Die Eichenprozessionsspinner sind da - wie das Ordnungsamt sie bekämpft

rnGefährliche Raupen

Eichenprozessionsspinner haben Schwerte erreicht. Wie man sie bekämpft - darüber musste sich die Stadt erst kundig machen. Wie man die Tiere los wird und worauf man selber achten muss.

Holzen

, 07.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Es war nur eine Handvoll der haarigen Raupen, die Anwohner des Westhellwegs am Donnerstagmittag an Baum auf einer Verkehrsinsel am Westhellweg entdeckten. Sie alarmierten umgehend das Ordnungsamt, wie Anwohnerin Anja Kraisel erzählte. Die Raupen seien seit der Entdeckung Thema Nummer eins im Wohngebiet. „Das ist nicht witzig, hier stehen ja überall Eichen und wenn ich da an das unkontrollierbare Nickel-Gelände mit seinem Baumbestand denke,“ so Anja Kraisel.

Kleines Nest in drei Metern Höhe

Mitarbeiter des Bauhofes waren bereits am Donnerstag vor Ort, konnten die Raupen aber nicht finden, wie Stadtsprecher Ingo Rous am Freitag mitteilte. Und auch am Freitagmorgen suchten Mitarbeiter des Ordnungsamtes noch einmal die Bäume vergeblich ab. Da es sich nur um ein recht kleines Nest in drei Meter mit einer Handvoll Raupen handelte, die sich mit ihrer Färbung gut der Rinde anpassen, konnten sie sie nicht ausmachen. Anja Kraisel konnte der Redaktion den Standort des Baumes genau beschreiben, sodass die Raupen dann doch noch gefunden wurden. In drei Meter Höhe saßen sie auf der Rinde, ein sich windendes Knäuel unter bräunlichen Krumen verborgen. Immer wieder bilden einzelne Raupen eine lange Prozession - daher der Name - und winden sich den Stamm hinauf. Es ist Eile geboten, denn wenn sie sich in die Krone verziehen, sind sie nur noch schwer zu finden.

Raupensichtung

Zeitnah Stadt informieren

Wer die Raupen entdeckt, sollte umgehend das Ordnungsamt informieren unter Tel. 104-352. Außerhalb der Schließzeiten des Rathauses ist die Feuerwehr zuständig.

Kommunen ergreifen unterschiedliche Maßnahmen

Doch wie bekämpft man die Insekten am besten? Darüber müssen sich Jenny Golombek, Leiterin des Ordnungsamtes, und Bernd Krawczyk, Leiter des Bauhofes, zunächst informieren. Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen: Von Abflämmen und Einsaugen bis zum Versprühen von Insektiziden.

In Dortmund haben die Raupen schon den ganzen Fredenbaumpark im Griff: Eichen und Hainbuchen sind ihre Lieblingsplätze. Sie treten gern an Einzelbäumen auf, wie etwa an Straßenrändern oder in Parks. An Stämmen und Ästen bilden sie Raupennester, die bis zu einem Meter lang werden können. Die Larven entwickeln Brennhaare mit Widerhaken, die bei Menschen und Tieren starke Reaktionen hervorrufen können: Die Haare verursachen Juckreiz, Hautrötungen und Bindehautentzündungen. Gelangen sie in die Atemwege, können sie Entzündungen und Atemnot verursachen.

Die Eichenprozessionsspinner sind da - wie das Ordnungsamt sie bekämpft

Die Raupen des Prozessionsspinners bilden immer wieder eine kleine Prozession den Baum hinauf. © Theobald-Block

Einsatz im Schutzanzug

Da es sich um ein kleines Nest handelt, entschließt sich Bernd Krwaczyk schließlich für das Einsaugen. „Auf die Schnelle kriegen wir keine Spezialfirma, die sind alle in Dortmund im Einsatz. Das müssen wir schon selbst machen.“ Eine Stunde später rücken die Baumpfleger des Bauhofes, Michael Wollmer und Daniel Kaufhold, mit einem großen Kesselsauger an. Michael Wollmer schlüpft in einem weißen Schutzanzug , den er sich von der Schwerter Feuerwehr besorgt hat, und setzt eine Atemmaske auf. Als Michael Wollmer die Leiter anlegt, scheinen die Tierchen zu bemerken, dass sich etwas tut. Die haarige Prozession macht sich auf den Weg in die Höhe. Was zunächst recht spektakulär aussieht, geht dann doch recht schnell. Rauf auf die Leiter, Staubsauger an und - flups - verschwindet ein um das andere Tier im Saugrüssel. Michael Wollmer saugt noch einmal gründlich den Stamm ab, um auch alle Härchen einzusammeln und schon ist seine Arbeit getan.

Weitere Ausbreitung wahrscheinlich

„Den Schutzanzug und den Beutel mit den Raupen entsorgen wir jetzt fachgerecht“, erklärt Bernd Krawczyk. Vermutlich werde man den Beutel verbrennen. Im Anschluss kontrollieren die Baumpfleger noch einmal gründlich die Bäume. „Wir hoffen, dass es nur das eine Nest war“, so Daniel Kaufhold. Aber es sei zu befürchten, dass sich die Falter weiter ausbreiten und nicht an der Stadtgrenze bleiben.

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Auch der Kreis Unna warnt vor den Raupen. „Die Raupen des Nachtfalters schlüpfen Ende April. Sie bilden dann Gifthaare aus, die für Menschen und Tiere gefährlich sein können“, sagt Amtsarzt Dr. Roland Staudt. Daher heißt es zurzeit: Abstand halten zu Eichen, in denen die Tiere ihre Nester gebaut haben. Besonders beliebt seien bei den haarigen Insekten freistehende Eichen sowie Eichen, die in der Sonne stehen.

Schnell unter die Dusche und die Kleidung wechseln

Wer mit den Härchen in Kontakt gekommen ist, sollte bestenfalls sofort unter die Dusche steigen, Haare waschen, die Kleidung wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen. Wer gerade nicht unter die Dusche kann, sollte die betroffenen Stellen vorsichtig mit kaltem Wasser waschen und trockentupfen – besser nicht rubbeln, da die Gifthaare so tiefer in die Haut gelangen können. „Kühlen hilft bei Schwellung und Juckreiz“, sagt der Amtsarzt.

Gartenbesitzer sollten auf Nummer sicher gehen und auf den Holzschnitt verzichten, solange die Nester im Baum erkennbar sind. Die Raupen selbst zu bekämpfen, ist dabei keine gute Idee – Fachleute haben eine spezielle Ausrüstung dafür. Diese Arbeit sollten Gartenbesitzer daher den Profis, also Schädlingsbekämpfern, überlassen.

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