Die letzte Rettung schließt

SCHWERTE Die Tage des Bunkers unterm Marktplatz sind gezählt. Allerdings war die Schutzfunktion für die Zivilbevölkerung eh nur noch "theoretischer Natur", wie Dieter Hoffmann von der Stadtverwaltung berichtet.

von Von Jürgen Koers

, 20.07.2007, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Ein überholtes Bedrohungsszenario" sei der kalte Krieg, sagt die Bezirksregierung. Der Bunker, Anfang der 80-er Jahre fertig gestellt, entspricht nicht den Anforderungen zur Bekämpfung aktueller Gefahren, etwa durch Terroranschläge. Auf Erlass des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe fallen nun die laufenden Kosten weg. Jährliche Gesamtsumme: "Etwa 150 Euro für die Stromversorgung", erklärt Hoffmann vielsagend und mit hoch gezogenen Augenbrauen.

"Ein überholtes Bedrohungsszenario" sei der kalte Krieg, sagt die Bezirksregierung. Der Bunker, Anfang der 80-er Jahre fertig gestellt, entspricht nicht den Anforderungen zur Bekämpfung aktueller Gefahren, etwa durch Terroranschläge. Auf Erlass des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe fallen nun die laufenden Kosten weg. Jährliche Gesamtsumme: "Etwa 150 Euro für die Stromversorgung", erklärt Hoffmann vielsagend und mit hoch gezogenen Augenbrauen.

Aberwitzig: Vorwarnzeit für die volle Funktionstüchtigkeit betrug sechs Monate

So kommt statt Panik ob mangelnder Sicherheit eher nostalgische Wehmut auf, als der städtische Angestellte, der für den technischen Betrieb der Mehrzweckanlage einsteht, für die Ruhr Nachrichten die geheimen Kammern unterhalb des City-Centrums öffnet. Öffentlich zugänglich ist die dortige Tiefgarage. Die Vorwarnzeit zur Einrichtung des Luftschutzraumes mit Betten und Lebensmitteln, eben dem Notwendigsten, beträgt offiziell sage und schreibe sechs Monate. Selbst vor 25 Jahren ein aberwitziges Szenario.

Raum war nur für exakt 1685 Bürger. "Mehr Platz war nicht vorgesehen", nickt Hoffmann. Eine Liste mit wichtigen Personen, die bevorzugt Zutritt hätten, gebe es nicht, auch wenn dieses in der Stadt weiter kolportiert werde. "Das ist Unsinn", so Hoffmann.

Er verfügt neben der Feuerwehr über den einzigen Schlüssel für die Lagerräume. Dort befinden sich Schrauben und Winden, einige groß wie ein Arm. Sie öffnen die schweren Schleusentore aus Stahl und Beton. Diese hätten Bomben und atomare Strahlung abgehalten - zumindest in der Theorie. "Bei der heutigen Waffentechnik wären die Bunker wohl direkt eingestürzt", vermutet Kai Ohlenbostel, Dortmunder Experte des Studienkreises Bunker.

Länger als 30 Tage wäre der Luftschutzraum nicht zu betreiben gewesen. Zwar funktioniert der Dieselgenerator, der bei Stromausfall auch die Versorgung für die Tiefgarage übernähme. Doch mehr als 80 Liter Brennstoff sind nicht vorrätig. "Wächter der Reste", nennt sich der technische Verantwortliche Hoffmann ironisch. Trockenaborte und Trinkwasserbecken zählen zu diesen Überbleibseln. Nichts von Wert. Keine Devotionalien.

Die letzte Zivilschutzübung fand vor 21 Jahren statt

Vor 20 Jahren, am 2. September 1986, gab es die letzte Zivilschutzübung. Als Beobachter dabei war auch der "Ausschuss für Angelegenheiten der zivilen Verteidigung" unter Vorsitz des damaligen Bürgermeisters. Einige Jahre lang, bis 1994, bestand er auch noch auf dem Papier. "Aber wir haben nie getagt. Zum Glück, muss man ja sagen", erinnert sich stellvertretender Bürgermeister Rudi Pohl. Heute müsste im Ernstfall eine weiter verzweigte Kommandokette von Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen greifen.

Schwertes Bunker jedenfalls bietet keine sichere Zuflucht mehr. Er hat als letzte Rettung ausgedient. Immerhin taugt er noch als Parkplatz für Einkäufer.

 

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