Die Wittekind-Brauerei: Als Westhofen noch sein eigene Bier hatte

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Früher wurde Bier in fast jedem Ort gebraut. Auch deshalb, weil der Gerstensaft längst nicht so haltbar war, wie heute. In Westhofen lag die Brauerei an der Mesenbecke

Westhofen

, 10.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wie eine Burg, auf mächtigen Stützmauern, thront am Ortsende von Westhofen das Haus Nr. 12 hoch über der Mesenbecke. Geadelt war es einst mit dem Namen „Wittekind-Brauerei“, berichtet Ortsheimatpfleger Lothar Meißgeier. Wie der Gerstensaft schmeckte, weiß keiner mehr. Denn bereits im Jahre 1915 wurde der letzte Sud in die Fässer gefüllt.

Nur eine einzige Biersorte

„Ich glaube, die haben weder Pils noch Export gebraut“, sagt Meißgeier: „Eher nur ein Tagesbier für den Haustrunk, das nicht allzu lange haltbar war.“ Eigentlich seltsam, wo doch ein Mitglied der Brauer-Dynastie Wencker seine Hände mit im Spiel hatte. Mitgründer Wilhelm Wencker, dessen berühmter Verwandter den Ruf der Dortmunder Kronenbrauerei vorantrieb, gründete die „Wittekind“ im Jahre 1875 gemeinsam mit seinem Kompagnon Schmiemann. Beide Namen sind noch auf dem Grundstein zu lesen.

Die Wittekind-Brauerei: Als Westhofen noch sein eigene Bier hatte

So sah das Wohnhaus Mesenbecke 12 aus, als in seinen Räumen noch Wittekind-Bier gebraut wurde. © Reinhard Schmitz

Auch anderswo in Westhofen braute man Bier

Schmiemann musste sich auch auf die Trinkgewohnheiten der Westhofener verstehen, war er doch Schwiegersohn von Heinrich Schmiemann, der bis 1873 sein eigenes Bier im Bauernhaus Westerhoff an der Reichshofstraße 79 produzierte. Ausgeschenkt wurde es in der „Passagierstube“, die 1843 für die Fahrgäste der ersten Postkutschen eingerichtet worden war.

Heute ist die Brauerei ein Wohnhaus

Im Jahre 1905 kaufte die Familie Borggräfe die Brauerei, die längst zu einem Wohnhaus mit besonderem Charme umgebaut worden ist. Wie ein Schlosspark wirkt der ausgedehnte Garten, der sich an die Auffahrt zu dem Anwesen anschließt. Durch Mauerlücken, die an Schießscharten erinnern, fällt der Blick auf den wuchtigen Eiskeller. Über Luken im Dach ließen die Bierbrauer hier Eisblöcke einlagern, die im Winter aus einem Teich auf dem Gelände der heutigen Amtswiese ausgesägt wurden. Bestreut mit Sägespänen, musste das Kühlmittel für den Sommer ausreichen.

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