Der Supersommer 2018 - welchen Waldtieren in Schwerte hat er geschadet, welchen geholfen?

rnWildschweine, Hasen, Rehe

Der Sommer 2018 war heiß - und einige Folgen sieht man jetzt in den Wäldern in Schwerte: Bei den Wildtieren gibt es Gewinner und Verlierer. Und man sollte auf einiges besonders achten.

Schwerte

, 30.04.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Steigt im Frühling das Thermometer beginnt die Brut- und Setzzeit - Hasen, Enten, Gänse, Füchse, Rehe und Wildschweine bringen jetzt ihren Nachwuchs zur Welt. Generell geht es den Wildbeständen in Schwerte recht gut, sagt Christian Junge vom Schwerter Hegering, in dem alle Schwerter Jäger organisiert sind. Aber der trockene Supersommer 2018 hat in Schwerte Gewinner und Verlierer hervorgebracht.

  • Wildschweine: Stark schwanken die Bestände der Wildschweine. Obwohl die Zahl NRW-weit recht stabil ist, da die vergangenen Winter mild waren. „Schweine lieben milde Winter ohne längere Frostperioden“, so Christian Junge. Normalerweise hat das Borstenvieh eine Reproduktionsrate von 300 Prozent, bekommt ein Mal im Jahr im Frühjahr Frischlinge. „Ist der Winter mild, kann aber durchaus auch nochmal im Herbst beziehungsweise Winter Nachwuchs kommen.“ Das führt zu großen Beständen, die dann auch für Landwirte zum Problem werden können. Denn die schmackhaften Feldfrüchte locken die Schweine auf die Felder. Durch eine hohe Populationsdichte steigt auch das Risiko der Verbreitung der hochansteckenden Afrikanischen Schweinepest, so Christian Junge. Im trockenen Sommer 2018 aber haben auch die heimischen Wildschweine gelitten. „Bei starker Trockenheit kommen einfach weniger Junge durch“.
  • Rehe: Mit den Beständen des Rehwildes ist Christian Junge sehr zufrieden. Sie entwickeln sich über die Jahre gesehen gut. Aber im trockenen Sommer haben auch sie gelitten. Ebenso wie die Kaninchen.
  • Hasen: Sie sind die großen Gewinner des trockenen Sommers, sagt Christian Jung. Denn sie mögen es trocken. „Bei Nässe werden die Tiere schnell von Parasiten befallen, das schwächt sie“, so Christian Junge. Bleibe es aber von Frühjahr bis Sommer durchgehend trocken, wie 2018, könne sie mehrere Jungtiere großziehen. „Man sieht sie jetzt oft auf den Schwerter Feldern. Das freut uns alle sehr.“
  • Gänse: Die Gänse sind in ganz NRW auf dem Vormarsch. In Schwerte ist es noch nicht so ein Problem wie andernorts, meint Christian Junge, aber die Tendenz sei da. Kanada-Gänse, Nil-Gänse und Graugänse fühlen sich in unseren Breiten wohl. Das Problem: Mit ihren großen Füßen, oder Latschen wie der Jäger sagt, treten sie viel Grün platt und verkoten ihr Umfeld.

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Diese Regeln sollten Menschen im Wald beachten

Damit die Jungtiere sicher aufwachsen können, bitten die Schwerter Jäger Erholungssuchende und Hundehalter um Rücksicht und Einhaltung einiger Verhaltensregeln:

  • Auf den Wegen bleiben: Wildtiere halten sich gern im Dickicht der Wälder sowie in Feldern, Wiesen und Hecken auf. „Es ist daher unbedingt notwendig, diese Ruhezonen zu meiden und die Wege nicht zu verlassen“, bittet Junges Vater Dietrich Junge, Vorsitzender des Schwerter Hegerings.

  • Hunde an die Leine: Frei laufende Hunde sind eine Gefahr für trächtige Tiere und brütende Vögel sowie deren Nachwuchs. So wurde an den Ostertagen im Schwerter Wald ein junger totgebissener Fuchs aufgefunden, berichtet Christian Junge vom Hegering. Vierbeiner sollten deshalb in diesen sensiblen Bereichen am besten an die Leine.
    Der Supersommer 2018 - welchen Waldtieren in Schwerte hat er geschadet, welchen geholfen?

    Kanada-Gänse fühlen sich auch in Schwerte rund um die Ruhr mittlerweile sehr wohl. © LJV NRW/Dr. B. Stemmer

  • Wildtiernachwuchs nicht anfassen: Aufgefundenes Jungwild darf auf keinen Fall berührt werden. Scheinbar verwaiste Rehkitze oder Junghasen sind meistens gar nicht so hilflos, wie es vielleicht den Anschein hat, erklärt Christian Junge. Der gut getarnte Nachwuchs werde in den ersten Lebenswochen von den Müttern oft viele Stunden allein gelassen und nur zum Säugen aufgesucht – so schützen die Eltern ihre Jungen vor Fressfeinden. Die Küken bodenbrütender Vögel sind oft „Nestflüchter“ und laufen selbstständig umher, werden aber weiter von den Eltern versorgt, so Christian Junge. Beim Berühren überträgt sich der Menschengeruch auf das Jungtier, die Eltern nehmen es danach oft nicht mehr an. So werden die Kleinen dann tatsächlich zu Waisen.
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