„Die Feuerwehr ist eine Männerdomäne. Das hat mich aber nie gestört.“

rnFeuerwehr in Villigst

Almut Frank ist eine von wenigen Frauen bei der Feuerwehr Villigst. Warum sie sich trotzdem gut aufgehoben fühlt, wie es dazu kam und welche Herausforderungen anstehen, hat sie uns verraten.

Villigst

, 03.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn der Pieper geht, muss Almut Frank los. Abends, am Wochenende und auch nachts. Binnen weniger Minuten muss sie auf der Wache sein, die Uniform anlegen und im Löschfahrzeug sitzen. Was sie dann erwartet, ist oft ungewiss.

Seit drei Jahren ist Almut Frank bei der Freiwilligen Feuerwehr in Villigst aktiv.

Fast sei sie damals in das neue Hobby reingeschlittert, hatte erst nur ein paar Übungsdienste begleiten wollen, um einen ersten Einblick zu erhalten. „Und ehe ich mich versehen konnte, war ich dabei“, erinnert sich die Villigsterin.

„Frauen sind enorm wichtig für die Feuerwehr“

Dass ihre Beschäftigung nach Feierabend ungewöhnlich ist, weiß sie. „Mit Mitte 40 noch quer einzusteigen, ist nicht der Regelfall. Schon gar nicht als Frau. Die Feuerwehr ist eigentlich eine Männerdomäne.“ Gestört hat sie das aber nie.

Ganz im Gegenteil, Frauen seien enorm wichtig für die Feuerwehr, sagt auch Einheitsführer Lars Müller: „Gerade bei Unfällen oder Bränden haben die Kolleginnen einen ganz anderen Zugang zu den betroffenen Personen, haben in vielen Situationen sicherlich mehr Feingefühl.“

Drei Frauen gibt es derzeit beim Villigster Löschzug, hinzu kommen zwei aus der Jugendfeuerwehr.

Almut Frank half, als Schwan aus der Ruhr gerettet wurde

An ihre zwei bewegendsten Einsätze kann sie sich noch gut erinnern: Im Mai rettete der Löschzug Villigst einen unter einem Stein eingeklemmten Schwan aus der Ruhr. Zusammen mit ihren Kollegen musste Almut Frank im Boot den Fluss überqueren. Die Retter fuhren mit dem Boot zu dem Tier und konnten es befreien. „Das war echt hart, weil die Strömung so stark war. Aber es war ein schönes Erlebnis.“

„Die Feuerwehr ist eine Männerdomäne. Das hat mich aber nie gestört.“

Um den Schwan zu retten, mussten die Mitglieder des Löschzuges Villigst der Freiwilligen Feuerwehr erst mit dem Boot die Ruhr überqueren. © Feuerwehr LZ Villigst

Ernster wurde es bei einem Garagenbrand, zu dem der Löschzug gerufen wurde. „Wir sind gerade aus dem Fahrzeug gestiegen, da ist plötzlich eine Gasflasche explodiert“, erinnert sie sich. Verletzt wurde niemand und solche Situationen seien auch eher ein Einzelfall. Der Standard seien auslösende Brandmeldeanlagen.

Kam über Tochter zur Feuerwehr in Villigst

Zur Feuerwehr kam die 49-Jährige über ihre Tochter. „Die war schon länger bei der Jugendfeuerwehr aktiv und hat mich irgendwie inspiriert. Sie ist auch diejenige, die mir die Tasche bereitstellt und die Garage öffnet, wenn der Pieper geht. Damit ich direkt zur Wache durchstarten kann.“

Mittlerweile ist Almut Frank vollwertiges Mitglied, hat die Position der Kassierin übernommen, fährt schon die Einsatzleitwagen.

Nur in den großen Löschfahrzeugen muss sie weiterhin auf den Beifahrersitz. „Die Führerscheine werden von der Stadt bezahlt. Wir müssen warten, bis die Wache wieder einen zur Verfügung gestellt bekommt“, erklärt Lars Müller.

„Die Feuerwehr ist eine Männerdomäne. Das hat mich aber nie gestört.“

Für das Foto hat sich Almut Frank hinter das Steuer des Löschfahrzeugs gesetzt. Fahren darf sie ihn noch nicht, erst muss der Lkw-Führerschein her. © Aileen Kierstein

22 Mitglieder zählt der Löschzug Villigst der Freiwilligen Feuerwehr derzeit. „Eigentlich bräuchten wir 50 Leute“, so Müller. Und deswegen ist man auch weiterhin auf der Suche nach Mitgliedern im Alter zwischen 17 und 60 Jahren, egal ob männlich oder weiblich. Wichtig sei es nur, dass sie auch in Villigst wohnen, um so schnell wie möglich an der Wache zu sein.

Interessierte können sich an die Feuerwehr wenden unter feuerwehr.villigst@stadt-schwerte.de oder die Kameraden einfach ansprechen.

Lesen Sie jetzt