Die CDU liegt am Ende hauchdünn vorn, aber die eigentlichen Sieger sind die Grünen

rnEuropawahl in Schwerte

Mit Auszählung der letzten Briefwahl-Urne wurden die Grünen von der Spitze verdrängt. Nach deren Senkrecht-Aufstieg brauchen die CDU und SPD neue Strategien für die Kommunalwahl 2020.

Schwerte

, 26.05.2019, 22:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein Herzschlag-Finale. Von Anfang an hatten die Grünen bei der Auszählung der Europawahl in Schwerte die Nase vorn. In 19 von 37 Stimmlokalen hatten sie am Sonntag die meisten Stimmen auf sich vereinigen können. Doch bei der Auszählung der letzten sechs Urnen, in denen sich die Zettel der Briefwähler befanden, schrumpfte ihr Vorsprung. Und als gegen 21.30 Uhr auch der Briefwahlvorstand I seine 1.193 Wahlzettel ausgewertet hatte, waren die Grünen (29,98 Prozent) hauchdünn von CDU (24,09 Prozent) und SPD (23,99 Prozent) von der Spitze verdrängt.

„Das ändert nichts an unserer guten Laune“, sagte Grünen-Sprecher Maximilian Ziel. Denn seine Partei blieb trotzdem der eigentliche Gewinner, konnte ihre Stimmenzahl gegenüber der Europawahl 2014 mehr als verdoppeln. Zu dem Aufstieg habe beigetragen, dass ein Drittel der Unter-20-Jährigen für die Ökopartei gestimmt habe: „Das war auch eine Generationenwahl.“ Das Thema Klimaschutz liege im europolitischen Trend‚ müsse aber auch kommunal bedient werden. Neben dem guten Ergebnis für die Grünen sah Ziel aber noch zwei weitere Anlässe zur Freude: Zum einen die erneut gestiegene Wahlbeteiligung bei einer Europawahl und zum anderen, dass sich über 90 Prozent der Schwerter Wähler pro-europäisch ausgesprochen hätten.

CDU will moderner werden und junge Wähler gewinnen

Auch wenn sich am Ende die Zehntelprozente noch verschoben, erkannte CDU-Stadtverbandsvorsitzender Egon Schrezenmaier den Sieg der Grünen unumwunden an. „Gratulation an die Grünen“, war der erste Satz seiner Stellungnahme. „Sie haben das Programm gebracht, was die Wähler hören wollten.“ Der Wahlausgang habe die Stimmung bestätigt, die auch schon am Stand in der Fußgängerzone wahrzunehmen gewesen sei. „Wir müssen arbeiten und an die jungen Wähler dran“, sagte Schrezenmaier: „Wir müssen moderner werden, auch mit Social Media.“ Es sei ein Warnzeichen gewesen, dass die Jungen Grün gewählt hätten. Jetzt müsse man mit Volldampf auf die Kommunalwahl 2020 zugehen.

Als „sehr enttäuschenden und ernüchternden Tag für die SPD“ wertete deren Stadtverbandsvorsitzende Sigrid Reihs das Ergebnis. Es tue ihr Leid für die sehr gute Europa-Spitzenkandidatin Katarina Barley: „Aber ich bin Demokratin und sage: Herzlichen Glückwunsch an die Grünen.“ Nach ihrer Einschätzung habe die Umwelt- und Klimapolitik in den vergangenen Wochen große mediale Bedeutung gewonnen - auch ohne Zutun der Grünen. Aber die hätten das gut genutzt und mit ihren Galionsfiguren den Nerv getroffen: „Sie wirkten jünger und zukunftsorientierter.“ Auch die SPD-Chefin sah ein Zeichen für den Kommunalwahlkampf. Es müsse genauer überprüft werden, wie man die Bürger erreichen wolle, ob klassische Strategien noch ausreichten.

Europa-Kandidat Vincent Bartscher würde es noch einmal tun

Der einzige Schwerter Kandidat bei der Europawahl, Vincent Bartscher, konnte aus der Ferne einen Achtungserfolg für seine FDP verbuchen: Sie verdoppelte fast ihre Stimmenzahl auf 6,01 Prozent. „Wir profitieren vom besseren Allgemeintrend“, sagte er: „Damals 2014 war die Gesamtstimmung nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag schlecht.“ Mit seinem hinteren Listenplatz hatte Bartscher von vornherein nicht mit einem Einzug ins Brüsseler Parlament rechnen können - dazu hätte die FPD ungefähr die Hälfte aller für Deutschland vorgesehenen Sitze erringen müssen. Der Europawahlkampf mit den Podiumsdiskussionen - die es leider in Schwerte nicht gegeben habe - habe ihm aber Spaß gemacht: „Ich würde bei einer weiteren Europawahl wieder teilnehmen.“ Jetzt aber wird zunächst der Fokus auf die sportliche Karriere gelegt. Der 25-Jährige trainiert auf Hawaii für den Iron-Man, den härtesten Triathlon der Welt. Erst auf der halben Distanz, später ist dann der Vollprofi das Ziel.

Bürgermeister Dimitrios Axourgos dankten allen Wahlhelfern für ihr großes Engagement. „Ich freue mich über die im Vergleich zur Europawahl 2014 gestiegene Wahlbeteiligung in Schwerte“, sagte er. Und darüber, dass Europa mehrheitlich pro-europäisch gewählt habe. Zumindest in Deutschland habe das Thema Klima die beherrschende Rolle gespielt.

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