Durch die evangelische Gemeinde geht ein Riss

Nach Pfarrer-Weggang in Schwerte

Die evangelische Kirchengemeinde Schwerte ist schwer erschüttert. Die von „aufmüpfigen“ Gemeindemitgliedern initiierte Versammlung in St. Viktor zeigte am Sonntagmorgen, wie tief das Zerwürfnis ist. Von aristokratischen Strukturen war die Rede, von Zerrüttung und Unwetter. Es flossen sogar Tränen.

SCHWERTE

, 15.11.2015 / Lesedauer: 3 min
Durch die evangelische Gemeinde geht ein Riss

In der Gemeindeversammlung der evangelischen Kirche St Viktor sollten die Vorkommnisse der letzten Jahre aufgeklärt werden.

Der angekündigte Weggang von Pfarrer Klaus Inhetveen zum Frühjahr 2016, über dessen Freiwilligkeit trefflich gestritten wurde, hat für manche Protestanten in Schwerte offenbar das Fass zum Überlaufen gebracht: nach dem Rückzug von Manfred Wuttke in den vorzeitigen Ruhestand und dem Weggang der Pfarrer Antje Wischmeyer, Stefan Ebmeier und Kristina Ziemssen nun auch noch Klaus Inhetveen.

Der genießt als Seelsorger großen Rückhalt bei vielen Gläubigen, die von Presbyterium und Superintendentin immer wieder ein offenes Wort zum Weggang des beliebten Pfarrers hören wollten. „Warum muss er gehen?“ Diese Frage wurde mehrmals gestellt – und letztlich nicht beantwortet.

Und die Antwort des Presbyteriumsvorsitzenden Roland Preuß, „Es gibt keine Zerrüttung zwischen der Gemeinde und Herrn Inhetveen“, wurde sogar mit einer Mischung aus ironischem Gelächter und Buh-Rufen bedacht.

Gibt es Kirchen-Austritte nach dem Weggang des Pfarrers?

Der Gegenwind fürs Presbyterium gipfelte schließlich in dem mit viel Beifall bedachten Vorschlag, die Entscheidung über Klaus Inhetveen bis nach der Presbyteriumswahl im Februar 2016 zu verschieben. Da klang unverhohlen die Hoffnung nach einem neuen Presbyterium durch. Hat sich da ein Leitungsgremium weit von seiner Basis entfernt? Viele Wortmeldungen in der Gemeindeversammlung lassen diese Vermutung zu.

Klaus Inhetveen ließ sich schließlich zu einer Stellungnahme überreden („Wir wollen ihn hören!“), die Vieles offen und nur einen Schluss zuließ: Das Band zwischen dem Presbyterium und dem Pfarrer ist zerschnitten.

Das Leitungsgremium muss sicher aufpassen, dass dem Pfarrer nicht große Teile der Gemeinde folgen. Die Worte „Enttäuschung“ und „Austritt“ machten am Sonntag schon die Runde in der schön renovierten Kirche neben dem schmucken neuen Gemeindezentrum.

So sieht die Personalplanung für die Schwerter Gemeinde aus

Nicht ganz unumstritten, aber deutlich weniger kontrovers als die Personalfragen wurde die Zukunftsplanung der Gemeinde diskutiert, die das Presbyterium angesichts sinkender Mitglieder-Zahlen erarbeitet hat:  Vier Pfarrstellen für vier Seelsorgebezirke, Geisecke, Lichtendorf und Gänsewinkel, Schwerte-Ost und Schwerterheide, Villigst und die Innenstadt (hier steht Michael Kamutzki schon fest) sowie Schwerte-Nord und Wandhofen.

Jeder Seelsorger soll neben dem Bezirk eine zentrale Aufgabe übernehmen: Kinder- und Jugendarbeit, Betreuung der mittleren Generation, Seniorenarbeit (Kamutzki), Diakonieleitung.

Das Zentrum St. Viktor bildet den Schwerpunkt der fünften Pfarrstelle. Gottesdienste sollen jeden Sonntag in St. Viktor stattfinden, mindestens einmal monatlich aber auch in jedem Seelsorgebezirk. Das Paul-Gerhardt-Haus soll 2017 verkauft werden.

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