Der leerstehende Netto wird umgebaut - aber einkaufen kann man dort nie mehr

rnBahnhofstraße Schwerte

Vor zwei Jahren wurde der Netto in Schwerte-Mitte geschlossen. Der Hausbesitzer hat große Pläne mit dem Objekt. Noch im dritten Quartal sollen die Arbeiten starten - mit einem Teilabriss.

Schwerte

, 15.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geblieben ist nur die gelbe Banderole auf dem schmalen Vordach. Schon seit zwei Jahren ist der frühere Netto-City an der Bahnhofstraße geschlossen. Durch staubige Schaufenster fällt seitdem der Blick in die dunkle Tiefe einer leeren Säulenhalle. Nicht mehr lange. Denn der Großraum wird kein Ladenlokal mehr bleiben. Hauseigentümer Kemal Cakir, Geschäftsführer des Pflegezentrums Cakir in Bönen, will im Erdgeschoss eine Intensivpflege-Wohngemeinschaft (WG) einrichten. Die rückseitige Verlängerung des Verkaufsraums, der eingeschossige Anbau auf dem Hof zur Gasstraße, wird dazu nicht benötigt und abgerissen. Auf dem freiwerdenden Platz kann dann ein zusätzliches Wohnhaus hochgezogen werden.

Für Patienten mit künstlicher Beatmung

„Spätestens im dritten Quartal beginnt der Abriss des Flachbaus“, kündigt Cakir an. Noch in dieser Woche habe er mit der Baufirma gesprochen, in der vergangenen Woche mit dem Architekten. Vom Tisch sind damit zwischenzeitliche Überlegungen, das Objekt anderweitig zu vermieten. Mit der Intensivpflege-WG kehrt der Eigentümer zu seinem ursprünglichen Vorhaben zurück. Maximal sechs Plätze für Patienten, die durch chronische Lungenerkrankungen oder einen Unfall auf künstliche Beatmung angewiesen sind, sollen im Erdgeschoss entstehen: „Schön kuschelig, überschaubar.“ Die Schaufensterfront wird dafür natürlich verschwinden, dieser untere Bereich der Fassade neu gestaltet. Darüber soll die rote Klinkeroptik aber erhalten bleiben.

Der leerstehende Netto wird umgebaut - aber einkaufen kann man dort nie mehr

Der eingeschossige Anbau zur Gasstraße, der den Verkaufsraum von Netto vergrößerte, wird abgerissen. Das Hauptgebäude wird um zwei Etagen aufgestockt bis auf die Höhe der benachbarten Metzgerei. © Reinhard Schmitz

Am stärksten verändern wird sich die Ansicht von der Gasstraße, die derzeit noch von dem wenig ansehnlichen Anbau geprägt ist. „Der gesamte Eingangsbereich wird nach hinten verlegt mit Fahrstuhl“, berichtet Cakir. Das Hauptgebäude, das komplett renoviert werden soll, wird dann um zwei Stockwerke aufgestockt, sodass es auf die Höhe des Nachbarhauses mit der Metzgerei Wilkes kommt. Drei zusätzliche Wohneinheiten entstehen auf diese Weise, davon ein Penthaus. Weitere vier kleinere, barrierefreie Wohneinheiten für Alleinstehende oder Senioren wird der Neubau auf dem Hof bieten. Dort werden außerdem 14 Parkplätze für Mieter, Mitarbeiter und Angehörige der Patienten angelegt, denen ein selbstbestimmtes Wohnen geboten werden soll. Damit sie am Leben teilhaben können, werden die Pfleger auch mit ihnen spazieren gehen. Die Nähe zum Stadtpark und zur Fußgängerzone biete sich doch geradezu an, so Cakir.

Keine Leerstände mehr am Boulevard Bahnhofstraße

Cakir, der auf eine 20-jährige Erfahrung zurückblicken kann, betreut mit seinem Unternehmen bundesweit über 250 Patienten: „Unser Spezialgebiet ist die Intensivpflege.“ Mehr als 700 Mitarbeiter sind vorwiegend in der ambulanten Intensivpflege tätigt. Weitere Wohngemeinschaften gibt es in Lünen (8 Plätze), Duisburg ( 5 Plätze plus 2 Plätze für Kurzzeitpflege) und Bönen, wo sich die Einrichtung auf eine Größe von 12 Plätze hin entwickelt. Durch die frühere Nähe zu Kohlezechen gibt es hier besonders viele Patienten mit chronischen Lungenleiden.

In sein Projekt an der Bahnhofstraße 15 in Schwerte will Cakir nach eigenen Angaben knapp drei Millionen Euro investieren. Es schlägt ein neues Kapitel für das Gebäude auf, das schon als Großgaststätte „Zum Brauhaus“, später als Tengelmann-Supermarkt, dann als Plus- und schließlich als Netto-Filiale diente. Gleichzeitig verschwindet einer der letzten Leerstände, die nach der aufwendigen Umgestaltung der Straße zu einer Art Boulevard noch geblieben waren. Einen neuen Mieter suchen sonst nur noch die Räume des früheren Herrenausstatters im Sparkassenhaus. Doch auch hier „ist was geplant“, wie Sparkassensprecher Stefan Knoche sagt. Das Vorhaben sei nur noch nicht spruchreif.

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