Philipp Halbach (v.l.) mit Sascha Kernchen, Susanne Brune und Alexandra Edelhoff. Insgesamt kommt das Quartett auf neun Kinder. Das Unternehmen "Diagramm Halbach" ist besonders familienfreundlich. © Martina Niehaus
„Pluspunkt Familie“

Diagramm Halbach: „Wir möchten ein Arbeitgeber für das ganze Berufsleben sein“

Der Kreis Unna zeichnet familienfreundliche Unternehmen aus. Unter den Schwerter Kandidaten: Diagramm Halbach. Das Unternehmen „strickt“ sein Konzept auf jeden Einzelnen zurecht.

Sie sind beide Führungskräfte. Sie leitet das Personalmanagement, er die IT. Doch Alexandra Edelhoff und Sascha Kernchen haben neben ihrer Arbeit als Führungskräfte noch etwas gemeinsam: Beide haben eine Familie. Sind Eltern von jeweils zwei Kindern. Alexandra Edelhoff hat zwei Söhne (11 und 9), Sascha Kernchen einen Sohn (8) und eine Tochter (11).

Beide packen problemlos den täglichen Spagat zwischen Familienalltag und Arbeit. Was auch am Arbeitgeber liegen könnte: Das Unternehmen „Diagramm Halbach“ aus Villigst bemüht sich, um jeden einzelnen Mitarbeiter herum ein passendes Arbeitskonzept zu „stricken“. Und hat sich damit beim Wettbewerb „Pluspunkt Familien“ des Kreises Unna beworben. Der zeichnet Mitte Dezember familienfreundliche Unternehmen aus.

50 unterschiedliche Arbeitsmodelle

Das international tätige Familienunternehmen ist Systemanbieter für medizinische Verbrauchsmaterialien und spezialisiert in den Bereichen Healthcare und Sicherheitsdruck. Derzeit gibt es für die insgesamt 300 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe rund 50 unterschiedliche Arbeitsmodelle. Beispielsweise mit 8, 11, 13 oder 17 Stunden in der Woche. Oder je nach Stundenzahl mit halben oder ganzen Tagen, mit Arbeitszeit am Vormittag oder Nachmittag. Zu Hause oder im Büro.

Dabei stehen nicht nur Familien mit kleinen Kindern im Fokus. „Es geht um ein allgemeines Verständnis für die Balance zwischen Leben und Arbeit“, erklärt Philipp Halbach. Er ist mit seinem Bruder Thomas einer der geschäftsführenden Gesellschafter von Diagramm Halbach und hat selbst drei Kinder.

Nicht nur Familien mit kleinen Kindern sind wichtig

„Wir möchten gern ein Arbeitgeber für das ganze Berufsleben sein“, erklärt Philipp Halbach. Besondere Arbeitszeitregelungen gibt es daher auch für Familien, die zum Beispiel Angehörige pflegen. Darüber hinaus arbeite man mit externen Partnern zusammen, die in besonderen Situationen professionell unterstützen können.

Homeoffice kann dabei helfen, Betreuungsnotfälle zu überbrücken. Doch auch flexible Bürozeiten sind ein gutes Mittel, um Mitarbeiter zu halten.
Homeoffice kann dabei helfen, Betreuungsnotfälle zu überbrücken. Doch auch flexible Bürozeiten sind ein gutes Mittel, um Mitarbeiter zu halten. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

„Wir erwarten nicht, dass jemand ununterbrochen für das Unternehmen da ist“, sagt Halbach. Man vermeide grundsätzlich Meetings abends oder am Wochenende. „Niemand muss seine Mails noch spätabends beantworten. Wir gehen davon aus, dass man auch noch ein Privatleben hat.“

Und das Privatleben kann ja auch durchaus anstrengend sein. „Gerade wenn es zu Hause mal drunter und drüber geht, dann brauch ich gar nicht fragen“, erzählt Alexandra Edelhoff. „Im Gegenteil: Die Chefs kommen auf mich zu und fragen. Es tut gut, das zu wissen“, sagt sie.

Kontakt halten in der Elternzeit

Wer in Elternzeit geht, wird von niemandem schief angeguckt. Susanne Brune zum Beispiel war als zweifache Mama vier Jahre lang in Elternzeit. „Es gab immer Kontakt zu den Kollegen, ich wurde weiter zu Feiern eingeladen. Anschließend durfte ich in meine ursprüngliche Abteilung zurück, das war sehr schön“, sagt die 40-Jährige, die im Vertrieb arbeitet.

Auch wenn die Kinder im Kitaalter sind - Stress oder unvorhergesehene Situationen gibt es im Familienleben immer.
Auch wenn die Kinder im Kitaalter sind – Stress oder unvorhergesehene Situationen gibt es im Familienleben immer. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Im Corona-Lockdown, als Kitas und Schulen geschlossen hatten, bekam Susanne Brune die Möglichkeit, nachmittags zu arbeiten. „Dann kam mein Mann von der Arbeit zurück und konnte sich um die Kinder kümmern.“ Heute freut sich Susanne Brune darüber, dass man ihr so gut entgegengekommen ist. Obwohl ihr Sohn (3) und ihre Tochter (5) auch heute noch „sehr viel Mama brauchen“, arbeitet sie gern. Nicht nur im Homeoffice, sondern auch im Büro.

Das Kind kommt – und die neue Software ist da

Auch IT-Leiter Sascha Kernchen hat Elternzeit genommen – eine Selbstverständlichkeit. „Das ganze Team hat das mitgetragen, auch wenn es eine Herausforderung war.“ Dann sei allerdings morgens um sieben ein Anruf gekommen. „Ich war gerade im Kreißsaal, meine Tochter kam. Die neue Software musste ans Laufen gebracht werden, und beide Kollegen, die noch da waren, waren plötzlich erkrankt.“

Also kümmerte sich Sascha Kernchen von zu Hause aus übergangsweise mit – trotz Elternzeit. „In solchen Fällen bringen unsere Mitarbeiter eine hohe Bereitschaft mit“, freut sich Philipp Halbach. Und er betont: „Wenn sich ein Unternehmen auf die Familiensituation seiner Mitarbeiter einstellt, ist das keine Einbahnstraße.“

DER WETTBEWERB „PLUSPUNKT FAMILIE“

  • 26 Unternehmen, Einrichtungen und Verbände sind im Rennen um den „Pluspunkt Familie“ und wollen damit als familienfreundliches Unternehmen Kreis Unna 2021 ausgezeichnet werden. Sie haben sich beim Wettbewerb des Bündnisses für Familie Kreis Unna beworben.
  • In diesen Wochen besuchen Vertreter vom Bündnis für Familie, der Kreisverwaltung Unna, dem Jobcenter Kreis Unna, der Arbeitsagentur und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna die Firmen und sammeln Informationen über das jeweilige familienorientierte Firmenengagement als Grundlage für die Juryentscheidung.
  • Das Unternehmen „Diagramm Halbach“ war in der Vergangenheit mehrfacher Preisträger.
  • Zwei weitere Schwerter Unternehmen, die sich beworben haben, sind „Hörakustik Hesselbach“ und das Klara-Röhrscheidt-Haus. Wir stellen alle Bewerber vor.
Über die Autorin
Redakteurin
Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus