeinde, in einer Stärkungspakt-Kommune viel zu wenig Mittel zur Verfügung stünden. Umso erfreulicher sei das große Engagement der Kulturschaffenden und ihrer Unterstützer. Namentlich genannt wurde in diesem Zusammenhang von Axourgos und Hein vor allem die Sparkassenstiftung, die die Lebensqualität dieser Stadt durch die Mitfinanzierung vielfältiger kultureller Angebote zu erhalten helfe.

Axourgos versprach zudem, dass die Debatte über die künftige Struktur des KuWeBe die im ersten Halbjahr 2019 auf der Grundlage eines Gutachtens in den politischen Gremien geführt werden soll, nicht Überhand über die Inhalte gewinnen soll. „Die werden immer im Vordergrund stehen“, rief er der versammelten städtischen Kulturszene zu. Zudem warb er für einen Besuch des Kleinkunstfestivals, das schon am Samstag, 26. Januar, mit dem „Concerto Humoroso“ des Konzertakrobaten-Duos „Gogol & Mäx“ in der Rohrmeisterei eröffnet wird.

Jugendzirkus RatzFatz schickte Nachwuchs-Artisten auf die Bühne

Kleinkunst-Nachwuchs hatte Holger Ehrich auf die Rohrmeisterei-Bühne geholt: Er selbst gehörte vor mehr als 20 Jahren in Bochum zu den Mitbegründern des Kinder- und Jugendzirkus RatzFatz, einem bekannten Jugendzirkusprojekt im Ruhrgebiet. Die Jugendlichen Matteo und Julian zeigten artistisches Können am Diabolo und erneten dafür viel Applaus.

Das Welttheater der Straße wird in der Ferne mehr geschätzt als daheim

Die D-Bunnies der Musikschule unterhielten musikalisch. © Bernd Paulitschke

Die Zeit bis zum von der Rohrmeisterei spendierten Buffett vertrieben die D-Bunnies der Musikschule im KuWeBe den Gästen mit flotten Rhythmen. Das Erwachsenen-Ensemble verordnete den Zuhörern Bewegung: Bei Joe Cocker, so der Bandleader, dürfe man nicht auf dem Stuhl sitzen bleiben. So kam dann doch Bewegung in die Kulturszene und geklatscht wurde zur Erleichterung der Musiker auf 2 und 4. Die Schwerter sind halt Kultur-Profis.

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