Dieser Schwerter war Seelsorger auf Kreuzfahrten

22 Jahre lang

Erst war er Pfarrer, dann widmete er sich der Seelsorge an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Mit beidem ist jetzt Schluss. Denn Arthur Stenzel aus Villigst tritt nach 22 Jahren als "Bordseelsorger" in den Ruhestand. Uns hat er von seiner spannenden Tätigkeit an Bord erzählt.

SCHWERTE

, 26.08.2017, 05:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dieser Schwerter war Seelsorger auf Kreuzfahrten

Nach 22 Jahren als "Bordseelsorger" geht Arthur Stenzel in den verdienten Ruhestand.

Hoch über dem Garten der Stenzels in Villigst weht die Flagge von Swasiland. Ausgerechnet die hat Arthur Stenzel allerdings in Oberhausen gekauft. Die zahlreichen Souvenirs in seinem Büro in dem Einfamilienhaus sind allerdings alle direkt vor Ort erworben. Nach 22 Jahren als Seelsorger auf Kreuzfahrtschiffen tritt der Pfarrer jetzt in den endgültigen Ruhestand.

Es ist seine zweite Pensionierung. Denn aus dem regulären Pfarrdienst schied der Pfarrer, der zuletzt in Hagen für die Altenseelsorge zuständig war, bereits vor 12 Jahren per Altersteilzeit aus.

Danach begann seine Karriere als „Bordseelsorger“. Schon zuvor hatte er im Dienst der Evangelischen Auslandsberatung kürzere Reisen mitgemacht. Denn eigentlich ist die Tätigkeit als Bordseelsorger nur ein Nebenamt. Mit dem Ruhestand konnte Stenzel dann aber richtig einsteigen.

Die erste Weltreise

2005 trat er zu seiner ersten Weltreise an. Der sollten zwei weitere folgen. „Insgesamt habe ich zwei Jahre an Bord verbracht“, erzählt er. 102 Länder hat der heute 74-jährige mittlerweile bereist. Die meisten per Kreuzfahrtschiff. „Als ich das erste Mal davon hörte, dass es auf vielen Kreuzfahrtschiffen einen Bordseelsorger gibt, konnte ich das kaum glauben“, so Stenzel. Etwa zwölf Schiffe der unterschiedlichsten Kategorien reisen mit einem Bordseelsorger.

Eine Reise wurde evangelisch, die nächste katholisch betreut. Denn beide Konfessionen stellen Pfarrer für das Bordleben zur Verfügung. Die Pfarrer erhalten ihr Salär weiterhin von der Kirche, die Reisekosten übernimmt größtenteils die Reederei. Klubschiffe, wie die Aida, würden auf einen Pfarrer verzichten. Doch selbst die TUI denke derzeit darüber nach, Bordseelsorger einzuführen.

Jetzt lesen

An Bord gehört der Pfarrer übrigens zum Unterhaltungsprogramm. Neben Gottesdiensten und Seelsorge ist er auch für Vorträge zuständig. „Ich erläutere den Passagieren zum Beispiel den religiösen Hintergrund des Landes, das wir besuchen“, erklärt er.

Künstler zu begeistern

Und ein bisschen stolz verweist er auch auf die vielen Prominenten, die er dabei getroffen hat: ein Foto mit Hardy Krüger, ein Gottesdienst mit Christine Kaufmann, auf der Bühne mit Klaus Bednarz. Überhaupt seien die Künstler an Bord immer für die Gottesdienste zu begeistern gewesen.

Und welche seelsorgerischen Aufgaben stellen sich einem Pfarrer an einem Urlaubsort? „Oft ist es Trauerarbeit“, weiß Stenzel. Denn häufig rät man Hinterbliebenen zu einer Reise, um alles hinter sich zu lassen. Doch in der engen Welt an Bord funktioniert das nicht. Und dann gibt es die vielen Beziehungsprobleme an Bord. Manche Menschen stellten sich gerade im Urlaub die Sinnfrage.

Die Gottesdienste auf dem Schiff seien im Schnitt sogar besser besucht, als die in der Heimat. An jedem Seetag habe er einen ökumenischen Gottesdienst angeboten, erzählt der ehemalige Bordseelsorger. Und da die Weltreisen bis zu einem viertel Jahr dauerten – zumeist über Weihnachten und Ostern – waren große Gottesdienste inklusive.

Reisemission der evangelischen Kirche

Heute gehört die Betreuung der Kreuzfahrt-Passagiere zur Reisemission der evangelischen Kirche. Doch entstanden ist sie aus der Notwendigkeit, Auswanderer seelsorgerisch zu begleiten. Die Pfarrer damals fuhren allerdings mit den Schiffen, um dann in der Fremde zu bleiben.

Arthur Stenzel kehrte stets nach Villigst zurück. Schließlich lebt hier seine Familie. Und was macht ein Bordseelsorger im Ruhestand? „Ich halte viele Vorträge über die Bordseelsorge und meine Reiseerlebnisse“, sagt er.

Lesen Sie jetzt