Dr. Reiner Labitzke wird 80: Der Erfinder unter den Chirurgen ist noch immer kreativ

rn Ex-Chefarzt des Evangelischen Krankenhauses Schwerte

Er baute die Chirurgie im Evangelischen Krankenhaus neu auf, er revolutionierte diverse Operationsverfahren und er könnte als 80-Jähriger den Ruhestand genießen. Aber das tut er nicht.

Schwerte

, 06.05.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Handbuch der Seilosteosynthesen“ ist der Titel des Buches, für das Prof. Dr. Reiner Labitzke 2011 mit der Strohmeyer-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie geehrt wurde. So sperrig der Titel so einflussreich war Labitzkes Arbeit. Indem er bei der Behandlung von Frakturen der Kniescheibe Drähte durch selbstentwickelte, mikrofeine Seile ersetzte, löste er ein seit 150 Jahren genutztes Heilverfahren ab.

Der 1939 in Niesky in der Oberlausitz geboren Rainer Labitzke hält insgesamt fünf Patente. Am Dienstag, 7. Mai, feiert er in Villigst seinen 80. Geburtstag. Dann ist er zur Abwechslung mal zuhause, denn obwohl er seit 15 Jahren nicht mehr operiert und auch nicht mehr an der Universität Witten Herdecke lehrt, hat er noch immer viel zu tun.

Vortragsreisen

Es sind vor allem Vortragsreisen, die seine Zeit in Anspruch nehmen. Dabei spricht er momentan vor allem über ein weiteres neues Heilverfahren, das er zusammen mit einer Firma aus Lennestadt entwickelt hat. Labitzke will bei der Operation von Arm- oder Beinbrüchen den Einsatz von Schrauben und Nägeln durch Metall-Federn ersetzen. Das soll Belastungen der Knochen nach der Operation erleichtern und die Heilung beschleunigen. Das CE-Prüfsiegel hat das Produkt bereits.

Mit diesem Ideenreichtum und seiner Beharrlichkeit schafft er den Sprung vom Kipper- und Raupenfahrer in der DDR zur Humboldt-Universität in Berlin, fand den Weg in die BRD und brachte schließlich medizinischen Glanz nach Schwerte.

Professor für Chirurgie

Bei Labitzkes 65. Geburtstag sagt der Schwerter Oberarzt Dr. Moritz Upmeyer: „1982 lag die Chirurgie im Evangelischen Krankenhaus am Boden.“ Den Schwertern gelang es, den Arzt, der damals schon Kandidat für die Chirurgie-Professur der im Aufbau befindlichen Uni Witten-Herdecke war, in die Ruhrstadt zu locken.

Mit einem Trick. Als Labitzke mit seiner Frau das Krankenhaus besuchte, wollte die erst gar nicht aussteigen, einen so schlechten Eindruck machte das Krankenhaus. Doch im Vorstellungsgespräch erfuhr er, dass fünf Millionen D-Mark bereit standen, um eine neue Chirurgie aufzubauen. Diese Herausforderung ließ sich Labitzke nicht nehmen. Er machte das Krankenhaus überregional bekannt.

Hobby Fliegerei

Nach 22 Jahren Tätigkeit in den beiden Berufen ging er 2004 in seinen „Un“-Ruhestand. Lange konnte er seinem Hobby, der Fliegerei, nachgehen. Erst vor anderthalb Jahren musste er das Fliegen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Das macht ihm überraschend nicht so viel aus, denn so hat er mehr Zeit für seine Ehe-Frau. Seit Rosenmontag ist er frisch verheiratet.

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