Dieser Mann will die Stadt Schwerte zur Abschaffung ihrer Schotterbeete verpflichten

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Private Schottergärten sind bereits verboten. Die Initiative „Schwerte pflanzt“ will jetzt auch die städtischen Schotterbeete beseitigen. Welche das sind und was aus ihnen werden soll.

von Maximilian Stascheit

Schwerte

, 17.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Auf dem Papier sieht es so aus, als hätte sich die Stadt Schwerte das Thema Klimaschutz ganz oben auf die Fahnen geschrieben. Bereits in den 1990er Jahren profilierte sich die Kommune mit dem ersten CO2-Minderungskonzept als kommunaler Vorreiter; 2013 wurde das Integrierte Kommunale Klimaschutzkonzept verabschiedet, das den Grundstein für die städtische Umweltpolitik der kommenden Jahre legen sollte. Jüngst hat Bürgermeister Dimitrios Axourgos das laufende Kalenderjahr zudem zum „Jahr der Biodiversität“ ausgerufen.

Initiative sieht bei der Stadt Nachholbedarf

Besonders im Bereich der städtischen Beete sieht die Initiative „Schwerte pflanzt“ allerdings dringenden Nachholbedarf – und fordert die Politik auf, die stadteigenen Schotterbeete insektenfreundlich zu bepflanzen. „Der vergangene Sommer hat uns in überdeutlichem Maß den Klimawandel erleben lassen. Auch Schwerte war, wie alle städtischen Ballungsräume, davon stark betroffen“, heißt es in dem Antrag, der am Mittwoch, 19. Juni, auf der Tagesordnung des Ausschusses für Bürgeranregungen und Bürgerbeschwerden steht.

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„Wir finden, dass die Stadt hier mit gutem Beispiel vorangehen sollte“, erklärt Antragsstellerin Sabine Miehe. Bisher sei seitens der Stadt in diesem Bereich noch viel zu wenig passiert – trotz entsprechender Ankündigungen. So seien am Wandhofener Kreisel am Fahrbahnrand die Beete zwar bereits mit der Samenmischung „Eschweger Blütenzauber“ bepflanzt worden, im Inneren des Kreisels liegen aber weiterhin „dicke Schottersteine“, wie Miehe es ausdrückt. Neben dem Wandhofener Kreisel bezieht sich ihr Antrag auch auf die Beete an der Ecke Goethestraße/Nordwall, der Ecke Westwall/Friedensstraße (vor Brillen Rauh), sowie das unter dem zur Hastingsallee gelegenen Rathausfenster. Dort hatte die Stadt zwar angekündigt, den Schotter zu beseitigen. „Hier ist leider auch überhaupt noch nichts passiert, obwohl das angekündigt wurde“, ärgert sich Miehe. Stadtsprecher Ingo Rous erklärte auf Nachfrage, dass das Schotterbeet am Rathaus noch in diesem Jahr verschwinden werde, wenn der Bauhof seine sommerliche Proritätenliste abgearbeitet hat.

Negativer Einfluss auf das Stadtklima

„Grundsätzlich ist es unser Ziel, den Anteil versiegelter Flächen in Schwerte zu verringern“, erklärt Marco de Matteis, einer der Mitsreiter von „Schwerte pflanzt“. Im Falle des Steingartens vor dem Rathaus sei dies besonders relevant, da es im Bereich des Wassergewinnungsgebiets II liege. „Das Wasser versickert dadurch nicht und bereichert auch nicht das Grundwasser“, so de Matteis.

Er hat den Eindruck, dass vielen gar nicht bewusst sei, wie schädlich die Schotterbeete für die Umwelt seien: „Der einzige Vorteil ist, dass sie einfach pflegeleicht sind. Aber sie beeinflussen das Stadtklima negativ – und hässlich sind sie auch noch.“

Das Anlegen privater Schottergärten ist bereits verboten

In dem Antrag geht die Initiative indirekt auch auf einen Beschluss der Kommunalpolitik ein, der das Anlegen privater Schottergärten in der Stadt bereits verbietet. „Bei diesem Thema geht es auch um die Glaubwürdigkeit der Stadt. Sie sollte mit gutem Beispiel vorangehen, bevor den Bürgern etwas Entsprechendes verordnet wird“, heißt es in dem Antrag abschließend.

Rückblick: Am 2. April hat der Ausschuss für Infrastruktur, Stadtentwicklung und Umwelt bereits einstimmig einem Antrag der SPD-Fraktion stattgegeben, die Neuanlage und Erweiterung privater Schottergärten konsequent zu untersagen und damit die bereits bestehenden Vorgaben der Landesbauordnung konsequent anzuwenden. „Offensichtlich haben die Kommunen hier noch ein bisschen Spielraum“, so de Matteis. Seine klare Forderung: „Jetzt ist es an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen und das auch im städtischen Gesetz ganz klar zu formulieren.“

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