Dieser Mann leitet den Bau der Lennetalbrücke

Harald John aus Weimar

Von Schwerte hat er kaum etwas gesehen - nicht viel mehr als die Straße zwischen seiner kleinen Wohnung am Ostentor und dem Bürocontainer unter der Lennetalbrücke an der A45. Dort leitet er den Bau der neuen Brücke - oftmals 13 Stunden am Tag ist er im Einsatz. Wir haben Harald John getroffen.

Schwerte

, 06.09.2015, 07:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Harald John, Bauleiter beim Generalunternehmer Hochtief für den Neubau der Lennetalbrücke auf der A45. Wenn die erste Hälfte der stählernen künftigen Brücke (l.) fertiggestellt ist, kann das marode Betonbauwerk aus dem Jahre 1967 (r.) abgerissen werden.

Harald John, Bauleiter beim Generalunternehmer Hochtief für den Neubau der Lennetalbrücke auf der A45. Wenn die erste Hälfte der stählernen künftigen Brücke (l.) fertiggestellt ist, kann das marode Betonbauwerk aus dem Jahre 1967 (r.) abgerissen werden.

In führender Funktion beim Generalunternehmer Hochtief ist es der 60-Jährige gewohnt, mit dem Koffer hinter seinen Arbeitsstellen herzuziehen. Seit 25 Jahren leitet der Diplom-Ingenieur, der seine ersten Erfahrungen beim Talsperrenbau Weimar in der damaligen DDR sammelte, für das Unternehmen große Vorhaben. "Zu 70 Prozent habe ich Brücken gebaut", berichtet er. Und schwärmt von der Sanierung herrlicher Bogenbrücken aus Naturstein - wie einem Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert am Schloss in Weimar.

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"Das ist meine größte Brücke, aber nicht die schönste", blickt John aus seinem Bürofenster auf die Betonpfeilerreihe durch das Lennetal. Darüber schiebt sich von beiden Uferseiten ein blauglänzender Metallkasten aufeinander zu, über den künftig einmal die Autos auf der A45 rollen sollen. Viel besser gefällt dem Fachmann der Vorgänger aus Beton, den vor allem der stetig steigende LKW-Verkehr seit 1967 mürbe gefahren hat: "Eine sehr schicke, wunderbar schlanke Brücke. Eigentlich jammerschade, dass wir sie abreißen müssen."

30 Schweißer arbeiten im Zwei-Schicht-Betrieb

Noch eine Galgenfrist von einem Jahr bleibt dem bröckelnden Bauwerk, aus dessen betagter Abwasserleitung bei starkem Regen schon Wasserfälle in die Tiefe prasseln. Ihre planmäßige Zerstörung kann beginnen, wenn die erste Hälfte der neuen Brücke Mitte 2016 fertiggestellt ist und den Verkehr übernehmen kann. Um diesen Zeitplan einzuhalten, arbeiten derzeit rund 30 Schweißer im Zwei-Schicht-Betrieb am Zusammenbau der Stahlbauteile, die das Lennetal überspannen sollen.

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Viel mehr Köpfe, als im Vorbeifahren an der Baustelle auszumachen sind, arbeiten aber im Hintergrund an dem Mammutvorhaben. Beim Landesbetrieb Straßen NRW in Hagen, beim Generalunternehmer Hochtief und bei einem halben Dutzend beteiligter Ingenieurbüros. "Ich bin das Mädchen für alles im Team", sagt John mit einem Lachen. Nur gemeinsam, Hand im Hand, könne so ein Projekt erfolgreich gelingen. Zusammen trifft man sich deshalb auch zum Grillen auf der Dachterrasse über den Bürocontainern.

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Die Baustelle an der Lennetalbrücke

Hier Sehen Sie einige Bilder vom Bau der Lennetalbrücke. Bauleiter Harald John ist verwantwortlich für des riesige Projekt. Er ist es gewohnt, seinen Projekten hinterherzureisen und sich immer nur für ein paar Monate oder Jahre niederzulassen.
01.09.2015
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Durch das Innere der zusammengeschraubten Stahl-Hohlkästen der neuen Lennetalbrücke führt ein Steg für Kontrollgänge.© Foto: Harald John
Auf die Garenfelder Seite umgezogen ist die Großbaustelle für die neue Lennetalbrücke auf der A45. Parallel zur Fahrbahn werden die riesigen Hohlkästen für den Überbau zusammengeschweißt, in einer Bauhalle lackiert und anschließend auf die fertigen Pfeiler geschoben.© Foto: Reinhard Schmitz
Blick auf die Baustelle Lennetalbrücke Hagen, A45, Blick Richtung Süden (Fahrtrichtung Frankfurt)© Foto: Björn Althoff
Auf die Garenfelder Seite umgezogen ist die Großbaustelle für die neue Lennetalbrücke auf der A45. Parallel zur Fahrbahn werden die riesigen Hohlkästen für den Überbau zusammengeschweißt, in einer Bauhalle lackiert und anschließend auf die fertigen Pfeiler geschoben.© Foto: Reinhard Schmitz
Eine Baustraße wurde von der Villigster Straße in Garenfeld zur Lennetalbrücke an der A45 gezogen.© Foto: Reinhard Schmitz
Harald John, Bauleiter beim Generalunternehmer Hochtief für den Neubau der Lennetalbrücke auf der A45. Wenn die erste Hälfte der stählernen künftigen Brücke (l.) fertiggestellt ist, kann das marode Betonbauwerk aus dem Jahre 1967 (r.) abgerissen werden.© Foto: Reinhard Schmitz
Eine Visualisierung der neuen Lennetalbrücke hat Bauleiter Harald John in seinem Büroflur aufgehängt.© Foto: Reinhard Schmitz
Michael Neumann ist bei Sraßen NRW Hagen Projektleiter für den Neubau der Lennetalbrücke auf der A45.© Foto: Reinhard Schmitz
Auf die Garenfelder Seite umgezogen ist die Großbaustelle für die neue Lennetalbrücke auf der A45. Parallel zur Fahrbahn werden die riesigen Hohlkästen für den Überbau zusammengeschweißt, in einer Bauhalle lackiert und anschließend auf die fertigen Pfeiler geschoben.© Foto: Reinhard Schmitz
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Aus seiner Heimat Weimar, in die es ihn jedes Wochenende zurückzieht, bringt John echte Thüringer Bratwürste mit. Kürbisse züchtet er in Balkonkästen vor dem Geländer.

Geplante Fertigstellung des 125 Millionen Euro Projekts in 2018

Ein bisschen Wohnlichkeit am Arbeitsplatz muss sein, wenn man dort bis Ende 2018 seine Tage verbringen will. "Ich werde wohl der Letzte sein, der hier geht", erklärt John. Denn in seiner Verantwortung liegt auch die Abrechnung des Großprojekts. 125 Millionen Euro - so ist es veranschlagt - werden am Ende wohl sinnbildlich durch seine Hände gegangen sein. Dabei dachte er mal, dass 20 Millionen für die Nordostumfahrung von Wien eine Riesensumme gewesen wären.

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