Der Singende Malermeister von Hennen übergibt seinen Betrieb

rnNachfolge im Handwerk

Seinen Malerbetrieb übergibt Manfred Scheller nach 50 Jahren an einen Nachfolger. Seine Fans dürfen sich aber freuen: Von den Karnevalsbühnen tritt der er aber noch nicht komplett ab.

Schwerte

, 01.08.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Farbrolle und Pinsel legt er aus der Hand, nicht aber das Akkordeon. Das braucht er weiterhin, wenn er den weißen Arbeitskittel noch einmal überstreift, um in Seniorenheimen für Schunkelstimmung zu sorgen. Der „Singende Malermeister“ Manfred Scheller (78), den Fernsehstar Thomas Gottschalk einst in seiner Hausparty bundesweit bekannt gemacht hat, verabschiedet sich aus seiner Handwerksfirma.

Ab August übernimmt sein Mitarbeiter Tobias Schrage (25) den Betrieb unter dem neuen Namen TS-Malerbetrieb Schrage. Die Adresse Letteweg 14, Iserlohn-Hennen bleibt.

Vorzeigeobjekt in Schwerte ist der „Goldene Hirsch“

Genau 50 Jahre sind dann vergangen, seit Manfred Scheller sich mit seiner Firma selbstständig gemacht hatte – damals noch an der Scherlingstraße in Hennen, wohin der „Schwerter Junge“ nach seiner Heirat gezogen war. Rückblickend – so sagt er – habe er alles richtig gemacht: „Man denkt immer, das ist eine kleine Firma, aber wir machen auch schon Großobjekte.“

Der "Goldene Hirsch" prägt die Ecke Werner-Steinem-Platz/Hagener Straße in Schwerte. Die Fassade wurde vom Malerbetrieb Manfred Scheller renoviert.

Der "Goldene Hirsch" prägt die Ecke Werner-Steinem-Platz/Hagener Straße in Schwerte. Die Fassade wurde vom Malerbetrieb Manfred Scheller renoviert. © Reinhard Schmitz

Am Ring in Dortmund sorgte er mit seinem Team für Farbe, genauso wie in Grömitz, Hamburg und Dresden. Eine Hamburger Ärztin wollte sogar nicht auf die Hennener verzichten, als sie in eine neue Wohnung nach München umzog.

Und in Schwerte war der prächtige „Goldene Hirsch“ am Werner-Steinem-Platz die Vorzeigefassade. Die Tierfigur über dem früheren Gaststätteneingang wurde sogar mit Echtgold zum Glänzen gebracht.

Tobias Schrage (v.l.) übernimmt zum 1. August den Malerbetrieb von seinem Lehrmeister Manfred Scheller (78), der sich nach 50 Jahren Selbstständigkeit endgültig zur Ruhe setzt. Der langjährige Mitarbeiter Heiko Lorsbach bleibt an Bord.

Tobias Schrage (v.l.) übernimmt zum 1. August den Malerbetrieb von seinem Lehrmeister Manfred Scheller (78), der sich nach 50 Jahren Selbstständigkeit endgültig zur Ruhe setzt. Der langjährige Mitarbeiter Heiko Lorsbach bleibt an Bord. © Reinhard Schmitz

Wer an der Fassade des Gründerzeitkolosses hochschaut, dem kann schon auf dem Bürgersteig schwindelig werden. Und an Häusern wie diesem mit dem Eimer in der Hand das Gerüst heraufklettern? „Da gewöhnt man sich schnell dran“, sagt Tobias Schrage, der noch in diesem Jahr die Meisterprüfung ablegen will.

Nach der normalen Acht-Stunden-Schicht bereitet er sich viermal in der Woche bei der Handwerkskammer darauf vor. „Ich komme immer noch mit einem Lächeln nach Hause“, sagt der 25-jährige. Kein Wunder, wartet doch dort Ehefrau Sarah, die er vor zwei Wochen zum Traualtar führen konnte und die nach und nach auch in den Betrieb hineinwachsen will.

Der neue Chef singt bisher nur auf seinen Baustellen

Liebesglück, berufliche Selbstständigkeit und dann noch als i-Tüpfelchen der Meistertitel - das Jahr 2020 wird für Tobias Schrage ein ganz besonderes werden.

Seinen Beruf hat er von der Picke auf bei Manfred Scheller gelernt. Jeden Trick, jeden Kniff. Er versteht sich auf Fassaden, Fußböden und Treppenhäuser – auf moderne Raumgestaltung überhaupt.

Nur eins fehlt noch irgendwie: mit einem Lied auf der Bühne stehen. „Das habe ich noch nicht probiert“, sagt der neue Firmenchef mit einem Lächeln. Aber verrät gleichzeitig: „Auf Baustellen singe ich schon ganz gerne.“ Alles, was im Radio auf WDR 4 läuft, ist dabei – rauf und runter.

Wer auf der Hörder Straße im Stau vor dem großen Eisenbahntunnel steht, blickt auf die große Fassadenwerbung von Malermeister Manfred Scheller. Sein Nachfolger Tobias Schrage hat eine neue Rufnummer: (02304) 3095149.

Wer auf der Hörder Straße im Stau vor dem großen Eisenbahntunnel steht, blickt auf die große Fassadenwerbung von Malermeister Manfred Scheller. Sein Nachfolger Tobias Schrage hat eine neue Rufnummer: (02304) 3095149. © Reinhard Schmitz

So oder ähnlich wird die Stimmungsmacher-Karriere bei Manfred Scheller auch angefangen haben. Ursprünglich wollte er mal Rock´n´Roller werden, spielte in den 50er-Jahren mit dem Sinfonic-Quartett in Kneipen zum Tanz auf. Dann entdeckte ihn die Showgruppe „Baarbachsänger“ für den Hennener Karneval, wo er als Singender Malermeister in die Bütt stieg.

„Bestimmt 30 Jahre lang“, so sagt er, sorgte er für Schunkelstimmung bei den großen Prunksitzungen. Mit seinen Schlagern wie Pizza und Zicke-Zacke, Heini unser Hahn, Frau Meier mit den gelben Unterhosen und natürlich Kanada (Refrain: „Kann er hier, kann er da...).

Thomas Gottschalk machte den Singenden Malermeister berühmt

Für Thomas Gottschalk schmetterte der Singende Malermeister in den Münchener Bavaria-Filmstudios das Campinglied. Er kann aus einem breiten Repertoire schöpfen, wenn er immer noch bei Sommerfesten, Karneval und anderen Feiern in Seniorenheimen auftritt: „Da ist ein sehr dankbares Publikum.“

Video
Der Singende Malermeister Manfred Scheller singt das Campinglied

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