Der Fall Ahlers: Nach falscher Baugenehmigung soll eine Familie ihr Haus abreißen

rnJahresrückblick 2018

Was passiert eigentlich, wenn die Stadt eine Baugenehmigung erteilt, die ein Gericht als nicht rechtmäßig kassiert? Familie Ahlers hat es erfahren: Sie soll ihr Haus abreißen.

Schwerte

, 31.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei dieser Geschichte steht auf der einen Seite das geltende Gesetz und auf der anderen der gesunde Menschenverstand. Das Gesetz ist unnachgiebig und exakt. Sachverhalte sind geregelt: wenn A, dann B, ansonsten C. Und so lässt sich die Geschichte der Familie Ahlers und ihrem Haus auch auf verschiedene Arten erzählen.

Das Gesetz besagt: Ist eine Häuser-Reihe 50 Meter oder kürzer, muss sie eine Einheit bilden. Dann müssen alle einzelnen Häuser gleich aussehen. Ist eine Häuser-Reihe 51 Meter oder länger, kann man sich daran orientieren, was generell in der Siedlung üblich ist.

Häuserreihe ist rechtlich zu kurz

Die Häuser-Reihe, an dessen Ende Familie Ahlers vor einigen Jahren einzog, ist etwas kürzer als 50 Meter. Also ist es rechtlich völlig irrelevant, dass die meisten umliegenden Häuser zweieinhalbgeschossig sind. Denn die direkt angrenzenden Bungalows sind es nicht.

So hat es das Verwaltungsgericht entschieden, nachdem ein Nachbar gegen Ahlers‘ Ausbau auf mehrere Geschosse geklagt hatte. Die Stadt Schwerte hatte diesen Ausbau zwar genehmigt, aber gegen geltendes Recht, wie das Verwaltungsgericht entschied.


Fehler der Stadt wirkt sich auf das ganze Haus aus

Ein Fehler der Stadt? Ja, schon, aber die Folgen trägt Familie Ahlers. Ihre Baugenehmigung galt für das ganze Haus, weil auch im Erdgeschoss etwas geändert wurde. Und deshalb schickte die Stadt der Familie eine Verfügung: Das ganze Haus muss abgerissen werden – innerhalb von neun Monaten und auf Kosten der Familie, versteht sich. Selbst für das Schreiben, in dem der Abriss angeordnet wurde, mussten Ahlers einen dreistelligen Betrag bezahlen.

Soweit Recht und Gesetz.

Komplizierter wird es, wenn man fragt, wer was wann wusste und hätte machen können. Anfang 2012 kaufte die Familie das Gebäude. Im Dezember 2013 erhielten sie eine erste Baugenehmigung, den Bungalow aufzustocken. Schnell war klar: Der Nachbar will dagegen klagen. Man besserte nach und erhielt Ende Mai 2015 die endgültige Baugenehmigung. Ein amtlicher Bescheid also, gegen den man klagen kann wie gegen jeden amtlichen Bescheid. Was der Nachbar tat.

„Das Ganze kann uns finanziell ruinieren“

Die Stadt argumentiert nun so: Sie habe Familie Ahlers schon früh mitgeteilt, dass gegen die Genehmigung eine Klage eingegangen sei. Damit sei die Haftung auf die Ahlers übergegangen.

Die Familie wiederum behauptet, Mitarbeiter der Stadt hätten ihnen doch signalisiert, sie müssten sich keine Sorgen machen, da die Klage des Nachbarn sicher abgewiesen werde. Deshalb habe man weitergebaut.

„Das Ganze kann uns finanziell ruinieren“, sagt Andrea Ahlers. Denn die Kredite für das Haus müssen weiter bedient werden. Rund 200.000 Euro hat die Familie aufgenommen.

Ahlers kämpfen weiter um ihr Haus. Sie legten ihrerseits Klage ein gegen den Abriss-Bescheid, der nun ausgesetzt ist, bis das Gericht erneut entschieden hat. In der Zwischenzeit verhandelt die Familie mit dem Nachbarn und der Stadt, ob nicht irgendwie ein Rückbau oder Teil-Rückbau denkbar sein könnte. Der aktuelle Stand? Markus Ahlers sagt nur: „Wir verhandeln nicht-öffentlich.“ Zu groß ist die Sorge, erneut jemanden zu verärgern. Aber selbst das Gericht habe deutlich signalisiert: eine Einigung der Parteien sei normalerweise immer das Erstrebenswerteste.

Ansonsten müssten halt wieder Recht und Gesetz herhalten.

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