Dirk Kreckel räumt ordentlich auf. Wenn er unterwegs Müll sieht, wird der mitgenommen und entsorgt. © Kreckel
Fotostrecke

Dirk Kreckel sammelt täglich Müll – und findet schon mal Überreste aus dem alten Jahrtausend

Wenn Dirk Kreckel das Haus verlässt, hat er immer eine Tüte dabei. Er sammelt den Müll auf, den andere achtlos in die Natur werfen. Seine Fotos zeigen, wie viele unschöne Entdeckungen er schon gemacht hat.

Bereits in seinem Abiturheft sei vermerkt, dass er Müll aufgesammelt habe, wenn der einfach herumlag. Und auch seine Freunde hat Dirk Kreckel stets darum gebeten, ihre Zigarettenkippen mit zum Mülleimer zu nehmen, wenn sie zusammen an der Lippe saßen.

„Für mich war das einfach schon immer eine Selbstverständlichkeit“, sagt Kreckel, der seit 2004 in Schwerte lebt. Der Müll gehört in den Mülleimer, so einfach ist das eben. Seit 2016 sammelt der Villigster auf seinen Spazierrunden das ein, was andere achtlos wegwerfen.

Alles sammeln von der Flasche bis zur Zigarettenkippe

Das Schlüsselerlebnis seien in ein Gebüsch geworfene Flaschen gewesen. „Irgendjemand hat diese Flaschen aus dem Gebüsch genommen und auf die Straße geworfen. Überall lagen Scherben. Das habe ich dann alles weggefegt.“ Seitdem sammelt Dirk Kreckel alles ein, von Flaschen und Dosen bis zur Zigarettenkippe.

Dabei habe er schon Müll gefunden, der noch aus dem alten Jahrtausend stammt. „Ich habe eine Packung Capri-Sonne gefunden, aus dem Jahr 1992. Auf Anfrage bei der Firma hieß es, dass die Plastikstrohhalme bald ersetzt werden. Aber das Problem sind ja die Packungen aus Plastik mit Aluminiumbeschichtung.“

Diese Verpackung einer Capri-Sonne trägt das Verfallsdatum April 1992 – sieht jedoch aus, als habe man sie erst vor Kurzem weggeworfen. © Kreckel © Kreckel

Auch jede Menge Flaschenpfand findet Kreckel. Ein Vorteil immerhin: Die Pfandflaschen kommen zurück in den Getränkehandel, das Pfand wird an das Elsebad und die DLRG-Ortsgruppe gespendet. Glasmüll landet in entsprechenden Containern. Der Müll wurde in Absprache bisher immer vom Stadtförster abgeholt. „Das waren in einem Jahr 24 Säcke von etwa drei Tonnen Gewicht.“

Mit dabei auf den Spaziergängen sind die Familienhunde Findus und Mika. Die tägliche Bewegung mit den beiden Magyar Vizsla sei dabei für Kreckel eine große Motivation. „Die Hunde brauchen viel Auslauf und so nimmt man sich auch die Zeit, draußen unterwegs zu sein.“

(Fast) immer mit dabei sind Findus und Mika. Die beiden Magyar Viszla lieben ausgedehnte Spaziergänge und helfen fleißig mit. © Kreckel © Kreckel

Entsprechend hat Kreckel nicht nur für die Hunde immer Beutel dabei, sondern auch für den Müll, den er auf seinen Spaziergängen einsammelt. Benutzt werden dabei Tüten, die im Haushalt so übrig sind: etwa Brötchentüten oder Gemüsebeutel. Und auch für die vielen Kippen hat Kreckel eine Lösung. „Ich habe selbstgemachte Aschenbecher an Bänken in Villigst aufgehängt. Die werden von den Leuten auch gut angenommen, das ist selbst der Stadtreinigung positiv aufgefallen.“

Fotostrecke

Dirk Kreckel räumt Schwerte auf

Und auch in die anderen Schwerter Stadtteile hat es der Aschenbecher schon geschafft. „Ich habe da Kontakt zu Personen, die das auch in Ergste und in Westhofen machen.“ Wichtig sei bloß, dass die Stellen regelmäßig kontrolliert und die Gläser geleert würden. Die selbstgemachten Aschenbecher sind mit einem Sticker der Initiative „City Cleaners Germany“ beklebt. Der Sticker informiert Personen darüber, was Kippen mit dem Grundwasser anrichten.

Solche Initiativen gibt es inzwischen viele – „Es gibt die City Cleaners, die Aufheber, die Bücker und No Time to Waste“, erzählt Kreckel. Er selbst würde sich eine solche Bewegung für Schwerte wünschen, hat selbst sogar das Projekt „No Time to Waste Schwerte“ gestartet. Sein Vorbild dabei ist Graz – „die Community hat über 800 Mitglieder, die alle daran mitwirken, Graz sauber zu halten“.

Die Aschenbecher macht Dirk Kreckel aus alten Marmeladengläsern. © Kreckel © Kreckel

Auch deshalb hofft Kreckel auf seine Mitmenschen aus Schwerte. „Es wäre schön, wenn hier auch eine solche Gruppe zustande käme, ähnlich wie in Graz. Ich denke, wir müssen uns nur untereinander vernetzen.“ Aufgefallen ist Kreckel seinen Mitmenschen in jedem Fall bereits – auf Facebook erhält er von den Nutzerinnen und Nutzern regelmäßig positive Rückmeldungen. Und wer ihn bei seiner Tätigkeit sieht, fragt auch mal interessiert nach.

Doch so viele diese Tätigkeit auch für gut befinden – wichtig sei vor allem, sich inspirieren zu lassen und selbst auch anzupacken, anstatt nur auf die Veränderung zu warten. „Mein liebstes Zitat dazu ist: ‚Lieber eine Kerze anzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen.‘“

Dirk Kreckel ist überzeugt: „Mit vernünftigem Recycling und Müllentsorgung sollten wir hier vor Ort anfangen.“ Und es sei wichtig, dranzubleiben, auch wenn vielleicht ein gesäuberter Ort bereits am nächsten Tag wieder vermüllt ist. Denn es sei eben so, dass unsere Gesellschaft ein Müllproblem habe. „Wenn ich den Bauern beim Umpflügen der Äcker zusehe, fällt mir auf, wie viel Müll dabei zum Vorschein kommt. Es braucht eine dringende Veränderung.“

Über die Autorin
Volontärin
Obwohl nicht in Dortmund geboren, bin ich doch eng mit dieser Perle des Ruhrpotts verbunden. Eine Stadt durch die Augen eines Journalisten kennenzulernen, das fasziniert mich. Seit Oktober 2017 arbeite ich für die Ruhrnachrichten und bin seit April 2020 Volontärin.
Zur Autorenseite
Denise Felsch