Ein Flyer brachte die Sache ins Rollen: Eine 82-Jährige ließ von einem Unternehmen die Garten-Hecke schneiden – für insgesamt 1071 Euro. Die Rechnung dazu ist dubios.

Schwerte, Berghofen

, 08.07.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer wieder fallen vor allem ältere Mitmenschen auf Haustür-Geschäfte rein. Plötzlich stehen Handwerker oder andere Dienstleister vor der Haustür, mit lauter Gerätschaften und Gerüsten und erwecken den Eindruck, dass sie von seriösen Unternehmen sind – sind sie aber oft nicht.

So passierte es auch einer älteren Frau (82) aus Dortmund-Berghofen. Tochter Antje Schmidt (53) hat mit der Redaktion darüber gesprochen. „Wir möchten nicht, dass noch mehr Leute auf solche Scharlatane reinfallen“, sagt Antje Schmidt.

Einwurf Einschreiben kommt zurück

Passiert ist das: Ein Flyer machte die Mutter von Antje Schmidt auf eine Firma aufmerksam, die Gartenarbeiten anbietet. Die Hecke musste geschnitten werden, sie rief an. 100 Euro Anzahlung leistete die ältere Frau und ließ die Hecke schneiden. Auf 1,75 Meter sollte sie geschnitten werden, „aber wie man sieht, ist sie bestimmt noch 1,80 Meter hoch“, sagt Antje Schmidt. Dann sollten weitere 971 Euro anfallen.

Antje Schmidt möchte eine Rechnung. „Da hat er gesagt, er habe in Schweden auch noch ein Gartenbauunternehmen und anscheinend muss man da keine Rechnungen ausstellen“, sagt Antje Schmidt. Sie besteht aber trotzdem darauf und schickt die Forderung nach eben solch einer per Einwurf Einschreiben an die angegebene Adresse am Phoenix-See in Dortmund-Hörde - ohne Erfolg.

Rechnungsnummer „001“ gibt zu Denken

Der Brief kann unter der angegebenen Adresse nicht an die Firma zugestellt werden. Das Einschreiben kommt zurück. Eine Rechnung kommt trotzdem - mit der Rechnungsnummer 001. „Als wäre das die allererste Rechnung“, sagt Antje Schmidt und stellt damit die Seriosität des Unternehmens in Frage. Außerdem ist nur ein Rechnungsbetrag von 971 Euro aufgelistet, keine Lohnstundenkosten und kein Betrag für die Grünschnittentsorgung.

Rechnungsnummer 001 und fehlende Lohnstundenkosten auf der Rechnungen erwecken einen dubiosen Eindruck.

Rechnungsnummer 001 und fehlende Lohnstundenkosten auf der Rechnungen erwecken einen dubiosen Eindruck. © Laura Schulz-Gahmen

Mit drei Leuten sei die Hecke geschnitten worden, wofür nach Meinung von Antje Schmidt nur eine Person notwendig gewesen wäre. Bezahlt hat sie trotzdem, „dummerweise hab ich trotzdem bezahlt, denn die Leistung wurde ja vollbracht, wenn auch nicht zu meiner Zufriedenheit und zu einem extrem hohen Preis“, ärgert sie sich. Zurückbuchen lassen geht nicht, denn sie hat den Betrag überwiesen.

Um sich Rat zu holen und damit das nicht noch mehr Personen passiert, hat sie sich an die Verbraucherzentrale in Schwerte gewandt. Die Dortmunderin arbeitet in Schwerte und hat dort mit Angelika Weischer von der Verbraucherzentrale gesprochen. Für Angelika Weischer sind solch dubiose Machenschaften von „fliegenden Händlern“, wie sie sie nennt, nichts Neues.

Verbraucherzentrale weiß um diese Betrügereien

Denn die Verbraucherzentrale stößt immer wieder auf solche Fälle. Dabei geht es oft um Dachreparaturen, die erst super günstig angeboten werden, aber dann doch extrem teuer sind.

Oder es sind „Kanalhaie“ unterwegs, die die Abwasserleitungen prüfen wollen und die Bewohner mit Lockangeboten überrumpeln. Genauso häufig stehen Leute vor der Tür, die Wespennester entfernen, oder eben auch wie im Fall von Antje Schmidt, die Hecke schneiden wollen. Also aufgepasst.

Damit möglichst wenigen Menschen ein Schaden an der eigenen Haustür passiert, hat die Verbraucherzentrale in Schwerte einige Tipps parat:

  • Wucher-Preise bei der Polizei anzeigen, wegen Sittenwidrigkeit
  • Bei überzogenen Rechnungen hilft die Verbraucherzentrale, diese anzufechten
  • Keine Rechnungen an der Haustür bezahlen, auch wenn Dienstleister versuchen Druck auszuüben. Jeder hat das Recht, Rechnungen erst eingehend zu prüfen.
  • Bereits gezahltes Geld ist schwierig zurück zu bekommen. Herauszufinden, wer hinter unseriösen Unternehmen steckt, ist oftmals unmöglich. Adressen und Steuernummern sind meist erfunden.
  • Die Vorwahl der Telefonnummern von Firmen gibt Rückschlüsse darauf, ob diese ortsansässig sind. Auch im Impressum auf Internetseiten kann man das in Erfahrung bringen.
  • Zweitmeinungen von ortsansässigen und bekannten Handwerkern und Dienstleistern können helfen, wenn ein Gerichtsverfahren auf Schadensersatz angestrebt wird.

Im Kreis Unna ist der Polizei nur ein weiterer Fall bekannt

Der Polizei im Kreis Unna liegen kaum Fälle wie diese vor. Pressesprecher Bernd Pentrop rät auch dazu, diese nicht als fliegende Händler zu bezeichnen, denn auch Aussteller auf Märkten und auf einer Kirmes nennt man allgemein hin fliegende Händler.

„Wir hatten in Unna im Mai einen solchen Fall. Dabei ging es um die Reinigung der Einfahrt“, sagt Bernd Pentrop. Allerdings sei das der einzige Fall, der ihm innerhalb seiner ungefähr einjährigen Tätigkeit als Polizeipressesprecher bekannt sei. Auch hier sei allerdings kein Straftatbestand ausfindig gemacht worden.

Generell sei es immer schwierig in solchen Fällen zu ermitteln, da die Preisgestaltung frei ist.

Polizei rät von Haustürgeschäften ab

Als Wucher wird etwas nur bezeichnet, wenn es mehr als doppelt so teuer ist, wie der eigentliche Preis. Das bedeutet, auch hier müsse man zumindest eine zweite Meinung einholen, um den Preis bestimmen zu können. Generell rät Bern Pentrop dazu, keine Haustürgeschäfte abzuschließen und sich bei bekannten Firmen Angebote einzuholen.

Die Polizei Dortmund konnte keine Zahlen nennen, dort hieß es: „Das läuft alles unter Betrug und wird nicht separat festgehalten.“

Verbraucherzentrale NRW Beratungsstelle in Schwerte

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